DÜSSELDORF, im Mai. Schwarz gewandet steht der Mann in seinem weißen Schleiflack-Büro. Er trägt Freizeitkleidung und die Brille fehlt. So kennt man diesen Mann nicht. Auf seinen Anzeigenseiten hat er ein anderes Bild von sich entworfen. Da sieht man ihn mit gedecktem Anzug, weißem Hemd und Krawatte. Durch eine breite, randlose Brille scheint er dem Betrachter direkt in die Augen zu sehen. Der Mund ist dabei leicht geöffnet. So, als ob er gerade die fetten Schlagzeilen spricht, die immer links neben seinem Foto stehen: "Das Großkapital plündert die deutsche Volkswirtschaft aus." Oder: "Der Euro kommt nicht!" Oder: "Der Euro stürzt und stürzt...und stürzt!" Mit seinen düsteren Szenarien in allen nennenswerten Zeitungen hat Bolko Hoffmann vor zwei Jahren das Land überschwemmt. Jetzt sieht es so aus, als ob er Recht behalten würde. "Haben Sie schon gesehen?" fragt Hoffmann zur Begrüßung, "der Euro ist unter 89 Cent gefallen." Hoffmann ist der Herausgeber des Düsseldorfer Börsenblatts "Effecten-Spiegel"."Echte Profis fragen"Fast sagt er das, als ob es eine gute Nachricht wäre. Das wäre dann schon die zweite an diesem Tag, denn aus Wertingen hat sich ein Fan gemeldet. Er faxte einen Brief, den er der BILD-Zeitung geschickt hat. "Warum", kritisiert der Fan aus Wertingen das große Blatt, "fragen Sie immer wieder Professor Walter von der Deutschen Bank? Er ist der ,König der Fehlprognosen ." Norbert Walter ist der Chefsvolkswirt der Deutschen Bank und hatte für Januar 2000 einen Euro-Kurs von 1.30 Dollar vorausgesagt. "Sie sollten echte Profis fragen, wie zum Beispiel Bolko Hoffmann vom ,Effecten-Spiegel . Er hat schon vor zwei Jahren die heutige Entwicklung des Euro-Kurses exakt vorausgesagt."Damals hat Hoffmann seine Warnungen in unzähligen Zeitungsanzeigen mit schmissigen Parolen durch das Land gewettert. Der Unternehmer nahm sich nicht nur das "plündernde Großkapital" vor, sondern höhnte auch über "Kohls Euro-Wahn" und die Euro-Befürworter Theo Waigel und Helmut Schmidt. "Kohls Unfähigkeit" habe die deutsche Volkswirtschaft "in unvorstellbarem Maße ruiniert" und "sieben Millionen Arbeitslose" befänden sich "in einem tödlichen Existenzkampf".So ist Bolko Hoffmann wie ein Prediger über das Land gegangen. Er hat Ängste geweckt oder Ängste aufgenommen. Und er hat sogar versucht, sie vor den letzten Bundestagswahlen in seine Partei "Initiative Pro D-Mark" zu kanalisieren. Er ging über das Land und rief: Fürchtet euch nicht. Trotzdem ist die Partei mit knapp einem Prozent grandios gescheitert.Aber trotzdem macht der 62 Jahre alte Hoffmann weiter. "Die Politiker", sagt er, "haben uns ja den Euro zu einem völlig falschen Zeitpunkt aufgeschwatzt. Natürlich ist das gemeinsame Haus Europa eine Traumidee, denn es bedeutet letztlich Frieden und wirtschaftlichen Wohlstand. Das gemeinsame Haus Europa will ich auch. Eine gemeinsame Währung kann aber erst als Letztes kommen, nach 20 oder 30 Jahren. Dann also, wenn sich die unterschiedlichen Volkswirtschaften einander angeglichen haben."Der Mann vom "Effecten-Spiegel" bleibt im Gespräch ganz ruhig. Er spricht mit sonorer Stimme, die manchmal ganz leise wird. Er ist jetzt nicht der laute Prediger, er ist nur der Bescheidwisser. Hoffmann freut sich einfach nur, dass er Recht behalten hat. Nichts erinnert an das Radikal-Vokabular aus seinen Zeitungsanzeigen. Es sei denn es geht um Leute, die den Euro immer noch gesund sprechen wollen. Dann ist Wirtschaftsminister Müller "ein drittklassiger Mann". Dann war Waigel "genau die gleiche Pfeife". Und dann erst Eichel. "Der Eichel ist doch eine völlige Fehlbesetzung. Der kann uns als ehemaliger Deutschlehrer vielleicht gerade mal erklären, dass man ,Euro nicht mit h schreibt." Seine kleine Eichel-Polemik scheint Bolko Hoffmann zu gefallen. Er hat sie bereits am Tag zuvor in seiner aktuellen "Effecten-Spiegel"-Kolumne verwendet.Der Börsenexperte Bolko Hoffmann ist dem Finanzminister nicht nur wegen der gemeinsamen europäischen Währung gram. Da sei noch mehr, was Eichel verschludere. Den Osten Deutschlands zum Beispiel. "Anstatt er jetzt endlich mal den Osten saniert, gibt er den Großkonzernen Steuerfreiheit für den Verkauf stiller Beteiligungen. Die Großkonzerne", sagt Hoffmann, "sind für mich sowieso Vaterlandsverräter, weil sie das ganze Geld in alle Welt hineininvestieren und verzocken. Aber kaum jemand von denen investiert doch in den neuen Bundesländern."Hoffmann redet gern über den Osten. Dort nämlich soll sein nächster Wahlkampf stattfinden. Darum zieht er auch zu diesem Thema griffige Kurz-Thesen aus dem Ärmel: Im Osten gebe es viel Zukunft. Die Leute dort hätten noch "Pfeffer im Arsch" und im Westen seien alle viel zu satt. Die Ossis müssten jetzt eine anständige Chance bekommen. Dann seien die morgen Unternehmer und koppelten an den "großen Geleitzug" Bundesrepublik an. Manchmal scheint es, als hielte der Mann aus Düsseldorf die Sachsen oder Anhaltiner für die besseren Menschen. Als wäre er jetzt schon im Wahlkampf. Im vergangenen September ist Hoffmann mit seiner "Pro-DM"-Partei bei den sächsischen Landtagswahlen angetreten und hat auf den Wahlprospekten als "Kandidat für das Amt des sächsischen Wirtschaftsministers" firmiert. Damals hat es aber nur zu 2,2 Prozent gereicht. Weil aber 2,2 Prozent noch doppelt so viel waren wie das Ergebnis der FDP, macht Hoffmann mit seiner Partei im Osten weiter. 2002 wählt Sachsen-Anhalt, und er glaubt, dort gute Chancen zu haben. Die Begründung koppelt er an die europäische Gemeinschaftswährung. "Bis dahin", sagt er, "hängt ja der Euro absolut durch."So warnt Hoffmann vor dem Verfall der Währung und baut darauf zugleich eine Strategie. Bewusst kalkuliert er mit Ärger und Angst der Ostdeutschen. Vor zehn Jahren erst haben sie die lang ersehnte D-Mark bekommen, jetzt wird sie ihnen schon wieder gegen ungewisse Münze weggetauscht. Sind die Ossis also sensibler für Hoffmanns Warnrufe? Seine Antwort kommt ohne Zögern: "Das ist ganz sicher so." Sachsen-Anhalt gilt dabei als Test für die nächste Bundestagswahl. Falls die "Initiative Pro D-Mark" in den Landtag einzieht, wird es Bolko Hoffmann ein paar Monate später auch noch einmal mit dem Marsch auf die Hauptstadt versuchen.Wenn der Rechthaber weiter Recht behält, wird er mit schweren Argumenten zu seinen Wahlversammlungen ziehen. Hoffmann sieht heute schon, wie die Inflation für ihn arbeiten wird. "Es ist doch ganz klar", verkündet er, "dass der schwache Euro zur Inflation führt. Und die kommt mit der üblichen Zeitverzögerung in genau anderthalb bis zwei Jahren."Rächer der KleinaktionäreDas Szenario mag zutreffen oder auch nicht, Hoffmann jedenfalls wird bei seinem Thema bleiben. Es sieht aus wie Material für viele Jahre. Bis eines Tages alles den Bach runtergegangen ist. Hoffmann zitiert gern den amerikanischen Notenbankpräsidenten Alan Greenspan. Der habe gesagt, der Euro wird kommen, aber er wird keinen Bestand haben. Genau so denkt er auch.Er müsse ja nur mal Italien vorstellen. "Der Euro wird platzen, und er wird von Italien aus platzen. Sie werden in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen, dann ist die Euphorie weg, sie gehen raus und das Euro-Leck ist da." Hoffmann beobachtet jetzt schon, wie die Devisenmärkte und Börsen reagieren. "Die schauen in die Zukunft. Und da sehen sie, es kommt Griechenland in die EU und dann kommen die osteuropäischen Länder und da sagen sie ,Um Gottes Willen ".So also spricht Bolko Hoffmann. Er wirkt wie ein Mensch, für den die einfachen Dinge einfach sind und die schweren auch. Hoffmann hat einen sehr seltenen Vornamen. Seine Eltern haben ihn einem mittelalterlichen Bauernführer aus dem Stedinger Land bei Bremen entliehen. Nach dem Rächer der Landarmut ist nun 500 Jahre später der Rächer der Kleinaktionäre unterwegs. Der neuzeitliche Bolko sagt: "Ich habe ein Börsenjournal, und da muss ich mich damit befassen, dass sich die Anleger um ihr Geld sorgen." Er will seine Leser auf Dauer halten.Schon vor zwei Jahren ging es in seiner Anzeigenkampagne nur vordergründig um den Kampf gegen den Euro. Die Annoncen hatten teilweise auch einen Werbecoupon für den "Effecten-Spiegel". "Damals", sagt Hoffmann, "haben die Leute gedacht, wenn der so gut Bescheid weiß, dann will ich doch mal genauer wissen, was in diesem ,Effecten-Spiegel drin steht. Vielleicht kann mir das ja bei meiner Geldanlage helfen."Damals hat dieses Rezept wunderbar funktioniert. "Mit spektakulären Ergebnissen, mit viel Resonanz", wie Hoffmann sagt. Deshalb soll jetzt wieder eine Kampagne wie Donnerhall über das Land gehen. "Immer zwei Wochen lang", kündigt Bolko Hoffmann an, "wird Deutschland einmal durchbelegt. Gehen Sie mal davon aus, dass wir in diesem Jahr fünf oder sechs Mal die großen Blätter belegen werden und ein- bis zweimal die Regionalzeitungen. Und zwar bundesweit."Ein paar von den neuen Anzeigenseiten konnten schon in den Zeitungen besichtigt werden. Dieses Mal kommen sie zum Beispiel mit der Schlagzeile: "Die Euro-Pleite hatten wir exakt vorausgesagt!" Mit Hinweisen auf das flüchtende internationale Kapital, die Gefahr aus den "überwiegend südländischen Schwachstaaten" des Euro-Raumes. Und mit dem dramatischen Aufruf: "Retten Sie Ihr Kapital durch Anlage in Aktien!" Der Coupon für den "Effecten-Spiegel" ist wieder mit dabei. Unten rechts in der Ecke.ROLAND WEIHRAUCH Vor zwei Jahren hat Bolko Hoffmann durch bundesweite Anzeigenkampagnen Leser gewonnen. Das soll nun wieder geschehen.