BERLIN, im September. Es gibt ein Lied, das heißt "Alles wieder tutti paletti". Der Sänger erzählt davon, wie er eine kleine persönliche Krise überwunden hat und wieder glücklich ist. Wolfgang Lippert hat den Schlager in den achtziger Jahren in der DDR gesungen; es war ein Hit. Es passte zu Wolfgang Lippert, den alle nur Lippi nannten. Lippi war eine Frohnatur und sehr erfolgreich. So erfolgreich wie Frank Schöbel, Helga Hahnemann und die Puhdys. Lippi, ein gelernter Autoschlosser, wurde in den achtziger Jahren ein Star. Er bekam eigene Fernsehshows, durfte die Silvestersendung im DDR-Fernsehen moderieren und wurde Fernsehliebling des Jahres. Lippert kam gut an bei den Leuten, die Unterhaltung dieser Art mochten, und das waren viele. Er war witzig, ein wenig aufmüpfig, nicht übermäßig geistreich, kein bisschen arrogant. Lippi war ein Kumpeltyp, pflegeleicht, ohne Allüren. Einfach nett. Als die Wende kam, vertrat er im Fernsehen Wim Thoelke und moderierte "Drei nach neun". Dann gab ihm das ZDF die Chance seines Lebens. Thomas Gottschalk hatte keine Lust mehr auf "Wetten, dass .?", weil das Privatfernsehen mit neuen Shows und viel Geld warb - Lippi übernahm. Das war 1992.Mancher rieb sich damals die Augen. Das ZDF war nicht der MDR, "Wetten, dass .?" nicht der Wunschbriefkasten. Die Medien machten Lippert zum "ersten gesamtdeutschen Unterhaltungsstar" und wir waren gespannt, wie er sich im großen Showbusiness machen würde.Clevere JungsEs muss der Moment gewesen sein, in dem das Schicksal seinen Lauf zu nehmen begann. Es gibt ein Promotionfoto des ZDF, das Lippert gemeinsam mit Frank Elstner und Thomas Gottschalk zeigt. Drei Entertainer auf einer Ebene, aber mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen. Elstner und Gottschalk erprobt und gestählt im westdeutschen Unterhaltungsgeschäft, clevere Jungs im Umgang mit Ruhm und allem, was daraus folgt; Lippi wirkte neben den beiden wie ein unbedarfter Schuljunge, der einmal den Lehrer vertreten darf. Er wusste nicht, was da mit ihm geschieht. Nimmt man die Quoten, machte Lippert die Sendung nicht schlechter als seine Vorgänger. Aber er machte keine gute Figur. Kumpelhaft tätschelte er Phil Collins die Schulter und sagte: "You can say you to me." Das sollte witzig sein. Nur war Phil Collins nicht sein Kumpel. Phil Collins war nicht Dieter Birr, er kam nicht aus dem Osten, er hatte Lippi nie zuvor gesehen. Lippert merkte nicht, was er anstellte, er tapste von einer Falle in die nächste. Die Journalisten schrieben von einer Katastrophe auf dem deutschen Showparkett, warfen Lippert "aufgesetzte Witzigkeit" vor. Gottschalk zog es nach einer erfolglosen Zeit bei den Privaten zurück zum ZDF. Er zog seine Fäden und Lippert musste nach einem Jahr "Wetten, dass .?" gehen. Der zeigte nett Verständnis dafür, bekam dafür andere Shows und verdiente weiter eine Menge Geld. Das war 1994. Lippi fühlte sich weiter als Goldjunge. Er hatte einen Mercedes und ein schönes Boot, wohnte direkt am Müggelsee und galt als Liebling der Frauen. Noch hatte er nichts wirklich falsch gemacht. 1994 kaufte Lippert von einem Makler für 2,4 Millionen Mark ein Haus mit fünf Wohnungen im Berliner Stadtteil Mahlsdorf. Es war die Zeit, als das Abschreibungsgeschäft boomte und Immobilienkäufe waren der angesagte Weg, Steuern zu sparen. Freunde wie Dagmar Berghoff hätten ihm den Mann empfohlen, erzählt Lippert. Das Geld lieh er sich bei der Commerzbank Münster. Doch es war auch die Zeit, da Immobilienmakler durchs Land zogen und die Steuersparer, am liebsten Prominente mit viel Geld, über den Tisch zogen. Der nette Lippi fiel auf einen Betrüger herein; die Wohnungen sind nicht mehr als 850 000 Mark wert. Seither zahlt Lippert, wie er sagt, monatlich 7 000 Euro mehr, als er einnimmt.Keine KrediteIm selben Jahr kaufte er von der Treuhand für 800 000 Mark das Traditionskino "Union" in Köpenick. In einem Vertrag verpflichtete er sich, weitere 1,5 Millionen in das alte Gebäude zu investieren. Lippert wollte mehrere Spielstätten einbauen lassen, eine Kneipe und einen Jazz-Club. Aber die Banken gaben ihm keine Kredite. Anscheinend hatte er sie vor dem Kauf auch nicht danach gefragt. "Ich bin wie ein Ochse am Nasenring von einer Institution zur nächsten gelaufen", erzählte Lippert der "Bild"-Zeitung. "Auch der Senat hat mich verschaukelt, weil er keine andere Verwendung zuließ." 1998 wurde der Spielbetrieb eingestellt, Lippert verkaufte das Kino wieder. Die Treuhand verklagte ihn, weil er nicht, wie vertraglich vereinbart, in das Kino investiert hatte. Bis zum 15. August sollte er laut Urteil des Berliner Kammergerichts gut 215 000 Euro zahlen. Aber Lippert verdiente schon lange nicht mehr das große Geld - eine Million DM zu seinen besten Zeiten. Shows wie "Goldmillion" oder "Glück muss man haben" waren längst eingestellt. Lippi hatten das Glück und die Millionen verlassen.Vor ein paar Tagen meldete er Konkurs an, private Insolvenz, ein Verfahren, das es seit einigen Jahren gibt und das Privatleuten die Möglichkeit geben soll, sich innerhalb eines Zeitraums von sechs Jahren von ihren Schulden zu befreien. Lippert bleiben von dem, was er verdient, monatlich 930 Euro. Der Rest geht, wie auch seine Immobilie, in die Schuldentilgung. Erst in sechs Jahren ist er, auch wenn nicht alle Rechnungen beglichen sind, schuldenfrei."Ich bin unverschuldet in diese Lage geraten", hat Lippi der "Bild"-Zeitung gesagt. Als käme es darauf noch an.Foto: BERLINER ZEITUNG/GEORGE KALOZOIS Der Millionär ist pleite. Wolfgang Lippert bleiben 930 Euro im Monat zum Leben.