Die Berliner werden sich an Temperaturunterschiede von mehr als 50 Grad zwischen Sommer und Winter gewöhnen müssen. Schon im zweiten Jahr in Folge herrscht im Winter eisiger Frost bis fast minus 20 Grad, im Sommer hingegen werden Werte nahe der 40-Grad-Marke erreicht. Zwei Jahre in Folge war das so: 2009 betrug die Differenz zwischen dem kältesten und dem heißesten Tag des Jahres 51,7 Grad, im vergangenen Jahr waren es 54,2 Grad. "Das vergangene Jahr war schon ein sehr extremes Jahr", sagt Meteorologin Katrin Hannig vom privaten Wetterdienst Wetterkontor. Das Jahr habe etliche außergewöhnliche Werte vorzuweisen, sowohl Sonnenscheindauer und Trockenheit betreffend als auch Kälte und Hitze. "Die Extreme haben zugenommen", sagt Hannig. Ein Trend, so sagt sie, sei dabei aber nicht zu erkennen. "So was kann ab und zu mal vorkommen."Ganz besonders aus der Art fiel dabei der letzte Monat des Jahres: In nur einer einzigen Nacht im Dezember gab es keinen Frost, in neun Nächten sank das Thermometer auf Werte unter minus zehn Grad. Aber auch tagsüber war es eisig: An 22 Tagen gab es Frost - sehr ungewöhnlich für Dezember. "Normalerweise ist der Januar der kälteste der Winter-Monate", sagt Hannig. Seit Beginn der Wetteraufzeichnung habe es nur einen einzigen Dezember gegeben, der kälter war. Im letzten Monat des Jahres 1969 war es durchschnittlich minus 5,5 Grad kalt.Ungewöhnlich war nicht nur der viele Frost, sondern auch der häufige Schneefall. Obwohl die Niederschlagsmenge völlig in der Norm lag, schneite es an 15 Tagen - auch das ist außergewöhnlich. Die dichte Wolkendecke hatte wiederum zur Folge, dass sich Sonne kaum blicken ließ: An nur acht von 31 Tagen schien sie, insgesamt kam der Dezember auf 11,2 Stunden Sonnenscheindauer - auch das ist ein extremer Wert. "Weniger Sonne gab es in einem Dezember nur im Jahr 1971", sagt Katrin Hannig. Damals habe die Sonne im ganzen Monat nur acht Stunden geschienen.Trübe geht es auch in den kommenden Tagen weiter. "Der Dienstag wird grau in grau", sagt Franziska Polak, Meteorologin beim privaten Wetterdienst Wetter.net. Dieser "trübe Wintertag" könne mit Schneegriesel starten, am Nachmittag zeige sich die Sonne ein wenig. "Viel Schnee kommt aber nicht zusammen", sagt Polak. Tagsüber steigen die Werte auf maximal minus zwei bis minus drei Grad, in der Nacht zu Mittwoch sinkt das Thermometer dann wieder unter die Zehn-Grad-Minus-Marke. Mit Höchstwerten um minus sieben Grad bleibe es am Mittwoch weiterhin eisig. "In der Nacht zu Donnerstag zieht dann eine Warmfront durch", so Polak. Vor allem in den Morgenstunden drohe die Gefahr von Eisregen oder überfrierendem Regen - im Berufsverkehr könne es sehr glatt werden.Zum Wochenende hin bleibt es vergleichsweise mild - am Freitag werden Werte zwischen null und zwei Grad plus erreicht, am Wochenende sogar Temperaturen bis fünf Grad. Von Schnee keine Spur mehr: Es regnet wieder.------------------------------Heiß, kalt, feucht, trocken: Das Jahr 2010 im VergleichSeit dem 1. April 1908 wird in Dahlem das Wetter gemessen und die Werte werden aufgezeichnet. Im Jahr 1948 wurde auch auf dem Flughafen Tempelhof eine Wetterstation in Betrieb genommen. Inzwischen gibt es mehrere über das ganze Stadtgebiet verteilt. Außer Temperaturen werden unter anderem Niederschlagsmenge, Sonnenscheindauer und Windgeschwindigkeit gemessen.Das Jahr 2010 geht als ein Jahr der Extreme in die Wetterstatistik ein. Sowohl für Kälte und Hitze als auch für Trockenheit wichen die Werte deutlich vom Durchschnitt vergangener Jahre ab.Die Durchschnittstemperatur im vergangenen Jahr lag in Berlin bei 8,9 Grad. Im Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990, die von Meteorologen stets zu Vergleichszwecken herangezogen werden, waren es 8,8 Grad. Vor 2010 war es allerdings deutlich wärmer: Gleich mehrfach hintereinander wurde die Zehn-Grad-Marke überschritten, unter anderem 2003, 2006 und 2007.Der wärmste Monat in 2010 war der Juli mit durchschnittlich 23,3Grad. Das war der drittwärmste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Der langjährige Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990 für einen Juli liegt bei 18,8 Grad.Der heißeste Tag des Jahres war der11. Juli 2010. An diesem Sonntag wurden in Berlin 37,7 Grad gemessen, in der Nacht sanken die Werte auf 23,4 Grad - eine wahrlich tropische Nacht.Mit 15,7 Stunden Sonnenschein an einem einzigen Tag war der 16. Juni Spitzenreiter des Jahres.Sonnenärmster Monat war der Dezember 2010. Insgesamt schien die Sonne nur 11,2 Stunden, normalerweise sind es im Dezember 35,5 Stunden.Der kälteste Monat war der Januar 2010. Mit einem Durchschnittswert von minus 4,5 Grad lag der Wert 4,3 Grad unter dem langjährigen Mittel von minus 0,2 Grad. Viel kälter als sonst war auch der Dezember 2010. Mit durchschnittlich minus 4 Grad wich er sogar um minus 5,4 Grad vom langjährigen Mittel ab.Der kälteste Tag war der 26. Januar 2010. In der Nacht wurden minus 16,5 Grad gemessen, selbst am Tag stiegen die Werte nur auf minus 9,7 Grad.Der trockenste Monat war der Juni. Insgesamt fielen nur 2,3 Liter Niederschlag, normal sind 75,3 Liter. Weniger Regen seit Beginn der Wetteraufzeichnung gab es nur im April 2007 (2,1 Liter).Niederschlagsreichster Monat war der August mit 141,7 Liter Regen, normalerweise sind es nur 60,5 Liter. In Sachen Niederschlag war das Jahr allerdings durchwachsen: An allen 365 Tagen fielen 626,6 Liter Niederschlag, zwischen 1961 und 1990 waren es durchschnittlich 583,9 Liter.------------------------------Grafik: Das Berliner Wetter im Dezember 2010. Gut zu erkennen: Selbst im Vergleich mit dem kalten Dezember 2009 schnitt der vergangene Monat eisig ab. An 22 Tagen herrschten durchgängig Minusgrade.Foto: Schneefall an 15 Tagen - so etwas gab es in Berlin im Dezember noch nie.