BRÜSSEL. Irgendwann möchte jemand wissen, was wohl die Basis der grünen Partei von all dem halten mag. Davon, dass ihr einstiger Frontmann Joschka Fischer, der Ober-Grüne, jetzt als Lobbyist für den Energiekonzern RWE unterwegs ist. Fischer scheint die Frage zu genießen. Fast so sehr wie seine Antwort. Er sei nun seit vier Jahren nicht mehr in der Regierung und seit drei Jahren nicht mehr im Parlament, sagt er. "Ich bin ein einfaches Parteimitglied. Ich bin wieder frei." Außerdem ist er natürlich überzeugt: "Europa braucht Nabucco."Joschka Fischer sitzt gestern in einem Brüsseler Hotel. Mit am Tisch Medienleute, eingeladen vom Essener RWE-Konzern. Fischer hat in seinem Leben viele Wandlungen durchgemacht. Er war dick und dünn, jetzt ist er 61 Jahre alt und wieder beeindruckend dick. Als Umweltminister in Hessen piesackte er die Nuklear-Industrie, wo es ging. Als Vize-Kanzler und Außenminister der rot-grünen Bundesregierung arbeitete er für den Atomausstieg.Seit Kurzem ist er nun also Berater und Werber für den Atom-Konzern RWE und dessen österreichischen Partner OMV. Die sind Teil eines Konsortiums, das die Gas-Pipeline Nabucco vom Kaspischen Meer bis nach Europa bauen will. Einmal quer durch die Türkei und den Balkan bis vor die Tore Wiens. Von 2014 an soll das kaspische Gas fließen und die Europäer unabhängiger von russischen Lieferungen machen. Fischers früherer Chef, Alt-Kanzler Gerhard Schröder, wirbt für die Konkurrenz, für die Ostsee-Pipline des russischen Konzern Gazprom. Man habe "ständig Kontakt", sagt Fischer. Mehr nicht.Bei Nabucco geht es um viel Geld, aber auch um die Annäherung der Türkei an Europa, um die Zusammenarbeit mit Lieferländern wie Aserbaidschan oder Turkmenistan und den Ausgleich mit Moskau. Der einstige Außenminister Fischer sagt in der ihm eigenen Bescheidenheit: "Das ist mehr oder weniger das Gleiche, was ich früher gemacht habe. Nur arbeite ich jetzt für ein Unternehmen." Ob das besser bezahlt sei als ein Ministeramt, fragt jemand. Fischer lächelt: "Kann sein."