Der Berliner Maler Konrad Knebel stellt in der Galerie Parterre aus: Alte Häuser und die Spuren in ihren Gesichtern

Langsam, aber sicher werden Konrad Knebels Motive rar. Berlin ist Sanierungshauptstadt der Welt. Seit der Wiedervereinigung werden aus Ruinen Paläste. Konrad Knebel, einst Arno Mohrs Schüler, hat sich vor vielen Jahren schon die gründerzeitliche Mietskaserne zum malerischen Thema gemacht. Jedes Bild ist immer auch ein Geschichtsexkurs. Chronistentum indes steckt nicht hinter diesen Fassaden, Hinterhöfen, Brandmauern und wie skelettierten Fabrikwänden. Vielmehr geht es hier um eine hochkultivierte Malerei, die aus genauester Beobachtung entsteht. Und es geht um die Physiognomien verlassener Außen- und Innenräume, die zahllose Spuren dahinter gelebten Lebens tragen. Knebels Häuser haben Gesichter, hohlwangig oft, mit tiefliegenden matten Augen. Sie tragen Pflaster und Schminke, Risse und Runzeln. Oft sind es Häuser vor dem Abriss - von dieser Spezies hatte er zu DDR-Zeiten mehr Motive, als er malen konnte. Oder es ist die "Zwischenzeit", die er in seinen dunkel-romantischen Farben festhält, Fenster und Durchbrüche, durch die Licht strömt, es schlägt sich auf dem Fußboden mitunter als milchiges Raster nieder, streng, zugleich gespenstisch, wie in der Malerei der Pittura metafisica. Die Stadt aber verändert sich, für Melancholie ist keine Zeit im Moment vor der Restaurierung, nach der so ein altes Haus niegelnagelneu erscheint. Ganz im Sinne von Gustav Wunderwald gelingt dem 75-jährigen Knebel immer wieder die "berlinische Stimmung der Stimmungslosigkeit". Präzise modelliert er seine Häuser wie eigentümliche Skulpturen aus dem milchig-silbrigen Berliner Licht heraus, erreicht eine tonige Abstufung von Form, Fläche, Farbe. Radikal unterbricht er die Festigkeit der Linien, wagt kühne Spannungen zwischen akribischen Details und rhythmischer Flächenkomposition. Jedes Haus ist ein Stillleben vom Ende, das auf den neuen Anfang wartet.Galerie Parterre, Danziger Straße 101, vom 13. Juni bis 15. Juli, Mi-So 14-20 Uhr, Vernissage Di, 20 Uhr, mit Cembalo-Konzert des Sohns Sebastian Knebel.------------------------------Foto: Knebel setzt Signale vor seine stummen Zeugen der Berliner Alltagsgeschichte: Plakate auf dem Bauzaun.