BERLIN, 20. Oktober. Mit einem Vergleich endete in zweiter Instanz ein Rechtsstreit zwischen Gudrun Fröhner, langjährige Ärztin des DDR-Turnverbandes und heute am Institut für Angewandte Trainingswissenschaften (IAT) in Leipzig tätig, und dem Heidelberger Molekularbiologen Werner Franke. Die Prozeßkosten in Höhe von 30 000 Mark muß die Medizinerin zahlen, entschied das Berliner Kammergericht am Dienstag nachmittag.Die Sache ist kompliziert, und sie wurde in einer emotional aufgeladenen Atmosphäre lautstark diskutiert. Im Kern ging es um die Behauptung, gegen Frau Fröhner lägen aus einer Zivilverhandlung aus dem Jahre 1991 vom Landgericht Heidelberg anerkannte Beweise vor, sie habe an Turnerinnen illegale Dopingmittel verabreicht. Dies habe Franke gegenüber der "Leipziger Volkszeitung" erklärt, behauptete Frau Fröhner. Franke und der für den Artikel verantwortliche Reporter bestritten dies in eidesstattlichen Versicherungen. So konnte Franke gestern auch die vom Gericht verlangte Erklärung akzeptieren, er habe dies nie gesagt und würde es nie behaupten.IAT-Chef in ErklärungsnotEs bleiben einige bemerkenswerte Fakten, die Fröhners Anwältin Friederike Schulenburg nach Verhandlungsende darlegte. So habe Frau Fröhner schon 1990 bei ihrer Bewerbung um eine Stelle im IAT angegeben, in der DDR Hormonpräparate an junge Sportlerinnen vergeben zu haben. Schulenburg: "Sie hat gesagt: Ja, ich habe das eingesetzt." Diese Aussage ist brisant, weil IAT-Leiter Dietrich Martin vor einem dreiviertel Jahr in einer vom Bundesinnenministerium und dem Deutschen Sportbund (DSB) verlangten Stellungnahme Frau Fröhner gegen jegliche Vorwürfe verteidigt hatte. Aus den Veröffentlichungen Frau Fröhners ergebe sich kein Anhaltspunkt für Dopingverdächtigungen, erklärte Martin. Dem hielt damals der Potsdamer Historiker Giselher Spitzer in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" entgegen: "Wer ihr heute einen Persilschein ausstellt, der kann seinen Hut nehmen, wenn sich das Gegenteil herausstellt."Vor Gericht sagte die Anwältin Schulenburg: "Es geht nur um diesen schlimmen Vorwurf der Verabreichung. Das streiten wir ab. Wir bestreiten nicht, wenn jemand gesagt hätte, sie hat an Kolloquien teilgenommen, sie hat sich Informationen besorgt und ausgewertet. Aber: Frau Fröhner hat nicht gedopt."Höppner belastet FröhnerLaut Vernehmungsprotokollen der Zentralen Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität (Zerv) soll Frau Fröhner Dopingmittel in Empfang genommen haben, sagte dagegen Frankes Anwalt Michael Lehner. Wie bekannt wurde, hat Manfred Höppner, stellvertretender Leiter des Sportmedizinischen Dienstes der DDR, in seinen Zerv-Vernehmungen Fröhner belastet. Überraschend gewährte die Anwältin Schulenburg Einblick in die Vernehmungsakte. Höppner bezeichnete Frau Fröhner als zuständig für eine Doping-Verbandskonzeption. In einer hitzigen Diskussionsrunde schlug Gudrun Fröhner jedoch mit der Faust auf einen Tisch und rief: "Herr Professor Franke, es gab keine Doping-Konzeption."Laut Höppner wurde im Turnen auch das illegale Medikament STS 646 eingesetzt. Rechtsanwältin Schulenburg verwahrte sich vehement gegen den im Raum stehenden Vorwurf, ihre Mandantin sei an Menschenversuchen beteiligt gewesen und habe mit gezielten Dopinggaben bei Turnerinnen Zwergenwuchs fördern wollen. Im Gegenteil habe Frau Fröhner mit kleinsten Dosen anaboler Steroide gezielte Maßnahmen gegen Zwergenwuchs ergriffen. Laut Höppner sei Gudrun Fröhner bei den zumeist minderjährigen Turnerinnen sehr beliebt gewesen. Entgegen der Anordnung von Trainern habe sie ihre Schützlinge zu einer gesunden und reichhaltigen Ernährung gedrängt.