Gebäude von Nachrichtendiensten gehören zu den am besten gesicherten Häusern. Der Bundesnachrichtendienst (BND) macht da keine Ausnahme. Mitarbeiter des deutschen Auslandsgeheimdienstes, die den künftigen BND-Dienstsitz in Berlin betreten wollen, werden sich am Eingang einer Gesichtskontrolle durch einen Scanner unterziehen müssen. Nur wenn das gescannte Bild mit den abgespeicherten Bildern übereinstimmt, dürfen die Beschäftigten passieren - und den ihnen zugewiesenen Bereich betreten. Denn nicht jeder darf überall hin. Betritt ein Unbefugter einen bestimmten gesicherten Bereich, gibt es Alarm. Die Türen sind mit Sensoren ausgestattet.Im Herbst will der BND sein neues Quartier am Gardeschützenweg in Lichterfelde beziehen. Noch wird dort gebaut. Die alten Kasernen, die früher die Amerikaner beherbergten, werden saniert. Außerdem entsteht ein neues dreigeschossiges Lage- und Informationszentrum. Gestern wurde das Richtfest für den Neubau gefeiert, der das Herzstück des BND-Komplexes sein wird. Im Lagezentrum wird nach der Fertigstellung im kommenden Jahr BND-Präsident August Hanning sitzen. Hier fließen an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden am Tag die Nachrichtenflüsse zusammen. Rund 1 000 Mitarbeiter des BND sollen ihren Dienst in Lichterfelde versehen, das Gros der Beschäftigten bleibt jedoch weiter in Pullach. Zu denen, die nach Berlin kommen, gehört die Abteilung Auswertung. Sie ist laut BND der "Start- und Endpunkt der gesamten nachrichtendienstlichen Arbeitskette". Die Abteilung erteilt die Aufträge und wertet später die beschafften Informationen und Nachrichten aus. Die Ergebnisse werden anschließend an die Bundesregierung weitergeleitet.Während der jetzt laufenden Bauarbeiten gelten bereits verschärfte Sicherheitsbestimmungen. So soll verhindert werden, dass andere Dienste Wanzen in das neue Lagezentrum einbauen. Alle Bauarbeiter wurden vor ihrem Einsatz überprüft. Beim Betongießen sahen die Sicherheitsleute genau zu, um sicher zu sein, dass keine Wanzen beigemischt wurden. Immer wieder gibt es zudem unangekündigte Kontrollen auf der Baustelle.Wer gedacht hätte, dass sich der BND total von der Öffentlichkeit abschirmt, der irrt sich jedoch gewaltig. Der Auslandsgeheimdienst will in seinem neuen Domizil ein Besucherzentrum mit einem Laden eröffnen. Dort können sich BND-Fans mit allen möglichen Utensilien eindecken, auf denen der Dienst Reklame für sich macht. So wird es Herren-Unterhosen mit dem Schriftzug "Nur für den Dienstgebrauch", "Verschlusssache" und "Amtlich geheim gehalten" geben. Auch einen BND-Blouson, Krawatten, Mützen, Schals, Golfbälle, Gläser, Badelaken und Taschenmesser sind zu erstehen. Für Kinder offeriert der BND T-Shirts mit der Aufschrift "Spezialagent im Einsatz". Die Sachen, die bislang unter den Mitarbeitern verkauft werden, seien "total gut angekommen", heißt es bei der BND-Pressestelle. Der Shop in Berlin soll möglichst bis Dezember eröffnen, um das Weihnachtsgeschäft mitzunehmen. Zum Besucherzentrum gehört auch eine Ausstellung, die über die Arbeit des Geheimdienstes informieren soll. Führungen über sein Areal wird der BND jedoch nicht anbieten.Die Geschäftsleute und Gastronomen in Lichterfelde freuen sich schon auf den BND. "Das belebt vielleicht das Umfeld ein bisschen", sagt Christine Babbel vom Lokal "Die Zwei" gegenüber vom BND-Sitz. Man sei selbstverständlich bereit, den Wünschen der Kunden entgegenzukommen. Die Hecken am Sommergarten könne man bei Bedarf gerne höher wachsen lassen.Mitarbeiter gesucht // Künftiger Sitz des Bundesnachrichtendienstes in Berlin wird die ehemalige Roosevelt-Kaserne der US-Truppen in Berlin. Errichtet wurde die Anlage ab dem Jahr 1881, damals als Gardeschützenkaserne. Nach dem Auszug der Amerikaner nutzte das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen die Gebäude.Der BND wollte ursprünglich das ehemalige US-Hauptquartier an der Clayallee beziehen, doch nahm er davon Abstand, weil zur gleichen Zeit die Freie Universität dort einziehen wollte.Von den rund 5 900 Mitarbeitern des BND bleiben etwa 4 900 weiter in Pullach bei München. Nur 1 000 werden am Berliner Dienstsitz arbeiten. Eine Vorhut von rund 200 Beschäftigten ist bereits in der Hauptstadt. Sie arbeiten im Bürotrakt des ehemaligen Staatsratsgebäudes in Mitte.Da noch nicht alle Stellen in Berlin besetzt sind, bietet der BND über das Internet verschiedene Jobs an. Gesucht werden zum Beispiel Diplom-Ingenieure der Luft- und Raumfahrttechnik und Dolmetscher für die Sprachen Russisch, Englisch und Französisch. Auch Hochschulabsolventen der Fachgebiete Orientalistik/Islamkunde sind gefragt. Dass es sich bei der Arbeit nicht um eine gewöhnliche Tätigkeit handelt, ist an dem Hinweis abzulesen, dass die Mitarbeiter "eine Sicherheitszulage" erhalten.Mitarbeiter des BND haben nach vier Jahren die Möglichkeit in eine andere Abteilung des Dienstes zu rotieren. So sollen sie möglichst viel vom BND kennen lernen. Einen Zwang zum Wechseln gibt es jedoch nicht.Einen amüsanten Vorgeschmack auf das Agentenleben liefert der BND in einem von ihm herausgegebenen Büchlein mit dem Titel "Topf Secret". Darin verbreitet er die "Geheimrezepte des Bundesnachrichtendienstes". Motto: "Speisen, Spannung und Spione". Serviert werden "Geschichten mit geheimdienstlichem Hintergrund".Mehr zum Thema im Internet unter www. bundesnachrichtendienst. de.BERLINER ZEITUNG/ANJA KÜHL Plan, Der BND zieht nach Lichterfelde.BERLINER ZEITUNG/MAX LAUTENSCHLÄGER Geheimdienstmitarbeiter scheuen gewöhnlich das Licht der Öffentlichkeit. 1 000 Beschäftigte des BND ziehen in diesem Jahr von Pullach nach Berlin. Gestern wurde das Richtfest für das neue Gebäude gefeiert.