Däne ist, wer sich als Däne fühlt. Die tatsächliche Abstammung spielt keine Rolle. So einfach ist das mit der dänischen Minderheit im Norden Schleswig-Holsteins. An die 50 000 Menschen gibt es, die so fühlen, viele davon leben in Flensburg. Sie haben einen deutschen Pass, können aber nach dänischer Fasson glücklich werden: mit eigenen Schulen, Vereinen, einer Partei und Unterstützung aus Kopenhagen. Und neuerdings sogar mit einem Oberbürgermeister aus eigenen Reihen. Simon Faber, 42, gewann die Direktwahl im vorigen Herbst und ist seit Sonnabend Chef im Flensburger Rathaus. "Faber verbindet" war sein Slogan im Wahlkampf, er beschwor die Zusammengehörigkeit der Grenzstadt mit ihrem dänischen Hinterland, die duale Identität sei die Zukunft. "Tak, Flensborg" schrieb der Spitzenkandidat des Südschleswigschen Wählerverbands (SSW) nach seinem Sieg in allen Foren. Danke.Neun Kandidaten waren im Rennen um das Amt, aber die meisten Anwärter waren blass, meckerte man an der Förde. Trotzdem hatte Faber selbst kaum mit einem Sieg gerechnet. Flensburg ist zwar SSW-Hochburg. Doch einen dänischen OB gab es nur kurz nach dem Krieg. Das britische Militär hatte ihn bestimmt, weil er unbelastet war.Sogar am Donnerstag dieser Woche, als Simon Faber seinen Eid leistete, meinte man noch einen Anflug von Staunen bei ihm zu entdecken. Im Haus der Verwaltung ist er Neuling. Bisher trug er als Kontaktmann in Kopenhagen die Interessen der dänischen Minderheit vor. Er ist Musikwissenschaftler, singt im Bach-Chor, gibt sich als jovialer Familienmensch, der sich in der Allwetterjacke genau so wohlfühlt wie im Jackett.Und eben auch in zwei Kulturen. Spricht Faber Deutsch, weiß jeder: Der ist aus dem Norden. Redet er Dänisch, heißt es: Süden, denn Faber hat den breiten Akzent Jütlands. Dabei stammt er eigentlich aus einer deutschen Familie, die Mutter kommt aus Hamburg, der Vater aus Stettin. Trotzdem schickten die Eltern ihren Sohn auf dänische Schulen. Später studierte er in Arhus, arbeitete fürs dänische Rundfunkorchester und im Verlagswesen, bis er vor sechs Jahren nach Flensburg zurückkam. Eine typische Grenzgängerbiografie eines "deutschen Dänen".Seit 1920 gibt es diese Gruppe, weil damals der Landesteil Schleswig geteilt wurde. Nach 1945 erhielten die Deutsch-Dänen gesetzliche Privilegien. Das Nebeneinander ist Alltag, der Danebrog, die dänische Flagge, weht überall auf deutscher Seite. Nun will Faber, als Vertreter einer neuen Generation, handfeste ökonomische Vorteile daraus ziehen. Die Dänen mögen Deutschland immer mehr. "Berlins Ruf hat einen großen Anteil", sagt er. Er will deutsch-dänische Kooperationen fördern, natürlich am liebsten bei ihm vor der Haustür. Vor allem auf gemeinsame Universitätspläne mit der Nachbarstadt Sonderburg setzt er. "Wir können mehr", sagt er. So will er Sparplänen aus Kiel trotzen, und er hofft dabei auf Schub aus Kopenhagen. Auf strammen Nordwind also.------------------------------Foto: Simon Faber, neuer Oberbürgermeister der Fördestadt

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