BERLIN. Bei aller Unerfahrenheit in seinem neuen Amt: Philipp Rösler ist kein Mann unbedachter Worte. Wenn er seine Zukunft als Gesundheitsminister an die Einführung einer Kopfpauschale knüpft, wie er es am Montagabend in der ARD-Sendung "Beckmann" zweifelsohne getan hat, dann dürfte er das ernst gemeint haben. Aus Sicht des überzeugten FDP-Politikers ist diese Äußerung auch plausibel und konsequent. Die Anhänger der Liberalen halten eine Strukturreform der Krankenversicherung für unerlässlich. Kann Rösler sie nicht durchsetzen, ist er nach Meinung der FDP-Wähler und damit in seinen eigenen Augen gescheitert.Politisch ungeschickt war Rösler dennoch, vor allem weil er in der Talkshow das Wörtchen "keiner" verwendete. "Wenn es nicht gelingt, ein vernünftiges Gesundheitsversicherungssystem auf den Weg zu bringen, dann will mich keiner mehr als Gesundheitsminister haben", sagte der Minister. Indirekt unterstellt er damit, dass nicht nur die FDP-Anhänger, sondern alle Deutschen denken wie er. Umfragen zeigen aber eher das Gegenteil. Die Bevölkerung lehnt die Kopfpausche zur Finanzierung der Krankenversicherung ab. Vielleicht würden also sogar mehr Menschen Rösler gerne als Gesundheitsminister haben, wenn er sich von seinem radikalen Reformziel verabschieden und damit zeigen würde, dass er als Mitglied der Bundesregierung etwas anderes ist als ein reiner Vertreter von FDP-Interessen.Der Beifall der CSU jedenfalls wäre Rösler sicher. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und sein Gesundheitsminister Markus Söder lehnten die einheitliche Prämie gestern erneut strikt ab. Dieses Vorhaben sei weder gerecht noch finanzierbar, sagte Seehofer in München. Die Kopfpauschale bringe keine Einsparungen, sondern für den Staat Mehrausgaben. Würden die Pläne umgesetzt, müsste für bis zu 40 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten ein Ausgleich gezahlt werden, da ansonsten eine soziale Schieflage entstünde, fügte Söder hinzu. Dieser Ausgleich würde den Staat 15 bis 40 Milliarden Euro kosten, je nachdem wie hoch die Pauschale ausfalle. "Wer soll das Geld bei der steuerlichen Situation aufbringen", fragte Söder.Rösler hingegen pocht auf den Koalitionsvertrag von Union und FDP. "Dort steht ja unser Modell vereinbart schon drin, und am Ende gilt die Vertragstreue für alle Partner. Und das wird auch für die CSU gelten", sagte er. Seine indirekte Rücktrittsdrohung ist also durchaus als Kampfansage an die CSU zu verstehen. Nicht auszuschließen ist, dass Rösler sich darin von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstützt fühlt. Bislang hat die CDU-Vorsitzende jede konkrete Festlegung in dieser Sache vermieden.FDP-Generalsekretär Christian Lindner warf der CSU vor, sie habe bisher keine Vorschläge für die Zukunft des Gesundheitswesens gemacht. Sie arbeite sich an einem System ab, für das sie selbst seit Jahren die Verantwortung trage. Die FDP wolle mit der Prämie dafür sorgen, dass Arbeit nicht noch teurer werde. Die FDP verweist stets darauf, dass der Sozialausgleich von den Steuerzahlern und damit von einer breiteren Bevölkerungsschicht bezahlt würde. Allerdings will sie zugleich die Steuern senken und sagt nicht, woher das Geld für den Sozialausgleich kommen soll.SPD: Rösler soll Koffer packenDie SPD zeigte sich sicher, dass Rösler seine Pläne nicht durchsetzen wird. Er könne schon mal die Koffer packen, sagte Fraktionsvize Elke Ferner. Die Gesundheitsprämie sei ein aussichtsloses Unterfangen. "Wer den Betrieb hier ein bisschen kennt, weiß, dass die CSU da nicht mitmachen wird." Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Karl Lauterbach, nannte Rösler naiv. "Wenn er ernsthaft sein politisches Schicksal an die Einführung der Kopfpauschale knüpft, dann kann er auch gleich zurücktreten." Er sei überrascht, dass Rösler dieses "politische Himmelfahrtskommando" mit seinem persönlichen Schicksal verbinde.------------------------------Foto: Minister Philipp Rösler will seine Tasche nehmen, sollten seine Gesundheitsreformpläne scheitern.