Schwarze Kluft mit Zylinder entspricht dem Berufsbild des Schornsteinfegers längst nicht mehr. Denn das Fegen der Schornsteine ist nur noch ein kleiner Teil seiner Arbeit. Als sogenannte beliehene Handwerker führen sie hoheitliche Aufgaben aus. Das heißt, sie kontrollieren und messen, ob Heizanlagen sicher, energiesparend und umweltfreundlich sind."Schornsteinfeger ist ein sehr technischer Beruf geworden", sagt Erika Feller von der Schornsteinfeger-Innung Berlin. Sie ist seit über 30 Jahren im Beruf. In dieser Zeit hat sich vieles geändert, was Messtechnik, Umweltschutz und Grenzwerte betrifft. Bei der Diskussion um CO2-Ausstoß und Feinstaub stünden weitere Veränderungen an, vermutet sie. "Noch können wir Feinstaub zum Beispiel gar nicht mobil messen", sagt Feller. "Da kann der Schornsteinfeger nur vom groben Ruß auf die Feinstaubmenge schließen."Schornsteinfeger arbeiten heute zudem als Energieberater. Sie dürfen den Energiepass für Häuser ausstellen. Dieser wird ab 2008 Pflicht und bewertet ähnlich wie die Abgasuntersuchung beim Auto, wie energieeffizient und umweltfreundlich ein Haus ist. Zusätzlich überprüfen Schornsteinfeger auch die Dunstabzugsanlagen in Restaurants, da diese eine Brandgefahr darstellen.Für Schornsteinfeger heißt das, dass sie sich kontinuierlich weiterbilden müssen. Schon in der Ausbildung muss viel gelernt werden. "Die Ausbildung zum Schornsteinfeger hat viele Berührungspunkte mit anderen Handwerksberufen", sagt Feller. Schornsteinfeger müssten sich etwa im Dachdecker- und Baugewerbe ebenso auskennen, wie in der Elektrik und im Heizungsbau.Die Ausbildung findet im Betrieb sowie in der Berufsschule statt. Hier stehen unter anderem Fächer wie Chemie und Physik auf dem Lehrplan. Nach der dreijährigen Ausbildung arbeiten Schornsteinfeger zumeist als Geselle eines Bezirksschornsteinfegers. Deutschland ist in rund 8 000 Kehrbezirke aufgeteilt, die jeweils von einem Schornsteinfegermeister und einem Gesellen betreut werden. Wer die Meisterprüfung ablegt kann sich auf eine Warteliste für einen eigenen Bezirk eintragen lassen. Die Wartezeit ist jedoch lang: "Zwölf bis 15 Jahre wartet man durchschnittlich, bis ein Bezirk frei wird", sagt Feller.Wer zum Bezirksschornsteinfeger bestellt ist, hat einen sicheren Job, solange er nicht bei der regelmäßigen Überprüfung durch die Landesgewerbeanstalt (LGA) unangenehm auffällt. Konkurrenz brauchen Schornsteinfeger wegen der festen Bezirkszuteilung nämlich nicht zu fürchten. Ein Umstand, der nicht jedem gefällt. So wird diskutiert, ob das Kehrmonopol der Schornsteinfeger in Zeiten eines europaweit freien Wettbewerbs noch angemessen ist. Eine Position, gegen die sich der Berufsverband wehrt, mit Slogans wie "Sicherheit duldet keinen Wettbewerb!". "Wir wissen nicht, was da auf uns zukommt", sagt Feller.Eine Sache die über die Jahre - ja sogar Jahrhunderte - geblieben ist, ist das Ansehen der Schornsteinfeger als Glücksbringer. Früher waren Schornsteinfeger Heilsbringer, die dafür sorgten, dass der Ofen heiß und der Herd sicher blieb. Heute gelten sie zu Neujahr und bei Hochzeiten als Glücksboten. "Es kommt auch vor, dass Leute anrufen und uns bitten, mal bei der Hochzeit vorbeizuschauen", sagt Feller.Und so hat der Beruf für Feller und ihre Kollegen manche schöne Seite. Auch wenn, wie Feller berichtet, manche Abzugsanlage in Restaurants ganz schön eklig ist und einem bei der Arbeit in einem Krematorium schon mal mulmig werden kann. Eins begeistert die Expertin auch nach über 30 Jahren: "Wenn man morgens auf dem Dach ist und die Sonne aufgeht, das ist immer noch das Größte."------------------------------MEHR ALS FEGENBerlin ist in 288 Kehrbezirke aufgeteilt. Es gibt 45 Ausbildungsbetriebe. Die Ausbildung wird über eine Umlage aller Betriebe finanziert.Die Kehrbezirke sind so aufgeteilt, dass sie in etwa gleich viele Heizanlagen umfassen. In außerstädtischen Bezirken können das zwischen 1 500 und 1 700 Grundstücke sein. In der Stadt sind es dagegen zwischen 200 und 300.Eine Meisterprüfung legen längst nicht mehr alle Gesellen ab. Viele Schornsteinfeger satteln um und werden Ingenieur, Heizungsbauer oder Feuerwehrmann.Nebeneinkünfte darf der Schornsteinfeger laut Gesetz nur erwirtschaften, wenn der Zeitaufwand dafür unerheblich ist.Weitere Informationen hat der Bundesverband der Schornsteinfeger im Internet zusammengestellt unter: www.schornsteinfeger.de------------------------------"Schornsteinfeger ist ein sehr technischer Beruf geworden." Erika Feller

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