DORTMUND. Als sich Joseph Ratzinger von seinem Mobiltelefon trennte und es Heinz Sänger schickte, da war er noch Kardinal im Vatikan. Heute nennt sich Ratzinger Benedikt XVI., und Heinz Sänger darf stolz darauf sein, ein Handy des Papstes zu besitzen. Und nicht nur das: Mehr als 200 schnurlose Telefone präsentiert der Dortmunder in gläsernen Vitrinen, als mobiles Handymuseum schickt er seine Exponate sogar auf Reisen.Groß wie ein BrikettMadonna etwa hat Sänger ein kleines schwarzes Exemplar spendiert, das Handy von Michael Schumacher wirkt schnittig. Das blaue des ehemaligen Nationalkickers Uwe Seeler wiederum ist eher pummelig. "Und dieses da hat Bill Clinton gehört, da war er noch Präsident", sagt Heinz Sänger, der 65-jährige Dortmunder, und deutet auf ein fast brikettgroßes Gerät, das eine weiße Unterschrift ziert. Ein gerahmtes Foto dahinter zeigt Clinton, der seinen Arm kumpelhaft um die Schultern des Sammlers gelegt hat.Heinz Sänger ist seit Mitte der 90er Jahre auf der Pirsch. Er jagt Prominenten-Handys. Beruflich hat er immer schon mit kabelloser Kommunikation zu tun gehabt. Viele Jahrzehnte arbeitete er als Betriebsinspektor auf dem Gebiet des Mobilfunks für die Deutsche Telekom. Jetzt ist er im Vorruhestand, jetzt hat er Zeit, seine Schätze auf ihren Deutschland-Reisen zu begleiten.Wenn Sänger sie ausstellt, dann will er auch die Entwicklung des grenzenlosen Telefonierens darstellen. Er packt deshalb auch Telefone in den Lastwagen, die vom Taschenformat weit entfernt sind: 17 Kilogramm etwa wiegt ein Automobiltelefon aus den frühen 50ern, wie es Konrad Adenauer benutzt hat. "Für die Stromerzeugung musste in das Fahrzeug eine zweite Lichtmaschine eingebaut werden", berichtet Sänger. "Und die Kabel dafür waren so dick wie Gartenschläuche." Überall erreichbar war der Kanzler damit aber noch lange nicht: Einen Radius von 30 Kilometern hatten damals die wabenartigen Zellen des A-Netzes, des ersten Funksystems. "Man musste vorher absprechen, wann man telefonieren wollte, mit genauer Ortsangabe, sonst brach die Verbindung zusammen", sagt Sänger. Das Fräulein vom Amt, zu jener Zeit in Düsseldorf ansässig, stellte per Steckvermittlung die Verbindung her.Wenn Heinz Sänger so etwas erzählt, dann klingt er wehmütig. "Viele historische Geräte sind nicht erhalten, sie wurden als Elektroschrott entsorgt", bedauert er. Seine Sammelleidenschaft für VIP-Handys erwachte, als ihm einst Johannes Rau als Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens eine Urkunde in die Hand drücken wollte, weil Sänger jemandem das Leben gerettet hatte. "Ich habe Rau gefragt, ob ich nicht lieber sein Handy haben kann." Konnte er nicht. Raus Mobiltelefon war Staatseigentum. Erst als das Gerät ausgemustert wurde, landete es als erstes Schaustück in Sängers Museum.Auch auf das Handy von Bill Clinton musste Heinz Sänger länger warten. Immer wieder schrieb er Briefe ans Weiße Haus in Washington und bat um das skurrile Souvenir, Monat für Monat. Die Beharrlichkeit des Dortmunders zahlte sich aus: In der US-Botschaft in Bonn-Bad Godesberg durfte er sich ein zerkratztes Mobiltelefon abholen, das der Staatsmann Clinton benutzt hatte. Das Wichtigste aber fehlte: die Unterschrift auf dem Gerät, die dieses für echt erklärt.Teures Hobby"Das Autogramm habe ich mir dann eben später geholt", berichtet Sänger und zückt seine Eintrittskarte für das "Zukunftsforum" in der Augsburger Schwabenhalle am 6. Dezember 2001. Eine Schar von Sicherheitskräften musste er dort austricksen, bis er Clinton in einem Flur gegenüberstand und das schwarze Gerät aus der Jackett-Tasche ziehen konnte. "In diesem Moment hatte ich wohl riesiges Schwein, dass keiner von Clintons Bewachern nervös geworden ist", blickt Sänger zurück. Stattliche 1 036 Mark hat die Eintrittskarte Sänger damals gekostet. "Finanziell gesehen ist mein Hobby so etwas wie ein schwarzes Loch", sagt er.Heinz Sänger bezeichnet sich selbst übrigens als leidenschaftlichen Mobiltelefonierer. Seine monatlichen Handy-Minuten schätzt er auf mehr als 1 000. Etliche wird er auch brauchen, bis er die nächsten Handys ins Museum aufnehmen kann. Sänger will Bill Gates und Angela Merkel um ihre Mobiltelefone bitten.------------------------------Erst Klasse, dann MasseDie Entwicklung des Mobilfunks begann in Deutschland 1926 mit einem Telefondienst in Zügen der Deutschen Reichsbahn und Reichspost auf der Strecke zwischen Hamburg und Berlin. Dieser Dienst wurde nur in der 1. Klasse angeboten. Die ersten Autotelefone, die deutschlandweit verwendbar waren, gab es ab 1958. Das A-Netz der Bundespost war damals das größte öffentliche Mobilfunknetz der Welt.Die durchschnittliche Besitzdauer eines Mobiltelefons beträgt in Deutschland heute 18 bis 24 Monate. In Europa werden jährlich ca. 100 Millionen Altgeräte entsorgt.------------------------------Foto: Der Handy-Sammler Heinz Sänger------------------------------Foto: Mit Autogramm: Handys von den TV-Moderatoren Gottschalk und Biolek, gesammelt von Heinz Sänger.