Sie sind jetzt hellgrün. Gut 2000 Bände sind in der "Philosophischen Bibliothek" erschienen, immer Gesamttextausgaben, immer klassische Texte der Philosophiegeschichte, immer in dunkelgrüner Aufmachung.Dunkelgrün war die Farbe der Geistesgeschichte. Und dann erschien im letzten Jahr die um 1179 entstandene Schrift "Die entscheidende Abhandlung und die Urteilsfällung über das Verhältnis von Gesetz und Philosophie" von Averroes. Die philosophische Betrachtung der Welt, sagt der spaniasch-arabische Arzt Averroes, ist keine Zutat, sondern Pflicht, auferlegt vom Koran. Es ist dies auch ein Buch, das allen Islamkritikern und Kritikern der Islamkritik empfohlen sei. Das Ganze in leuchtender, hellgrüner Broschur. So ändern sich die Zeiten.Vor genau hundert Jahren hat Dr. Felix Meiner die 1868 gegründete "Philosophische Bibliothek" übernommen; das war die Gründungsstunde des Meiner Verlages, damals in Leipzig. Er ist bis heute, in dritter Generation, in Familienbesitz. Drei Jahre nach der Verlagsgründung: der Erste Weltkrieg. Dann Inflation, Weltwirtschaftskrise, Hitler kommt an die Macht. 1943 verlor der Großvater des heutigen Verlegers Hab und Gut. Aber der Verlag überlebt.Manfred Meiner, Jahrgang 1952, ist seit 1998 alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer dieses Verlages, der ein Jahr vor seiner Geburt nach Hamburg übersiedelte. Als Meiner anfing hatte der Verlag sechs Mitarbeiter, jetzt sind es 12. Insgesamt 3283 Meiner-Titel verzeichnet die Deutsche Nationalbibliothek. Das meistverkaufte Buch: Kants "Kritik der reinen Vernunft". Die aufwendigsten Projekte: die Editionen der Werke von Hegel und die "Enzyklopädie Philosophie".Der Verlag steht mit ca. zwei Millionen Umsatz gut da, dank einer umfangreichen Backlist, den Zeitschriften, den Gesamtausgaben und einem verlegerischen Ethos, das an hochwertig editierte Ausgaben glaubt. Es ist kein Zufall, dass zum Jubiläum ein Essay von Reinhardt Brandt erschienen ist. "Wozu noch Universitäten?" fragt Brandt. Sie sind, sagt er, Orte der Lehre, der Forschung und darin der Erkenntnis, nicht der bloßen Wissensaufstapelung, des Bildungsmanagments, der Wissenschaftsverwaltung. Das ist auch das Credo des Verlags: der Erkenntnis verpflichtete Bücher. Es gibt auch eine E-Book-Sparte, man ist für das digitale Zeitalter gerüstet.Das Jubiläum begeht der Verlag mit einer Schenkung: Die Universität Leipzig erhält Archivalien aus der Zeit zwischen dem Totalverlust Ende 1943 und dem Todesjahr von Felix Meiner 1965. Korrespondenzen, Verträge, Auseinandersetzungen mit der ostdeutschen Zensur nach dem Krieg: 150 Ordner Geistesgeschichte.