In Österreich hat man ihn nicht gerade gemocht: "Job weg! Wohnung futsch! Jetzt muß Piefke-Peter zurück nach Deutschland", titelte ein Wiener Stadtmagazin vor zweieinhalb Jahren, als den ehemaligen "Bild"-Chefredakteur Peter Bartels bei der Billig-Zeitung "täglich Alles" die Kündigung ereilte. "Ich kann angesichts der Entwicklung der letzten Wochen und Monate diese Art der Blattführung nicht mehr hinnehmen", ließ ihn der Verleger Kurt Falk wissen.Die Art der Blattführung war in der Tat einzigartig. Um hautnah am Geschehen zu sein, bezog Bartels im Redaktionsgebäude eine Dienstwohnung dort, wo einst der Schreibtisch des Sportredakteurs stand, wurde die Naßzelle installiert. "Chefredakteur kackt mitten ins Büro", freute sich daraufhin sogar der "Stern". Auch sonst war die Einrichtung gediegen: Auf dem Schreibtisch wehte die österreichische Fahne, von der Wand grüßte ein Antilopen-Geweih und seine Sessel ließ der leidenschaftliche Großwildjäger mit Leopardenfell beziehen. Geschossen wurde auch im Alltag, meist aus der Hüfte: "Mamma Mia! Die Zebras legen fünf Sch...haufen ins Rapid-Tor" schlagzeilte Bartels, oder: "Können Tiere doch denken? Blutender Hund suchte sich selbst einen Tierarzt." Geschichten, die zwar kaum dazu angetan waren, gegen die übermächtige "Kronenzeitung" anzustinken, aber in den Wiener Kaffeehäusern für anhaltende Heiterkeit sorgten. Ein richtiges Problem bekam Bartels erst, als er sich an den österreichischen Heiligtümern verging. Zum Beispiel am ORF, dessen Belegschaft des Kokainmißbrauchs bezichtigt wurde, oder am Bundespräsidenten Thomas Klestil, der 1996 an einer schweren Lungeninfektion erkrankt war. Was Bartels nicht vom Schlagzeilen abhielt: "Furchtbarer Verdacht: AIDS kommt er nie wieder zurück." Wenig später räumte Bartels seine Sachen. Nach der Kündigung traf Bartels seinen Verleger und den Bundespräsidenten vor Gericht wieder. Letzterer hing als Bild an der Wand, der andere erhob schwere Vorwürfe, um die Abfindung von zwei Millionen Mark zu sparen. So soll Bartels Mitarbeiterinnen belästigt haben, was der vehement bestritt: "So einen Vorwurf kriegst Du nicht weg, das ist wie die Krätze."Andererseits hat ein Ruf als Rüpel noch keinem Boulevard-Journalisten geschadet. Und dann kannte Bartels ja auch noch den anderen Rambo im Geschäft: Hans-Hermann Tiedje, mit dem er einst bei "Bild" war und den er bei "täglich Alles" beerbt hatte. Tiedje also holte ihn im vergangenen Sommer ins Wahlkampf-Team von Helmut Kohl, für den Bartels fortan Sprüche klopfte, so in der Preisklasse: "Mein Gott Schröder."Der gefiel Kohl nicht so gut, aber wohl seinem damaligen Medienberater Andreas Fritzenkötter, seit Jahresbeginn Unternehmens-Sprecher des Hamburger Bauer-Verlages ("Playboy", "Bravo"). Als der nun nach einem neuen Chefredakteur für die gute alte "Neue Revue" suchte, verfiel man auf Bartels. Schließlich war der früher schon mal mit von der Partie man ahnt es als Chefredakteur des legendären aber kurzlebigen Ost-Krawallblattes "Super!".Damit der "Neuen Revue" nicht dasselbe Schicksal widerfährt, entließ der Verlag den Chefredakteur Robert Pölzer, der vergeblich versucht hatte, das Schmuddel-Image abzustreifen und mit moderner Aufmachung Leser zurückzugewinnen. Im letzten Quartal fiel die Auflage des einstigen Millionen-Sexblatts ("Rudi Rammlers Rüttelreime") auf 378 992, so wenig wie nie zuvor."Das Blatt hat den Vorteil, das es so breitgefächert ist wie die Bild ", freut sich Bartels auf seinen neuen Job, den er bereits in wenigen Wochen antritt. Will er das Ende der Illustrierten noch aufhalten, wird er täglich Alles geben müssen.