BERLIN, 17. Mai. Der Schrecken aller bajuwarischen Balltreter kam als 190 Zentimeter großer und 89 Kilo schwerer Koloß daher und hört auf den Namen Bachirou Salou. Wenn der dunkelhäutige Nationalstürmer aus Togo mit dem Charme einer Dampfwalze auf und davon geht, den Ball dabei erstaunlich eng am Fuß, bekommen auch gestandene Bayern-Profis enorme Probleme. So geschehen in Berlin. Ein Duisburger Mitspieler des Togolesen umschrieb dessen Spielweise einmal treffend so: "Wenn du dich ihm entgegenstemmst, hast du das Gefühl, ein Hochgeschwindigkeitszug rast auf dich zu. Du hast kein Mittel, ihn zu stoppen."Die Grätsche stoppt den BestenDas ging den Bayern lange Zeit ebenso. Bis zur 70. Minute beim Stand von 1:0 für den Außenseiter. Da fiel Münchens Michael Tarnat als probates Mittel nur noch die Grätsche ein. Er fuhr dem bis dato überragenden MSV-Angriffsführer so böse von hinten in die Beine, daß der Riese hilflos am Boden liegenblieb. Nationalspieler Tarnat bekam von Schiedsrichter Hartmut Strampe nur die Gelbe Karte gezeigt, Rot wäre regelgerecht gewesen. Salou, 27, trug eine klaffende, vier Zentimeter tiefe Rißwunde an der Wade davon und mußte seinen großen Finalauftritt unfreiwillig beenden. Mit ihm ging die Hoffnung. "Dieses Foul", so MSV-Trainer Friedhelm Funkel, "war mit Sicherheit spielentscheidend und hätte mit Platzverweis geahndet werden müssen." Salou zischte: "Das Foul von Tarnat war eine dunkelrote Karte." Mehr sagte er nicht und behielt es sich vor, lieber in seiner Heimatsprache zu fluchen. In Togo ist Salou schon lange ein Held. Als ihm kürzlich sein Auto gestohlen wurde, schaltete sich gar das Staatsoberhaupt ein und erklärte den Fall zur Präsidentensache. In Halbzeit eins hatte Salou für Aufregung gesorgt und Bayern-Trainer Trapattoni zu einem Personalwechsel gezwungen (frühe Auswechslung von Gegenspieler Helmer). In einem Laufduell mit Lothar Matthäus über gute zehn Meter nahm er dem Münchner fast zwei Meter ab und schoß kraftvoll zur Duisburger Führung ein. Derweil wurden Bedenken ob der Matthäusschen Sprintfähigkeiten bei der kommenden Weltmeisterschaft laut. Hertha-Trainer Jürgen Röber entkräftete auf der Tribüne aufkommende Zweifel, indem er die Qualitäten des Duisburgers hervorhob: "Den Salou im Sprintduell hält in der Bundesliga keiner."Dabei gehörte Salou, Schuhgröße 45, nicht einmal zu denjenigen MSV-Kickern, die in extra angefertigten goldenen Töppen ihres Ausrüsters aufliefen. Das taten nur Kapitän Wohlert, Hirsch, Komljenovic und der eingewechselte Osthoff. Man kann darüber streiten, ob der PR-Gag ("Hauptsache, man spricht darüber", so MSV-Marketingchef Ullrich Grall) zu einem Verein paßt, dem seit seiner Gründung kurz nach der Jahrhundertwende das Image der Malocher anhaftet. "Die goldenen Schuhe waren hervorragend", meinte indessen Torsten Wohlert, "an denen lag s nicht, daß uns das zweite Tor versagt blieb. Am Ende wurden uns die Beine schwer und der Kopf unheimlich müde. Dazu hatten die Bayern viel Glück."Goldene Schuhe, ein Sonderzug für Mannschaft, Sponsoren und Edelfans, der die "Zebras" am Sonntag nonstop vom Bahnhof Zoo bis Duisburg Hbf. brachte, neues Outfit schon beim Pokalendspiel weisen deutlich auf Kommendes hin. "Der MSV will weg vom Graue-Maus-Image der Liga", sagt Manager Gerd Merheim, "wir spielen einen guten Fußball, endlich auch bald wieder international." Da Cupsieger FC Bayern als Meisterschafts-Zweiter in der Champions League startet, ist der MSV im Europacup der Pokalsieger dabei und kann die Finanzen konsolidieren. Über drei Millionen Mark spielte man im laufenden DFB-Pokal ein. Geld, daß man zum Teil vielleicht auch in Bachirou Salou investieren muß.Der Mann aus Togo wird von der halben Bundesliga gejagt. Manager Merheim: "Er hat Vertrag bei uns bis 1999 und bekommt von uns eine neue, sehr lukrative Offerte." Und Trainer Friedhelm Funkel erklärt seinen Angreifer kurzerhand für unverkäuflich. Der Umschwärmte wollte verbal keinen Beitrag in Sachen eigene Zukunft leisten und schwieg. Dafür sagte Kapitän Wohlert: "Ich hoffe, der Bachi bleibt. Bei uns hat er alle Freiheiten." Der Kapitän, seit fünf Jahren an der Wedau, warf seine goldenen Schuhe nach Abpfiff "des grandiosen Erlebnisses" mit aller Kraft ins Publikum. "Es spielte sich gut in ihnen, aber ich ziehe sie nie wieder an." Ganz so schnell wie das Schuhwerk wechseln Malocher eben ihr Image nicht.