Das dänische Kino boomt. Einer, der davon besonders profitiert, ist Mads Mikkelsen, der wahrscheinlich prominenteste - und laut zahlreicher Umfragen erotischste - Schauspieler Dänemarks. Bekannt wurde der 40-Jährige durch Filme wie "Dänische Delikatessen", "Wilbur Wants to Kill Himself" oder "Open Hearts". Bevor er im November als Bösewicht im neuen James Bond-Abenteuer "Casino Royale" zu sehen sein wird, startet heute sein neuer Film, die schwarze Komödie "Adams Äpfel" von Anders Thomas Jensen in unseren Kinos.Mads Mikkelsen, Ihr neuer Film "Adams Äpfel" hat einen sehr fiesen Humor. Ist das typisch dänisch?Nein, es ist einfach der Humor des Regisseurs Anders Thomas Jensen, genau wie in "Dänische Delikatessen". Er ist eigentlich eher inspiriert von britischem Humor, der sehr sarkastisch, politisch inkorrekt und schwarz ist. Die besten Witze sind schließlich die über Kinder, Rassismus oder Religion. Wir lachen doch nicht darüber, wenn Leute höflich behandelt werden!Soll der Film also auch provozieren?Leute vor den Kopf zu stoßen, nur um sie vor den Kopf zu stoßen, ist eigentlich uninteressant. So etwas ist nur interessant, wenn man gleichzeitig auch eine Debatte lostritt. Und tatsächlich gab es in einigen religiösen Kreisen kleinere Diskussionen anlässlich des Films. Diesbezüglich war "Adams Äpfel" also erfolgreich, auch wenn ich nicht glaube, dass es Anders darum ging, Aufmerksamkeit zu erhaschen. Er fand es einfach witzig, diese Geschichte von dem bösen Neonazi und dem guten Priester zu erzählen - und plötzlich wird der Nazi zur vernünftigsten Person im Film. Das ist ein Tabubruch, und deswegen mag ich seinen Ansatz. Denn diese ewige politische Korrektheit lähmt die Kreativität.Gibt es Rollen, die Sie nicht spielen würden?Nur wenn sie schlecht sind. Aber sicherlich nicht aus moralischen Gründen, nein. Ich habe auch nichts gegen fürchterliche Personen der Zeitgeschichte, die von allen gehasst werden. Solange die zugehörige Geschichte erzählenswert ist, habe ich damit kein Problem.Bei einem Angebot wie "James Bond" hätte man ohnehin nicht ablehnen können, oder?Natürlich nicht, das ist eine legendäre Filmreihe. Davon Teil zu sein und das nicht bloß als namenloser Typ in der Ecke - wer hätte da Nein sagen können? Und ich musste noch nicht einmal vorsprechen, nachdem mir die Rolle angeboten wurde. Weil ich mitten in Dreharbeiten steckte, sahen sich die Produzenten lediglich meine englischsprachigen Filme und ein paar meiner dänischen Arbeiten an und gaben mir die Rolle auch so. Wer hätte gedacht, dass das so einfach geht?Die Unterschiede zwischen einer solchen Großproduktion und einem dänischen Film sind sicher riesig.Eigentlich sind sie gar nicht so groß. Zwar habe ich "Casino Royale" auf Englisch gedreht, was ganz schön anstrengend sein kann. Aber letztlich geht es immer darum, sich konzentriert auf seine Szenen vorzubereiten. Es sind mehr Menschen um einen herum als an einem dänischen Set, aber von all dem Geld, das der Film kostet, bekommt man als Schauspieler wenig mit. Vielleicht ist das etwas anderes, wenn das Budget gesprengt und der Zeitrahmen nicht eingehalten wird. Aber bei diesem Bond-Film lief alles glatt, daher habe ich von solchen Sorgen nichts gespürt.Orson Welles hat die gleiche Rolle in einer früheren Version von "Casino Royale" auch einmal gespielt.Ja, und natürlich fühlt sich das ein wenig komisch an, aber zum Glück habe ich diese Version des Films nie gesehen. Auch den Roman kenne ich nicht, denn ich lese nie die Bücher, auf denen meine Filme basieren. Für mich als Schauspieler ist nur das Drehbuch relevant - und natürlich die Arbeit am Set. Aber ich bin sicher, dass der Film mit Welles, der ja eine Parodie war, etwas ganz anderes ist als unsere Version. Trotzdem macht es mich ein bisschen stolz, in seine Fußstapfen zu treten, immerhin ist er eine Legende. Und nicht zu vergessen: Peter Lorre hat die Rolle auch schon gespielt.Dürfen Sie eigentlich schon etwas über Ihre Rolle verraten?Natürlich nicht viel. Ich spiele einen Pokerspieler, der auch ein mathematisches Genie ist. Er wäscht Geld für terroristische Regime, irgendwann ist Bond ihm auf den Fersen, und ihre Wege kreuzen sich unter anderem im Casino. Auf jeden Fall versuche ich nicht, die Weltherrschaft zu erringen oder die Erde in die Luft zu sprengen, sondern schlage mich einfach als gewöhnlicher Ganove durchs Leben.Planen Sie weitere Ausflüge nach Hollywood?Nein, noch gibt es keine weiteren spannenden Angebote. Und ich habe mir auch kein bestimmtes Ziel bezüglich Hollywood gesetzt, denn so etwas mache ich eigentlich nie. Mir ging es darum, dabei zu sein, wenn der dänische Film sich in eine neue Richtung entwickelt, und das ist mir in den vergangenen Jahren gut gelungen. Darauf bin ich stolz und daran würde ich auch gerne weiterarbeiten. Ich habe also nicht vor, Dänemark zu verlassen. Natürlich bin ich für interessante Projekte immer offen, aber ich habe keine Lust darauf, mich irgendwo anpreisen und verkaufen zu müssen.In der Heimat hat man Sie ja auch regelmäßig zum erotischsten Mann Dänemarks gewählt.Mit meinen letzten paar Filmen habe ich hart daran gearbeitet, diesen Ruf wieder zu verlieren. Mit meinem Outfit in "Adams Äpfel" müsste ich in der Rangliste auf Platz 100 abgerutscht sein! Wenn ich 18 wäre, würde mir eine solche Auszeichnung sicher sehr gefallen - dann könnte ich vermutlich Kapital daraus schlagen. Heute bringt mich das natürlich nicht weiter. Deshalb freue ich mich einfach, wenn den Leuten gefällt, was ich mache.Interview: Patrick Heidmann------------------------------Poker im Casino RoyaleIn dem Bond-Film "Casino Royale" spielt Mads Mikkelsen den Erzbösewicht Le Chiffre. In Ian Flemings Romanvorlage ist Le Chiffre ein russischer KGB-Killer, in der neuen Filmversion unterstützt der mathematisch begabte Pokerspieler internationale Terroristen.Mads Mikkelsen war acht Jahre lang Profi-Tänzer, bevor er zur Schauspielerei wechselte. Er soll den Bond-Film-Produzenten aufgefallen sein, als er in dem Action-Epos "King Arthur" den Tristan verkörperte. "Casino Royale" ist zum dritten Mal verfilmt worden und startet am 23. November.------------------------------Foto: Sehr lässig, sehr cool: Mads Mikkelsen.