Lang hat es gedauert, ehe die Absperrung verschwand. Fast zwei Jahre waren Bauarbeiter am Werkeln, immer mal wieder wurden Pausen eingelegt. Die Straße musste verlegt werden, Ampeln wurden gebaut und geschaltet, das dauerte. Fürs Pflaster wurden die falschen Platten geliefert, der Umtausch zog sich hin. Gestern endlich wurde der Kaiser-Wilhelm-Platz an der Schöneberger Hauptstraße eingeweiht.Schon lange bevor die offizielle Übergaberede beginnt, haben sich Anwohner auf den Bänken versammelt. Sie loben ("endlich fahren die Autos nur noch drum herum, nicht mehr zwischendurch") oder kritisieren ("ganz schön viel Steine", "Papierkörbe fehlen"). Nur wenige im Crellekiez lässt der kleine Platz kalt, der Ende des 19. Jahrhunderts vor dem längst abgerissenen ersten Rathaus der Stadt Schöneberg entstand. Schon seit 20 Jahren wünschen sich die Leute dort eine Verschönerungskur. Dafür war zunächst nie Geld da. Jetzt hat es doch geklappt. Es gibt Bänke und neue Bäume, die große Platane wird auch abends ins rechte Licht gesetzt - durch drei Scheinwerfer. Neu ist auch ein Brunnen, bei dem sieben Wassersäulen aus dem Pflaster kommen. Sie werden grün, blau, violett und rot angestrahlt, damit das Wasser Farbe bekommt.Am Einweihungstag sind die Wassersäulen nur kleine Wasserhügelchen. Die Brunnendüsen werden noch anders geschaltet, so dass die Säulen mindestens einen Meter hoch werden, verspricht der Architekt. Ein Knirps möchte am liebsten in den Sprudelbrunnen laufen. Noch ist es ein wenig zu kalt, sagt der Architekt. Er hat nichts dagegen, dass die Kinder in seinem Brunnen spielen - auch dafür ist der da.