GUATEMALA-CITY. Tue Schlechtes und rede darüber! So lässt sich ein bemerkenswertes Interview der Züricher Sonntagszeitung mit dem neuen Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke beschreiben. Sonntagszeitungs-Reporter Jean François Tanda zählt zu den wenigen Journalisten, die versuchen, die obskuren Praktiken im Reich des Fußball-Weltverbandes zu beleuchten. Dazu gehört das jüngste Finanzdesaster der Fifa: Die Trennung vom Sponsor Mastercard kostet die Fifa rund 100 Millionen Dollar. Dies ist eine der höchsten selbstverschuldeten Schadenssummen in der Geschichte des Weltsports. Der Hauptverantwortliche dafür war Jérôme Valcke, seinerzeit Fifa-Marketingchef - nun Fifa-Generalsekretär.Mastercard war als Sponsor mit einem Vorkaufsrecht für den Zeitraum von 2007 bis 2014 ausgestattet. Die Fifa aber wollte aus dubiosen Gründen lieber mit dem Konkurrenten Visa ins Geschäft kommen, der ein paar Millionen Dollar mehr zu zahlen bereit war. Also wurde Mastercard auf rechtswidrige Weise ausgebootet. Perfekt dokumentiert sind die geschäftlichen Usancen der Fifa in einem Urteil eines New Yorker Gerichts. Mit dem Ethik-Code der Fifa lassen sich diese Praktiken nicht vereinbaren. So hat Valcke während der Verhandlungen wiederholt gelogen und stellte das vor Gericht gar als normale Verhaltensweise dar. Am Ende schlossen die Fifa und Mastercard einen Vergleich, der den Weltverband 100 Millionen kostet. Valcke dementiert diese Hochrechnung nicht. "Für Vertragsverhandlungen gelten andere Regeln als für ein Fußballspiel", behauptet er. Er sei "nicht alleine verantwortlich für das Sponsoring-Debakel" gewesen.Verkennung der TatsachenJawohl, Valcke spricht von einem Debakel, und er nennt die Mitverantwortlichen: "Der Verwaltungsrat der Fifa Marketing AG und das Fifa-Exekutivkomitee wurden, wenn auch nicht in allen Einzelheiten, zumindest über die großen Linien der Verhandlungen informiert." Im Exekutivkomitee hat aber auch niemand Konsequenzen aus dem Desaster gezogen. Joseph Blatter, der Fifa-Präsident, erklärte vorige Woche in Verkennung der Tatsachen, es passiere "in jeder Firma der Welt, dass manchmal ein Geschäft nicht so läuft". Den Verlust in der Affäre bezifferte Blatter auf nur 60 Millionen Dollar und wertete das sogar als Erfolg, weil Mastercard, hintergangen von Valcke & Co., ursprünglich eine Kompensationszahlung von 270 Millionen verlangt hatte.Die Vorgänge beweisen erneut, dass es in Blatters Reich keine Kontrollinstanzen gibt. Es wird gelogen, bis sich die Balken biegen. "Manchmal geht es nicht ohne eine Notlüge", behauptet Valcke und greint: Er sei "nur angefeindet" worden, seine Familie habe sehr darunter gelitten. Unter "Anfeindung" versteht er die seriöse Berichterstattung über den Mastercard-Krimi. "Ich kann Ihnen sagen: Erst seit einem Monat schlafe ich wieder durch. Zuvor bin ich jede Nacht aufgewacht und habe mir unzählige Fragen gestellt."So hart wird die Selbstbefragung nicht gewesen sein. Zumal er auf nahe liegende Fragen keine Antworten hat: Wie glaubwürdig ist ein Fifa-Generalsekretär, der in wichtigen Geschäften wiederholt gelogen hat? "Die Fifa hat nicht nur dunkle Seiten", behauptet Valcke. "Ob ich der richtige Mann bin, weiß ich nicht. Das wird sich noch zeigen."------------------------------Foto: Fifa-General Jérôme Valcke schläft jetzt wieder durch. Glückwunsch!