BERLIN. Mit einem einzigen Satz wird T-Mobile-Kapitän Jan Ullrich auf der Internetseite seines Arbeitgebers zitiert: "Ich habe nie mit Fuentes zusammengearbeitet", heißt dieser Satz. Er steht in einem längeren Bericht über einen Vorgang, der gerade in Spanien passiert und in dem ein Arzt namens Eufeminio Fuentes eine Rolle spielt.Fuentes ist einer von vier Verdächtigen, die am Freitag in Madrid einem Haftrichter vorgeführt wurden. Nach 72 Stunden in Untersuchungshaft ist das in Spanien vorgeschrieben. Nach mehrstündigen Vernehmungen am Nationalen Gerichtshof sollte entschieden werden, ob Fuentes, der Laborchef José Luis Merino Batres, der frühere Radprofi Alberto León und José Ignacio Labarta vom Team Comunidad Valencia auf freien Fuß gesetzt werden können. Ihnen wird Beteiligung an systematischem Doping im großen Stil vorgeworfen. Die vier waren am Dienstag ebenso wie der fünfte Verdächtige, Manolo Saiz, festgenommen worden. Der Chef des Radrennstalls Liberty Seguros, wurde allerdings aus gesundheitlichen Gründen unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt.Der Name Ullrich war über den italienischen Mediziner Luigi Cecchini ins Spiel gekommen. Der soll mit Fuentes kooperiert haben. Cecchini wiederum zählt zum Betreuerteam um Ullrich, der zwei Tage vor Schluss aus dem Giro d'Italia ausstieg, um Kräfte für die Tour de France zu sparen. Bei dessen Team T-Mobile beeilte man sich mit der Feststellung, dass Cecchini nur die Trainingspläne Ullrichs ausarbeite und nicht für die medizinische Betreuung zuständig sei. Gegen Cecchini, der einmal am Institut von Ferrara tätig war als Mitarbeiter des umstrittenen Sportwissenschaftlers Francesco Conconi, liegt nichts vor.Unterdessen gilt Fuentes als Schlüsselfigur des Skandals in Spanien. "Das Blut ist für private Analysen", habe Fuentes in einer Befragung abgewiegelt, berichtete die spanische Tageszeitung El Pais. "Das ist schmutziges Blut, Abfall, und die meisten Medikamente sind verfallen und nichts wert", sagte er weiter. Die Guardia Civil hatte 200 Blutkonserven sichergestellt.Die Festnahmen sind laut El Pais das Ergebnis von vier Monaten Ermittlungen der Zentralen Einsatzeinheit der Guardia Civil von Madrid. Die Ermittler hätten bei den fünf Festgenommenen "typische Verhaltensweisen von Personen, die dem organisierten Verbrechen angehören" festgestellt.So hätten Saiz und die anderen extreme Vorsicht beim Autofahren gezeigt, ständig ihre Handynummern gewechselt sowie Spitz- und Decknamen verwendet. Um die Daten aus den abgehörten Telefongesprächen und sonstigen Ermittlungen zu einem Gesamtbild fügen zu können, haben sich die Ermittler einen Plan mit dem Teilnehmerfeld des aktuellen Giro d'Italia an die Bürowand gepinnt und jeweils die Namen derjenigen Fahrer markiert, die sie wiederzuerkannt geglaubt haben. "Am Ende hatten sie einen ziemlich bunten Plan", schreibt die Zeitung El Pais.Auch die Konkurrenz von der Tageszeitung ABC hatte offenbar Zugang zu den Ermittlungsakten. Auch sie berichtet, außer den Videoaufnahmen, die Sportler beim Betreten und Verlassen von Merinos Labor zeigen, stütze sich die "Operation Puerto" auf unzählige abgehörte Telefonate, darunter eines mit dem italienischen Profi Michele Scarponi. Die meisten Blutproben werden offenbar Radsportlern zugeordnet, außerdem sollen mindestens ein Boxer und mehrere Leichtathleten dabei sein.Ob Rad- oder sonstiger Sport: Viele spanische Medien zitierten am Freitag den Generaldirektor der Guardia Civil mit dem Satz: "Es werden mehr Namen von bekannten Personen öffentlich werden."Klar ist inzwischen, dass Manolo Saiz die längste Zeit dem Profi-Radteam Liberty Seguros vorgestanden hat - die US-amerikanische Versicherungsgruppe Liberty hat am Donnerstagabend den Vertrag mit dem Rennstall gekündigt. "Die Ermittlungen sind stark beunruhigend: Sie beschädigen unseren Namen und den Radsport", ließ das Unternehmen erklären. Der Vertrag hatte eine Laufzeit von vier Jahren (von 2004 bis 2008) und brachte Manolos Saiz Team bisher acht Millionen Euro im Jahr ein. (BLZ)------------------------------Die Sünderkartei von Liberty SegurosRoberto Heras aus Spanien ist der bislang letzte Angestellte von Teamchef Manolo Saiz, der als Doper aufflog. Im September 2005 wurde Heras des Blutdopings überführt und verlor seinen Gesamtsieg bei der Vuelta.Igor Gonzalez de Galdeano ist ein weiterer Fahrer von Saiz, der für Schlagzeilen sorgte. Er war positiv auf die verbotene Substanz Salbutamol getestet worden und wurde daraufhin für die Tour 2003 gesperrt. Manolo Saiz spielte beim Thema Doping nicht immer eine überzeugende Rolle. Etwa bei der Skandal-Tour 1998, als der Liberty-Seguros-Vorläufer Once in den Alpen ausstieg und Saiz die Säuberungsbemühungen im französischen Radsport verhöhnte.Alex Zülle gewährte später Einblicke in Saiz' Team. Er habe etwa vier Jahre lang Epo genommen, gab er vor Gericht zu Protokoll. "Das erste Mal, als ich noch für Once gefahren bin."------------------------------Foto: Unschuldsengel? Der Radsport und seine Protagonisten rollen mal wieder an der Grenze der Glaubwürdigkeit.

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