Der englische Ex-Nationalspieler brach nach viertägiger Kneipentour heulend zusammen: Fußballstar Paul Gascoigne in Entzugsklinik

LONDON, 12. Oktober. Er hätte ja alle Gründe gehabt: Das torlose Fußball-Elend zwischen England und Bulgarien am Sonnabend im Wembley-Stadion muß den ballgenialen Paul "Gazza" Gascoigne schon arg mitgenommen haben. Wenn er doch bloß hätte eingreifen können... Aber er selbst darf eben nicht (weil er sich wegen seiner Zech-Touren mit Nationaltrainer Glen Hoddle verkracht hat). Und so hätte er wahrscheinlich am liebsten getan, was er neben Fußballspielen am liebsten tut. Einen heben gehen. Hat er aber nicht. "Gazza", so meldete die englische Presse am Montag, "Gazza" ist endlich dort angekommen, wo er schon seit Monaten hingehört: im Alkohol-Entzug. Aufs Gesicht gefallenNach einem viertägigen Stadtrundgang durch Dubliner Kneipen war der 31jährige Middlesbrough-Star am vergangenen Freitag erst böse aufs Gesicht gefallen, dann auf dem Rückweg am Bahnhof Stevenage völlig zusammengebrochen. "Ich habe genug, alle wollen mich nur fertigmachen," soll er einer Verkäuferin heulend gestanden haben. Das Bahnhofspersonal verschiffte ihn per Taxi zu Ex-Frau Sheryl, die jagte ihn zu seinem Trainer weiter. Der soll endlich Tacheles geredet und seinen Star ins Marchwood Priory Rehabilitations-Zentrum eingecheckt haben. Seit Sonnabend ist Gascoigne nun in medizinischer Behandlung und nimmt an Einzel- und Gruppengesprächen teil. Bislang hatte er stets abgestritten, mit Alkohol nicht umgehen zu können. Eine mutige Einschätzung. Denn während "Gazzas" Leistungen auf dem Rasen in den letzten Monaten von mäßigem Interesse blieben, gab es reihenweise Schlagzeilen über seine Freizeitgestaltung. Kurz vor der WM in Frankreich, für die "Gazza" eigentlich fest gebucht war, hatte ein Journalist ihn um drei Uhr morgens an einer Kebab-Bude im Londoner Vergnügungsviertel Soho gesichtet. Der England-Auswahl aber war vom Trainer eigentlich Ruhe und gesunde Kost verordnet worden. Auch in seiner Neu-Heimat Middlesbrough machte sich der Spieler seit März vor allem in Pubs und Nachtclubs bekannt. "Gute Freunde" berichten in der Presse von nächtelangen Zechtouren rund um den Küstenort Gateshead, für die "Gazza" umfassend ins Portemonnaie griff. Der "Mirror" enthüllte letzten Freitag, Gascoigne habe auf einer Hochzeitsfeier den 300 Gästen seinen blanken Hintern präsentiert. Am nächsten Tag habe er das Training mit Hinweis auf einen "Fieberanfall" ausfallen lassen und zur Kur einen sechsstündigen Kneipenbummel absolviert.Längst hat die Trunksucht Spuren in der Karriere und im Privatleben hinterlassen: "Gazza" flog vor der WM aus der Nationalmannschaft. Im August hatte er dann einen guten Freund zu beerdigen, der nach einer gemeinsamen Sauftour tot zusammenbrach. Und vier Tage später wurde er von Ehefrau Sheryl geschieden wegen Gewalttätigkeiten. Den Gang in die Reha-Klinik hatten "Gazza" nicht zuletzt seine Kollegen Paul Merson und Tony Adams immer wieder nahegelegt, die den Entzug schon hinter sich haben. Ihr gemeinsamer Drogenberater Steve Jacobs warnte Gascoigne am Wochenende: "Wenn sein Verhalten so bleibt wie es ist, dann endet der Junge entweder in der Gosse, im Gefängnis, oder er stirbt." Den 40. Geburtstag werde "Gazza" auf die trinkfeste Tour nicht mehr erreichen.