Wenn man den Dingen auf den Grund gehen will", sagt ein Besucher und keucht in die vielleicht verrauchteste aller Kneipenlüfte, "stellt man immer wieder fest, wie banal sie doch manchmal sind." Vom legendären Ruf des Ex n Pop in Schöneberg hatte Karsten aus Prenzlauer Berg bereits gehört, als die Mauer noch stand. Hier, so der Mythos, hielten Blixa Bargeld und Nick Cave Hof, hier waren die Whiskeys größer, die Drogen härter und die Nächte länger als anderswo. Doch wirklich besucht hat der Ostberliner das Ex n Pop erst jetzt, als es zum endgültig letzten Abend rief. Enttäuscht schaut der Besucher sich nun um: Auf der Bühne spielen zwei langhaarige Gitarristen vertrackte Blues-Duette mit einer ungetrübten Hingabe, als wäre Techno nie passiert. Davor drängelt, klatscht, trinkt und amüsiert sich ein Publikum, dem die 80er-Jahre deutlich ins Gesicht geschrieben stehen. Wie die Akteure eines amüsierten Klassentreffens wirken sie - für den Outsider muss das einer geschlossenen Gesellschaft gleichen, die keine Türsteher braucht.Vor rund 15 Jahren öffnete das Ex n Pop seine Türen erstmals in der Schwäbischen Straße in Schöneberg. Zwei Jahre später wurde der Club dann in der Mansteinstraße sesshaft. Nun ist vorerst Schluss mit lustig, denn das Haus wird renoviert, die Verlängerung des Mietvertrages gilt als unwahrscheinlich. Auffällig viele Gäste des Abends sind seit den frühen Tagen ihrem Stammlokal treu geblieben. Formell im Besitz eines Geschäftsführers, wurde die Bar während all der Jahre als lockeres Kollektiv geführt. Es galt, dass sich die meisten Stammgäste früher oder später hinter der Theke wiederfanden, Konzerte und Lesungen organisierten oder bestritten: Die Kneipe als Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Als die Mauer fiel, als Techno aus den Schöneberger Clubs wie dem Ufo oder der Turbine Rosenheim in den Osten abwanderte und Schöneberg von der Landkarte der hippen Ausgehwilligen entschwand, trotzte nur das Ex n Pop. Treu fand sich das Publikum nach langen Nächten im Heimathafen zu immer morgendlicher werdenden Stunden ein, die garantierten, dass kein normaler Werktätiger mehr darunter war."Eigentlich müssen wir erst Donnerstag schließen", erklärt Adrian, beim Ex n Pop zuständig für das Booking der DJs, "die letzte Veranstaltung haben wir aber extra auf einen Montag gelegt, damit wir noch bis weit in den Dienstag und notfalls noch bis in den Mittwoch feiern können." Doch vielleicht war es diesmal das ungute Gefühl, das letzte aller Biere am authentischen Ort verpassen zu können, das die Gäste bereits eine Stunde nach der Eröffnung die Theke belagern ließ. Nach Wehmut sieht hier niemand aus. Sätze wie "Ist dir klar, dass wir die Lebensmitte überschritten haben", fliegen einem um die Ohren und enden auf ein "Prost". Wollte man den Namen des Lokals interpretieren, könnte man das "Ex" als Kürzel für tief gründelnd ernsten Existenzialismus deuten. Das "Pop" stände für unbeschwerten Hedonismus. Und zwischen diesen Polen fand jene Underground-Kultur statt, die irgendwie immer typisch für das prä-89er West-Berlin blieb. Dabei wurden Blixa Bargeld und Nick Cave im Ex n Pop weit seltener gesichtet, als es der Mythos vermuten ließ. Stattdessen spielte hier Die Haut, gaben die Lassie Singers frühe Konzerte oder markierte Ben Becker den wilden Max. Doch die eigentliche Hausband dürften die Jever Mountain Boys gewesen sein, die das Lebensgefühl des Cowboy-Outlaws zur besten Countrymusik der Welt aus Berlin verwandelten. Wer, wann, wo nach dieser Nacht aufwachte lag bis Redaktionsschluss nicht vor, sicher ist, dass mit dem verkaterten Königsgefühl, mal wieder richtig gelebt zu haben, vorerst Schluss ist. Adrian: "Wir suchen neue Räume. Aber es soll wieder in Schöneberg sein, hier sind nun einmal unsere Leute." Zwischendurch werden sie wohl aber mal nach Mitte kommen. Im Februar soll es im Kaffee Burger in der Torstraße eine Ex-Veranstaltung geben.Ab 15. Jan. Infos im Internet unter www.Ex n Pop.deDas Publikum blieb treu // Das Ex n Pop wurde 1985 in der Schwäbischen Straße in Schöneberg eröffnet. Zwei Jahre später zog der Club in die Mansteinstraße, westlich der Yorckbrücken. Am Montag war dort Abschlussparty, das Haus wird renoviert.So wie der Club für das mit dem Mauerfall vergangene West-Berlin der Hausbesetzer und Punks steht, so ist auch sein Publikum gealtert: Bei der Abschlussparty waren die meisten Gäste zwischen Mitte 30 und Mitte 40.BERLINER ZEITUNG/PABLO CASTAGNOLA Abgesang auf das West-Berlin der 80er: Die Abschlussparty im Ex n Pop am Montagabend.