Meterdicke Stahlbetonwände, gefilterte Luft und kein Tageslicht: In 22 Zivilschutzanlagen sollten Berliner im Falle von Bombenangriffen Zuflucht suchen können. Doch der Kalte Krieg ist vorbei und bei Terroranschlägen würden Bunker nicht viel nutzen. Deshalb will das Bundesinnenministerium die Schutzräume aufgeben. Die Zahlungen für die Wartung werden eingestellt. Damit ist die Zukunft der Berliner Bunker ungewiss.Gerade mal 14 340 Euro hat der Bund jährlich für die laufenden Kosten überwiesen, das Geld reichte kaum für die Bunker, die zum Großteil noch aus dem Zweiten Weltkrieg stammen. Damals zählte Berlin rund 360 öffentliche Luftschutzbunker. Nach dem Mauerbau wurden einige Anlagen wieder instand gesetzt. Im Westteil der Stadt wurden elf Objekte für den Zivilschutz hergerichtet. In den 70er- und 80er-Jahren wurden neue Einrichtungen gebaut, oft als Mehrzweckanlagen in Verbindung mit Tiefgaragen oder unterirdischen Bahnen. Im Westteil standen 16 Anlagen für 25 000 Menschen bereit. Im Ostteil hätten 2 500 Menschen in sechs Bunkern Zuflucht finden sollen. "Aber zum Großteil waren die im Osten gar nicht einsatzfähig", sagt Reiner Janick, Zivilschutzbeauftragter des Vereins Berliner Unterwelten. Dieser Verein und das Berliner Bunker Netzwerk kümmern sich ehrenamtlich um die Wartung einiger Zivilschutzbunker. Dafür dürfen sie dort Führungen anbieten. Von den Schutzräumen gehören drei dem Bund, die anderen dem Land oder den Bezirken. "Wir sind etwas ratlos, wie es weitergehen soll", sagt Manuela Damianakis, Sprecherin der Senatsbauverwaltung. Eventuell werde man Bunker verkaufen.Dies hält Dietmar Arnold, Vorsitzender von Berliner Unterwelten, für falsch. "Die Bunker haben mal sehr viel Geld gekostet und sie jetzt aufzugeben ist total kurzsichtig." Man könne nicht wissen, ob man sie nicht doch wieder brauche, beispielsweise wenn ein Meteoritenschauer runterkomme. Er kritisiert, dass man über eine mögliche Zwischennutzung nicht nachdenke.Dabei gibt es durchaus Interesse: Einige Bunker, die nicht für den Zivilschutz bereitstehen, werden bereits genutzt. An der Albrechtstraße hat ein Kunstsammler ein Penthouse auf einem gebaut, im Inneren will er seine Kunst zeigen. Der Fichtebunker in Kreuzberg soll mit Wohnungen bebaut werden und in den Reichsbahnbunker am Anhalter Bahnhof ist ein Gruselkabinett eingezogen.------------------------------ZIVILSCHUTZBUNKER IN DER STADT1 Excelsiorgebäude, Stresemannstraße 68 (Kreuzberg): Die Anlage entstand in den 1970er-Jahren. Das Bunker Netzwerk Berlin bietet Führungen an.2 Hobrechtsfelder Chaussee 140 (Buch) Der Bunker aus den 60er-Jahren ist baugleich mit dem in der Virchowstraße. Zu DDR-Zeiten diente er dem Schutz des Luftschutzstabes der DDR. Er steht heute leer.3 Blochplatz 1 (Wedding): Dieser Bunker wurde 1942 von Kriegsgefangenen errichtet und 1970 für den Zivilschutz reaktiviert. Gewartet wird er von dem Verein Berliner Unterwelten, der dort Führungen anbietet. Außerdem finden kulturelle Veranstaltungen statt.4 U-Bahnhof Pankstraße (Wedding): Als 1977 die U 8 verlängert wurde, legte man die Mehrzweckanlage für Zivilschutz an. Sie kann 3 346 Menschen Schutz bieten und verfügt über ein Wasserwerk.5 Große-Leege-Straße 103 (Hohenschönhausen): In den 70er-Jahren wurde der Flachbau errichtet. Im Bunker sind Akten des Bezirksamtes gelagert - er wurde einst auch als Aktenlager konzipiert.6 Virchowstraße 7 (Friedrichshain): Die Anlage aus den 60er-Jahren wurde an zwei Künstler verkauft. Zu DDR-Zeiten wurde sie militärisch vom Luftschutzkommando genutzt.7 Pallasstraße 30 (Schöneberg): Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion mussten das Gebäude 1943 bis 1945 als Fernmeldebunker bauen. Es ist die größte Zivilschutzanlage Berlins mit 4 809 Plätzen. Die Berliner Unterwelten bieten Führungen an.8 Zeiler Weg 46 (Pankow): 1965 wurde eine Tiefgarage angelegt, die auch als Zufluchtsort dienen sollte. Heute ist ein Möbellager in dem Bunker.9 Heckeshorn, Am Großen Wannsee 80 (Wannsee): Entstand 1941-43 und hat vier Meter dicke Wände. Im Krieg war dort der zentrale Gefechtsstand untergebracht. Ab 1985 wurde er als Notkrankenhaus umgebaut. Seit 1999 ist er Zivilschutzbunker.10 Stresemannstraße 94 (Kreuzberg): 1937 wurde der Bunker für die Mitarbeiter des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gebaut. Das Berliner Bunker Netzwerk bietet regelmäßig Führungen an.11 Alt-Friedrichsfelde 60 (Friedrichsfelde): Der Bunker war einst ein Objekt der Staatssicherheit. Das Bundesamt für Stasiunterlagen hat dort nach der Wende Aktenschnipsel zusammengesetzt.12 Laubacher Straße 1-2 (Friedenau): Der Bunker ist eine Tiefgarage, die 1989 fertig wurde und 450 Menschen für zehn Stunden Schutz bietet.13 U-Bahnhof Siemensdamm (Spandau): Die zweitgrößte Schutzanlage wurde 1981 für 4 332 Menschen gebaut. Auf den Gleisen sollen Betten aufgestellt werden.14 Unter dem Kudamm-Karree (Charlottenburg): Die Mehrzweckanlage wurde 1973-74 zu Zeiten des Kalten Krieges gebaut. Sie ist Teil der Ausstellung Story of Berlin und kann besichtigt werden.15 Bosestraße 5 (Tempelhof): Die Anlage stammt aus den 40er-Jahren, auf dem Dach befindet sich ein Tennisplatz, der Bunker selbst wird nicht genutzt.16 Bornsdorfer Straße 15 (Neukölln): Der Flachbunker wurde in den 40er-Jahren errichtet. Er wird seit 2005 als Aktenlager des Bauamts Neukölln genutzt.17 Eiderstedter Weg 34 (Zehlendorf): Der Bunker wurde 1943 direkt an der Giebelwand eines Wohnhauses gebaut. Auf dem Gelände finden Zivilschutzübungen statt.18 Nicolaistraße 69 (Lankwitz): Der Flachbunker wurde in den 40er-Jahren gebaut. Das Gebäude soll nun vom Liegenschaftsfonds verkauft werden.19 Eiswaldtstraße 17 (Lankwitz): Der Bunker aus den 40er-Jahren hat ein Spitzdach, damit er zwischen den Häusern nicht auffällt. Nach dem Krieg diente er als Hotel.20 Massiner Weg 100 (Britz): Der Bunker aus den 40er-Jahren steht mitten in einer Grünanlage. Seit der Bundesgartenschau 1987 stehen Skulpturen auf seinem Dach.21 Otto-Wels-Ring 1-3 (Neukölln): Der Flachbunker von 1941 wurde 1985 als eine der ersten Anlagen für den Zivilschutz umgerüstet. Auf seinem Dach ist eine Terrasse, die zu einem Wohnheim gehört.22 Tiefbunker Grundstück hinter der Walchenseestraße 30 (Grünau): Der Bunker aus den 40er-Jahren wurde zu DDR-Zeiten mit einer Dekontaminationsschleuse ausgerüstet und unter Erdhügeln versteckt.Informationen im Internet unterwww.berliner-unterwelten.dewww.bbn-berlin.comf------------------------------Foto (5): Der ehemalige Schutzbunker unter dem Alexanderplatz wurde bereits für Ausstellungen genutzt. Künstler zeigten ihre Vorstellungen vom Paradies.