Marko Wilke sitzt vor einem ausgerollten Riesenposter des entstehenden Flughafens Berlin Brandenburg International. Es geht ihm allerdings nicht um Flugrouten. Wilke muss sich auch nicht um wartende Passagiere kümmern oder erklären, warum es an Enteisungsmittel für Flugzeuge fehlt. Wilke verwaltet die Zukunft. Der Flughafen, dessen Eröffnung für 2012 geplant ist, soll der Region 40000 neue Arbeitsplätze bringen. Der 42-Jährige leitet seit 2003 den Arbeitgeberservices der Arbeitsagentur vor Ort. Er und sein Team sitzen in einem Gebäude nahe der Terminals in Schönefeld und sammeln bei den Unternehmen, die sich am Flughafen BBI ansiedeln, Jobs ein. Die Vermittlung der Stellen übernehmen seine Kollegen in den lokalen Filialen in ganz Deutschland.Ist es üblich, dass die Arbeitsagentur bei Großprojekten Filialen vor Ort eröffnet?Bei Projekten wie dem BBI ist das sinnvoll. Wir wollten da sein, wo die Jobs entstehen. Für die Arbeitgeber ist es wichtig, vor Ort einen Ansprechpartner zu haben. Und das gleich zu Beginn der Planung. Erst ein Jahr vor Eröffnung hier raus zu gehen, hätte wenig Sinn gehabt. Im Umfeld siedeln sich ja Transportunternehmen an, Bauunternehmen, Hotels. Und die betreut man ja nicht erst in dem Moment, in dem der Flughafen eröffnet, sondern schon vorher. Es war also eine strategische Entscheidung, so zeitig hier zu eröffnen.Sieht die Suche nach passenden Kandidaten für eine Stelle hier anders aus, als in einer normalen Jobagentur?Die Fliegerei ist ein sehr spezielles Geschäft. Um auf dem Flughafen arbeiten zu können, brauchen Personen bestimmte Voraussetzungen, die man zum Beispiel als normale Reinigungskraft nicht braucht. Möchte man aber Reinigungskraft auf dem Flughafen sein, muss man durch eine Sicherheitsprüfung. Also eine Vorstrafe geht nicht. Außerdem haben wir es hier mit beiden Seiten zu tun. Denen, die Arbeit anbieten, und denen, die Arbeit suchen.Welche Voraussetzungen müssen die Bewerber denn sonst noch mitbringen?Man braucht auf jeden Fall Englisch. Selbst die Reinigungsfee, die die Toiletten saubermacht, muss Englisch können. Außerdem sollte man flexibel sein. Drei-Schicht-System ist hier Pflicht. Hier wird rund um die Uhr gearbeitet. Man kann nicht kommen und sagen: Ich kann aber nur zwischen 9 und 14 Uhr.Mit welchen Vorstellungen kommen die Leute hier her?Es kommen oft sehr nette Leute, die auf dem Bau bestimmt gut aufgehoben wären. Die aber niemals in den Sicherheitsbereich gelassen werden würden, weil sie schon einmal rechtlich ausgerutscht sind. Oder eine kaufmännische Angestellte, die jahrelang in einem Unternehmen gearbeitet hat, wo sie alles auf Deutsch gemacht hat - geht hier nicht. Sie braucht Englisch, und wenn es geht noch Französisch.Ist für viele Bewerber Stewardess immer noch der Traumjob?Es sind viele junge Leute dabei, ohne Ausbildung, die glauben, Flugbegleiter sein zu können. Das ist kein Ausbildungsberuf, sondern nur eine einjährige Qualifizierung, die die Fluggesellschaften selbst machen. Man braucht aber trotzdem vorher eine Ausbildung, zum Beispiel als Restaurantfachfrau. Man kann nicht einfach als 18-jähriges Mädel von der Schule kommen und sagen: Ich will jetzt Flugbegleiterin werden. Das funktioniert nicht. Solche Irrtümer halten sich sehr hartnäckig. Auch ein Vierer-Abi sollte man nicht mitbringen.Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit den Unternehmen aus? Wer kommt da auf wen zu?Manchmal kontaktieren wir das Unternehmen vorab, wenn wir wissen, dass es kommt. Wenn es dann hier am Flughafen ist, ist bereits klar, wie viele Leute, mit welcher Qualifikation das Unternehmen braucht. Manchmal kommt ein Arbeitgeber auch hierher, irrt herum und landet bei der Jobagentur mit der Frage: Ich mache hier demnächst einen Laden auf, können sie mir helfen? Manchmal bekommen wir auch nur aus der Zeitung mit, dass sich das Unternehmen XY angesiedelt hat. Dann rufen wir dort an, fahren hin und bieten an, es zu unterstützen, bei der Suche nach Arbeitskräften oder der Qualifizierung. Wenn nötig, stellen wir auch Räume für Vorstellungsgespräche zur Verfügung.Sind Unternehmen auch schon mal ungeduldig geworden, weil Sie es nicht geschafft haben, einen brauchbaren Kandidaten zu vermitteln?Die Arbeitgeber haben schon meist Verständnis dafür, dass wir einen passenden Arbeitnehmer nicht backen können. Wir können immer nur die Personen vermitteln, die bei uns als arbeitslos oder arbeitssuchend gemeldet sind. Wenn die nicht passen, versuchen wir das noch durch eine Weiterbildung zu beheben. Häufig brauchen die Firmen aber Leute, die nächste Woche anfangen können. Da ist für Qualifizierungen keine Zeit. Dann können wir ab und zu auch mal nicht helfen. Die meisten kennen aber die Probleme von der Suche über Zeitungen oder eigene Internetseiten. Stichwort: Fachkräftemangel.Wer Jobs anzubieten hat, kann eben auch andere Wege gehen als über Sie. Wie viele Unternehmen nehmen die Suche selbst in die Hand?Die meisten greifen schon sehr gern auf uns zurück. Gerade kleinere Unternehmen, die darauf bedacht sind, rundum betreut zu werden, weil ihnen das Personal fehlt, um aufwendig Bewerbungsunterlagen zu sichten. Unser Vorteil ist, wir können sehr schnell reagieren und wir tun es kostenlos. Außerdem gibt es hochspezifische Stellen, wo man am besten europaweit, mindestens aber bundesweit sucht, vor allem im Ingenieurbereich. Wenn nötig, wird dann auch mal ein Kandidat aus Frankfurt am Main angerufen.Wie lange wollen Sie noch am Standort BBI bleiben?Wir werden mit Sicherheit da sein, bis der Flughafen eröffnet. Und ich gehe davon aus, auch darüber hinaus. Wir haben jetzt so viele Jahre hier Flagge gezeigt und Kontakte geknüpft, da wäre es sträflich, all das Know-how wegzuwerfen. Auch wenn hier alles fertig ist, wird es durch die Ballung von Arbeitgebern weiterhin Fluktuationen geben. Da kann es nur hilfreich sein, wenn die Wege zur Jobagentur so kurz bleiben.Das Gespräch führte Marten Hahn.------------------------------Foto: Marko Wilke in seinem Büro in Berlin-Schönefeld: Der 42-Jährige leitet seit 2003 den Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur. Er ermittelt, welche Jobs am neuen Flughafen entstehen und leitet den Bedarf an die Arbeitsvermittlungen weiter.