Am kommenden Sonntag feiert Heinz Seiler, bekanntester Trainer der einst erfolgreichen Männer-Nationalmannschaft in der DDR, seinen 75. Geburtstag.Bei den Punktspielen des Berliner Frauen-Zweitligisten SV BVB ist der Jubilar immer noch ständiger Gast in der Lichtenberger Halle am Anton-Saefkow-Platz. Nach den Spielen trifft man Heinz Seiler im Vereinskasino von Pit Kretzschmar, seinem einstigen Pendant als Trainer der Frauen-Nationalmannschaft, mit Fans, Sportfunktionären und Trainern im lebhaften Gespräch. BVB-Coach Rüdiger Bones hat schon so manch guten Tip des Handball-Experten erhalten.Der gebürtige Thüringer schrieb wie kaum ein anderer auch zu DDR-Zeiten gesamtdeutsche Sportgeschichte. Mit seinem bundesdeutschen Kollegen, Werner Vick, ebenfalls Jahrgang 1920, kam er mit gesamtdeutschen Vertretungen bei den Weltmeisterschaften 1958 in der DDR und 1961 in der Bundesrepublik zu einem dritten und vierten Rang. Auf dem Großfeld holte die von ihnen betreute Auswahl 1959 in Österreich die Goldmedaille.Heinz Seiler war ein eigenwilliger Trainer-Typ, ließ sich auch von den Oberen der DDR-Sportführung nicht in die Suppe spucken. Nach den Pleiten von 1964 und 1967, als seine Mannschaft bei den Weltmeisterschaften nach den Vorrunden ausschied, war er "zum Abschuß" freigegeben. Der Welttitelkampf 1970 in Frankreich sollte sein letzter als Trainer werden. Doch da spielten die Aktiven für ihren Coach. Nach einem dramatischen Sieg über die Bundesrepublik drangen sie bis ins Finale vor und unterlagen hier erst dem späteren Rekord-Weltmeister Rumänien nach zweimaliger Verlängerung. Heinz Seiler war wieder obenauf. Vizeweltmeister wurde seine Mannschaft dann noch einmal vier Jahre später im eigenen Land.Seilers großer Wunsch, sich mit seiner Auswahl mit einer guten Plazierung von den Olympischen Sommerspielen 1976 in Kanada als Trainer zu verabschieden, ging aber nicht mehr in Erfüllung. Beim zweiten Ausscheidungsspiel 1975 in Karl-Marx-Stadt mit der Bundesrepublik fehlte am Ende ein Tor.Heinz Seiler übergab das Auswahl-Traineramt dem Leipziger Paul Tiedemann, der als sein einstiger Musterschüler selbst 100 Länderspiele bestritten hatte. Insgesamt übte Seiler von 1953 bis 1985 über 30 Jahre lang eine Trainertätigkeit in verschiedenen Funktionen aus. In der internationalen Handball-Föderation wirkte er in den 80er Jahren in verschiedenen Kommissionen, ist heute ein geschätztes Ehrenmitglied. +++