FLENSBURG. Plop ist nicht gleich Plop. Optimal ist ein satter, etwas klirrender Knall, ein Plop mit einem hellen Nachklang eben. So muss ein Bügelverschluss aufspringen. Alle anderen sind müde gurgelnde Blindgänger. Meistens sind verklebte Gummiringe oder verbogene Drahtbügel daran schuld. Genau darauf reagiert nun die Flensburger Brauerei, die das meistverkaufte Bügelbuddelbier in Deutschland vertreibt und einen großen Anteil daran hat, dass die altmodischen Flaschen wieder modern sind. Mit einem neun Millionen Euro umfassenden Investitionsprogramm will die norddeutsche Privatbrauerei ihre Produktionslinien erneuern. Danach werde es kein fehlendes Ploppen mehr geben, kündigte der technische Direktor der Brauerei, Werner Sauer, jüngst an.Gemeinsam mit einem Team der Fachhochschule Flensburg arbeiten die Bierbrauer an diesem Vorhaben. Sogar die Europäische Union wird anderthalb Millionen Euro dazuschießen, so weit ist die Renaissance des altehrwürdigen Porzellandeckels gediehen. Die benachbarte Dithmarscher Brauerei, die ihr herbes Pilsner ebenso seit jeher in Bügelflaschen abfüllt, soll später den neuen Flensburger Verschluss in Lizenz übernehmen dürfen, heißt es. Der sonst eher technologiearme äußerste Norden will zumindest einmal punkten, und wenn es nur mit einem neuen Flaschenkopf ist. Allen Nachahmerbrauereien südlich der Elbe, die in den vergangenen zwanzig Jahren genauso den Mechanismus mit dem Drahtbügel als Marketingmittel wieder entdeckt haben, wollen die Nordlichter zeigen, wer am besten ploppt. "Ein Produktversprechen" nennt die Pressesprecherin der Flensburger Brauerei, Katja Möller, den Knall. Das muss gehalten werden.Einen Sturm der Entrüstung hat das vollmundige Versprechen auch schon hervorgerufen. Nach einem Besuch des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministers Dietrich Austermann in der Brauerei war der Eindruck entstanden, als würde die Landesregierung dieses Prestigevorhaben einer Privatbrauerei mit Millionenbeträgen fördern, während etwa im sozialen Bereich und bei der Ausstattung von Schulen kräftig gespart werde. Mittlerweile konnte das Wirtschaftsministerium immerhin klarstellen, dass die Brauerei schlichtweg der einzige vorhandene Betrieb im strukturschwachen Norden von Schleswig-Holstein war, der überhaupt ein Innovationsprojekt vorweisen konnte, das zu Förderungsrichtlinien der EU passte. Mittel von 1,5 Millionen Euro sind dort für die Region vorhanden, sie können bis Ende 2008 abgerufen werden, wenn damit Arbeitsplätze gesichert werden können. Sonst verfallen die Fördermittel.Und noch etwas bewies der skurrile Bierstreit: Allein um den Wohlklang, den der aufspringende Verschluss aus Keramik, Draht und Gummi verbreitet, geht es der Brauerei ohnehin nicht. Vielmehr um verbesserte Produktionsabläufe und damit geringere Kosten bei der Abfüllung. Mit moderneren Maschinen und Steuergeräten als bisher lassen sich genau jene Schwachstellen und Aussetzer in der Sortierung und beim Neubefüllen beseitigen, an denen meistens der komplizierte Drahtbügel oder eine verklebte Gummidichtung am Flaschenhals schuld ist. Die tägliche Produktion, die derzeit bei einer Million Flaschen liegt, könnte so noch gesteigert werden. Ein willkommener Nebeneffekt wäre die Plop-Garantie. Bis die neuen Bügel flächendeckend in Umlauf kommen, werden allerdings zwei bis fünf Jahre vergehen, sagt die Brauerei-Sprecherin Möller. Durchschnittlich sind die Flensburger Pfandflaschen bis zu zehn Jahre lang im Einsatz, einige kommen häufig als Leergut zurück in die Braustube, andere nur ganz selten. Daher dauert die Umstellung so lang.Das Aussehen der Verschlüsse will der im Jahr 1888 gegründete Familienbetrieb möglichst beibehalten. Darauf wird allein schon die Fangemeinde achten, die es in ganz Deutschland seit Beginn der 80er Jahre gibt. Damals wurde das "Flaschbier" berühmt, weil es als Bölkstoff hektoliterweise in den "Werner"-Comics floss - natürlich immer mit schepperndem Plop und immer einhändig geöffnet. Das ist eine Technik, die nicht jeder beherrscht, viele haben sich dabei schon die Finger verrenkt. Es fragt sich also auch, ob der Bügel in Zukunft leichtgängiger wird, damit es neben dem garantierten Klang obendrein eine Garantie zum Einhand-Öffnen geben kann.------------------------------Unter DruckDer Ur-Bügelverschluss kommt aus Berlin: 1877 meldete der Unternehmer Nicolai Fritzner das Patent für das Verfahren an, Bier oder andere Getränke, deren Flaschen durch Kohlensäure unter Druck stehen, zu verschließen. Porzellandeckel und Gummiring dichten die Flasche ab, gehalten werden sie von einem Schnappverschluss mit einem Drahtbügel. Über Jahrzehnte war der Mechanismus der Standard.Der Kronkorken, Ende des 19. Jahrhunderts in den USA erfunden, löste ihn ab; mit dem Kronkorken ließ es sich leichter produzieren. Nach 1945 blieben nur kleine Regionalbrauereien bei den Bügelflaschen. Seit den 80er Jahren sind sie wieder verstärkt im Einsatz.------------------------------Foto: Kontrolle der Bügelflaschen in Flensburg------------------------------Foto: Garantiert mit Bügelverschluss: der Comic-Held Werner mit einer Flasche Bölkstoff-Bier in der Hand.