Die städtischen Wohnungsbaugesellschaften wollen sämtliche Kampfhunde aus ihren Anlagen verbannen. Mieter werden zurzeit mit Rundschreiben über Haltungsverbote aufgeklärt. Manche Schreiben wecken bei den Mietern böse Erinnerungen. Die Gehag hat ihre Hauswarte beauftragt, herauszufinden, in welchen Wohnungen gefährliche Hunde gehalten werden. Die "WBL Fonds Wohnungsbaugesellschaft Lichtenberg" animiert ihre Mieter, Nachbarn anzuzeigen, wenn diese verbotene Hunderassen halten. Tierschützer sprechen von Methoden wie bei den Nationalsozialisten. "Hier wird der Blockwart wieder eingeführt", sagt Carola Ruff vom Tierschutzverein.Die Gehag nennt in ihren Informationen zur Hundehaltung unerwünschte Rassen und weist die Mieter an, die Hunde sofort abzuschaffen. Andernfalls würde geklagt. In dem Schreiben heißt es: "Wir geben ihnen zur Kenntnis, dass unsere Hauswarte, -meister und -betreuer gehalten sind, uns jeden Mieter namentlich zu melden, der die vor genannten Hunderassen in seiner Wohnung hält." Die Lichtenberger Gesellschaft bittet "alle Mieter, ohne Rücksicht auf nachbarschaftliche Beziehungen uns bei der Umsetzung der Berliner Hundeverordnung zu unterstützen und von der Anzeigepflicht Gebrauch zu machen." Gernot Klemm von der PDS-Fraktion hält eine solche "Aufforderung zum Denunziantentum durch eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft" für geschmacklos.Henryk Tabaczynski, Sprecher der Gehag, weist den Vorwurf, seine Gesellschaft führe den Blockwart wieder ein, zurück. "Für uns steht die Sicherheit der Mieter im Vordergrund", sagt er. Auch die Lichtenberger Gesellschaft weist die Kritik zurück, doch sagt deren Sprecher Gunter Müller: "Unser Schreiben ist vielleicht ein wenig drastisch formuliert." Aber man wolle den Ängsten der Mieter vor Kampfhunden gerecht werden.Die meisten Berliner Wohnungsbaugesellschaften vermieten bereits seit Jahren keine Wohnungen mehr an Kampfhundebesitzer. Eine Passage in den Mietverträgen besagt, dass Hundehaltung genehmigt werden muss. Für Kampfhunde wird die Genehmigung nicht erteilt. Deshalb melden einige Halter ihre Tiere beim Vermieter nicht an.Carola Ruff hält das Vorgehen der Gesellschaften für Hysterie. Hundehalter würden aus Angst, die Wohnung zu verlieren, das Tier aussetzen oder mit einem Stein um den Hals in die Havel werfen. Am Donnerstag rettete die Polizei diesen Hund kurz vor dem Ertrinken.