Die Bilder leuchten, sie drängen pastos aus dunklen Gründen hervor. Es sind präzise Bilder, die jedoch nur Vages zu erkennen geben. Philipp Schack spielt die Grenzen zwischen Abstraktion und figurativer Malerei raffiniert aus, eine modische Balance, wie es zunächst scheint, jedoch hat dieses virtuose Spiel Schulcharakter. Berliner Kunst, und hier vielleicht insbesondere Ostberliner Kunst, erkundet seit langem schon jene Grenzmöglichkeiten, von denen aus die einen mehr zur Figur finden, die anderen sich mit Intensität dem Spannungsfeld von Raum und Fläche widmen. In diesem Kontext malt auch der 1967 in Berlin geborene Philipp Schack. Nach einem Abendstudium an der Kunsthochschule Weißensee studierte er dort von 1989 bis 1994 noch weitere fünf Jahre Malerei bei Dieter Goltzsche und Wolfgang Peuker, der ihn zum Meisterschüler machte. Die Galerie Leo.Coppi hat den Maler bereits während seiner Diplomphase auf der Kunsthochschule entdeckt und seither mit Ausstellungen und auf Kunstmärkten erfolgreich gefördert. Schacks Bildsprache ist offenkundig am Berliner Expressionismus geschult. Mitunter, etwa in einer abendlichen Bootsszene, tut sich ein ferner, blauer Horizont auf und man glaubt Bezüge zu Beckmann zu erkennen. Festlegen auf eine Tradition lässt sich Schack aber nicht. Seine von enormer Spannung und unergründlicher Gestalthaftigkeit geprägten Bilder reagieren nahezu eruptiv auf Wertekrisen in der Kunst: Die Möglichkeiten reiner Abstraktion sind im Wesentlichen durchgespielt, und das Vertrauen in realistische Malerei ist zumindest erschüttert. Aus der Begegnung jener beiden Kunstauffassungen erwächst jene bildnerische Zwischenwelt, die man zuweilen mit Missbehagen und Langeweile, manchmal aber auch voller Verwunderung betrachtet. Nicht selten lässt sich gerade in Grenzbereichen ästhetischer Gewinn erzielen. Schacks Gemälde sind zunächst ganz Bekenntnis zur Tradition des Tafelbildes, zur Malerei. Was vom Innenbild des Künstlers überdies vehement nach außen dringt, ist Schwebe, ein Grenzzustand, nicht auflösbare Ballung. Es sind intensive Bilder des Ahnungsvollen, einer nicht wirklich greifbaren Welt - prägnanter Ausdruck einer Übergangszeit. In diesen Gemälden herrscht nicht Anarchie oder Chaos, sondern Bildordnung, die etwas erkennbar und erfahrbar machen möchte, was sich bisher verschloss.Es kommt keine Heiterkeit und Leichtigkeit auf uns zu. Die Farbe ist dabei für den Maler "sinnlich, animalisch, brutal, schön und strahlend zugleich, eine art Droge". Seine aus "barocker Fülle sich herauskristallisierenden Figuren liegen im Graben zwischen Realität und Fiktion". Seiner bunten Bildwelt fügt Schack poetische Titel hinzu wie "Nachtläufer", "Der kleine König", "Seherin" oder "Wächter". Mit ihrer Hilfe findet man Spuren - um sich allerdings bald wieder in vorgeprägten Erwartungen zu verstricken.Galerie Leo.Coppi, Hackesche Höfe, Rosenthaler Straße 40/41, bis 7. April. Di bis Fr 13-18.30, Sa 12-18 Uhr.GALERIE LEO. COPPI Eruptive Reaktionen auf Wertekrisen in der Kunst: "Kopf-Rot", 1999.