Es soll Menschen geben, die eine Sprache ohne Schnörkel sprechen, nur um sicherzustellen, daß sie von anderen auch verstanden werden. Wir halten das für ein Vorurteil. Denn erstens gibt es in unserer kaputten Welt nichts mehr, was noch zu begreifen ist, und zweitens widerspricht es der Natur des Menschen, sprachlichen Pirouetten zu entfliehen.Die Herren und Damen des parlamentarischen Geschäftsordnungs-Ausschusses haben uns das jüngst sehr schön vorgeführt, als sie sich mit dem unbegreiflichen Fall Heym beschäftigten. Wir erinnern uns: Regierungssprecher Vogel hatte den Abdruck der Alterspräsidenten-Ansprache im offiziellen Bulletin traditionswidrig abgelehnt; ein Fähnlein notorisch-liberaler Demokraten sah daraufhin das Parlament brüskiert; christlich gesinnte Kollegen konnten das nicht bestreiten, hatten nur angesichts des rotbesockten Redners schwere Bauchschmerzen. Weil es obendrein nicht schicklich ist, einfach loszulatschen und die Regierung geradewegs zum Druck aufzufordern, einigten sich die Ausschüssler auf eine hübsche Formulierung: "Der Ausschuß hat beraten und beschlossen, dem Ältestenrat zu empfehlen, in seiner Beschlußempfehlung der Bundesregierung zu empfehlen, ihre Position zu überdenken Ausschußvorsitzender Wiefelspütz von der SPD machte daraufhin unser Vorurteil zunichte und übersetzte den Beschluß in klares Deutsch: Der Ausschuß will den Abdruck, der Ältestenrat wird dem folgen.Der Bauch des Ausschußkollegen Schmidt von der CDU begann deshalb durchzudrehen und nötigte seinen Ernährer, in aller Öffentlichkeit der menschlichen Natur zu folgen: Der Ausschuß habe lediglich beschlossen, zu raten, zu empfehlen, zu überdenken Siehe oben.Wenn die Rede gedruckt ist, dann wissen wir: Christdemokrat Schmidt hatte damit nichts zu tun. Genau das wollte er uns eigentlich auch sagen. +++