Der Ex-Polizist Sam Meffire wurde 1992 auf Werbeplakaten und durch Talkshow-Auftritte bundesweit bekannt. Jetzt soll der Mann für neun Jahre und neun Monate hinter Gitter. Doch wenn es nach dem 26jährigen geht, ist das noch nicht das Ende seiner Medienkarriere. Meffire will nämlich Journalist werden. Eine Dresdner Zeitung hat dies aus seinem Umfeld erfahren. Mediengerecht präsentierte sich der junge Schwarze auch vor dem Landgericht. Mit schwarzer Baseballkappe, verspiegelter Sonnenbrille und flüssig formulierten Aussagen voller Soziologendeutsch. Etwa wenn es um die "Entwicklung" seiner "Beziehung" zu dem früheren sächsischen CDU-Innenminister Heinz Eggert ging, der mit dem Vorzeigepolizisten Meffire im Fernsehen geworben hatte. Oder wenn er über unausgegorene "Streetwork-Projekte" für Kriminalitätsvorbeugung sprach, die sich in seinem Arbeitsalltag nicht verwirklichen ließen. Angeblich quittierte er deshalb den Polizeidienst und gründete die private Sicherheitsfirma "Omega". Für die suchte er, da als Geschäft nur Türsteherei und Schuldeneintreiben übrigblieben, schließlich "Sponsoren" in der Rotlichtszene. Verurteilt wurde Meffire vom Dresdner Landgericht wegen Raubes, Körperverletzung und Nötigung. Er hatte 1995 zusammen mit sieben Komplizen vier brutale Raubüberfälle begangen. Seine Kumpane - Ex-Kollegen, Freunde, Sportskameraden sowie der Zuhälter Felix Fischer - erhielten Strafen von zwei bis zu 14 Jahren Gefängnis. Die Opfer der Taten waren gefesselt, geknebelt und geschlagen worden. Am Boden liegend wurden sie getreten und mit Schußwaffen bedroht. Mit den Raubzügen sollte endlich die "Anschubfinanzierung" für "Omega" zusammenkommen. Meffire und die Männer seiner Sicherheitsagentur, fast alle arbeitslos und "Wendeverlierer" wie aus dem Bilderbuch, überfielen ein Rentnerehepaar, ein Bordell, einen Nachtklub sowie eine Postfiliale. Gesamtbeute: nicht mal 60 000 Mark. Diese Taten hatte Meffire, zurück von einer vergeblichen Flucht nach Zaire, auch bereitwillig gestanden und seine Kumpane schwer belastet. Deshalb stand er seitdem unter strengem Polizeischutz. Racheakte aus der Rotlichtszene wurden befürchtet. Wieso gab der Kriminalpolizist Sam Meffire im Herbst 1994 seinen Job auf, wechselte die Seite und wurde selbst zum Kriminellen? Er hatte sich die Arbeit bei der Polizei wohl actiongeladener vorgestellt. Autodiebstähle aufzuklären, war dem Freund des Innenministers, der überlebensgroß für die "Sächsische Zeitung" warb, zu langweilig. Nach Streitigkeiten mit Kollegen schmiß "Eggerts Liebling" hin. So hatte es der gelernte Maurer und frühere Kanu-Leistungssportler schon öfter in seinem unsteten Leben gemacht: Immer beharrend auf seinem "eigenen Programm". Der Sohn eines Kameruners und einer Deutschen, dessen Vater schon am Tag seiner Geburt starb und dessen Bruder seit 13 Jahren als vermißt gilt, schlug sich seit dem Ende seiner Lehre 1989 mit Nebenjobs durch. Er arbeitete als Nachtwächter und Betreuer von Behinderten und rechten Jugendlichen. Meist kreisten Meffires Gedanken jedoch um den Einstieg bei der Armee, einer Anti-Terror-Truppe oder einem polizeilichen Sondereinsatzkommando. "Ich habe ein Gefühl der Stärke gesucht, das noch stärker war als meine Angst", hat er mal einem Reporter erzählt. Da war er noch in der Ausbildung zum Polizisten. Der Schnell-Lehrgang der Kripo begann 1992.In Kontakt mit dem schwarzen Zuhälter Felix Fischer kam Meffire laut eigenen Angaben bei einer Routinekontrolle im Polizeidienst. Später muß sich ein engeres Verhältnis entwickelt haben. Fischer stattete den Jüngeren mit einem Funktelefon und einem Auto aus. Laut Aussagen von Fischer plante Meffire sogar noch vor dem Ende seines Polizeidienstes, zusammen mit dem Zuhälter ein Bordell in Dresden zu eröffnen. Möglicherweise sah Meffire in Felix Fischer eine Art "schwarzen Bruder", wie Ex-Innenminister Heinz Eggert gegenüber der Boulevardpresse andeutete. Eggert sagte als Zeuge vor Gericht aus, daß Meffire seines Wissens nicht als V-Mann in der Rotlichtszene eingesetzt worden sei. Ein Beamter des Landeskriminalamtes bestätigte dies. Eggert sagte auch, daß er Meffire enttäuscht die Freundschaft gekündigt habe, als dessen Kontakte zum "Milieu" bekannt wurden.In seiner Urteilsbegründung meinte der Vorsitzende Richter Rainer Lips, daß es Meffire an Geduld gemangelt habe, seine Vorstellungen legal umzusetzen. Er sei "überstürzt" bei der Polizei ausgeschieden und voller "unerfüllbarer Illusionen" gewesen. Bleibt abzuwarten, wie weit Sam Meffire mit seinem neuesten Berufswunsch kommt. +++