Mit Friedrich Kautz könnte man sich auch auf Alt-Griechisch unterhalten. Oder auf Latein. Er hat am altsprachlichen Gymnasium Steglitz Abitur gemacht. Heute steht der 31-Jährige, besser bekannt als Prinz Pi, mit seinem neuen Album auf Platz 9 der inländischen Charts.Als "Studentenrapper" bezeichnet er sich in seinen Liedern selbst, als einziger "Rapper mit Fanclub in Harvard". Aufgewachsen am Schlachtensee, einer der teuersten Gegenden Zehlendorfs, wehrte er sich schon als Jugendlicher gegen das Klischee-Denken und vorgefertigte Lebensläufe. Kaum raus aus der bürgerlichen Umgebung, wurde aus ihm ein Musiker, der so gar nicht ins Bild passen will. Die langen Haare fallen ins Gesicht, auf der Nase sitzt eine dickrahmige Brille. In seinen Liedern beleidigt oder beschimpft er niemanden. Bei ihm geht es um Liebe und Eifersucht, auch der Tod deutscher Soldaten im Krieg ist Thema auf seinem neuen Album "Rebell ohne Grund". Gesellschaftskritik übt er, wenn er über einen gefallenen Soldaten singt: "Mutter steht vorm Admiral, guckt auf die Orden. So viele bunte Stecker kriegt man fürs Morden."Dass er es mit dieser CD bis in die Top Ten schaffen würde, hätte er nie vermutet. Heute Abend feiert er seinen Erfolg auf der Releaseparty im ausverkauften Kreuzberger Club Wild at Heart.Eine solche Chartplatzierung ist schon für namhafte Künstler eines großen Plattenlabels ein Erfolg. Prinz Pi aber produziert alles in Eigenregie, nur mit Hilfe eines Mitarbeiters. Sein Büro direkt am Görlitzer Park misst überschaubare 27Quadratmeter. Geheizt wird mit einem Koks-Ofen, die Klospülung ist kaputt und muss mit einem Kochlöffel bedient werden. "Wir brauchen nur zwei PCs, das reicht." Auch privat lebt er in Kreuzberg.Ein Jahr lang hat er an der neuen CD gearbeitet. Jetzt wäre eigentlich die Zeit, den Erfolg zu genießen. Aber Pausen sind nicht Prinz Pis Ding. Es treibt ihn immer weiter. Auch die nächsten Alben will er wieder alleine produzieren. Und das nicht etwa, weil ihn keine Firma nehmen würde. "Bei einem großen Label muss jedes Detail mit den Verantwortlichen abgestimmt werden, da haben es kreative und spontane Ideen schwer", sagt er und spricht dabei aus Erfahrung. Sein Album "Neopunk" wurde 2008 von Universal produziert - prompt landete er damit nur auf Platz 50 der Charts.Mit seinen Texten will Prinz Pi seinen meist jungen Fans einen Spiegel vorhalten. "Mit erhobenem Zeigefinger aufzutreten, würde nichts bringen", sagt er. Stattdessen warnt er ganz direkt: "Sauf, solang du saufen kannst - bald schon kommt der Ernst des Lebens."Der Ernst des Lebens war bei ihm selbst ein Design-Studium an der Kunsthochschule Weißensee. Heute nutzt er die dort erworbenen Grafikkenntnisse, um auch die CD-Booklets selbst zu gestalten.Angefangen hat Friedrich Kautz noch als Schüler unter dem Künstlernamen Prinz Porno. Mit der Umbenennung 2005 wandelten sich auch die Texte. Heute verarbeitet er in den Liedern vor allem seine persönlichen Krisen, sagt er: "Ich brauche die Musik, um meine Probleme zu verarbeiten."Dabei macht er auch nicht vor dem Selbstmord seiner Ex-Freundin halt und singt in "Laura" darüber, wie sie sich umgebracht hat. Texte, die man eher nicht von einem Rapper erwartet hätte. Das weiß er selbst und verabschiedet sich auf dem Album mit dem Satz "Tschüss deutscher Rap, hallo Musik, ich bin da."------------------------------Foto: "Rebell ohne Grund": Friedrich Kautz im alten Bahnhof im Görlitzer Park. In Kreuzberg hat der gebürtige Zehlendorfer seinen neuen Kiez gefunden.