Der Verrat ist international, mag auch der Verräter selbst als Nationalist firmieren. Schon deshalb leuchtete noch nie recht ein, warum Führungskader der rechtsextremen NPD die sogenannte nationale Sache nur an die Herren vom Verfassungsschutz verraten haben sollen. Am Dienstag hat die englische Zeitung "Guardian" - unter Berufung auf einen vor Monaten gedruckten Bericht im Kölner Stadtanzeiger - mitgeteilt, Adolf von Thadden, Gründer und von 1967 bis 1971 Vorsitzender der NPD, habe über Jahrzehnte mit dem britischen Auslandsgeheimdienst MI 6 engstens kooperiert. Die Zusammenarbeit soll so intensiv gewesen sein, dass die Briten keinen Wert auf weitere Informanten aus der Kloake legten. Ein ehemaliger MI 6-Mann wird mit den Worten zitiert: "Warum sollten wir? Wir hatten doch den Führer."Tatsächlich wurde von Thadden, Spross eines alten angesehenen Adelsgeschlechts aus Trieglaff in Hinterpommern, nicht nur in der Bundesrepublik und im westlichen Ausland eine Zeit lang als neuer "Führer" der alten braunen Horden betrachtet. Auch Moskau sah sich 1969 veranlasst, in zwei Noten an die Bundesregierung vor einem drohenden Einzug der NPD in den Bundestag zu warnen. Damals hatte die Partei unter von Thadden bereits die Fünf-Prozent-Hürde bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bremen übersprungen. Doch scheiterte sie äußerst knapp bei der Bundestagswahl 1969. Von Thadden, der sich selbst nie als Nationalsozialist, eher als unbeugsamer Nationalist begriff, trat 1971 vom Bundesvorsitz zurück und verließ vier Jahre später enttäuscht die Partei.So recht hatten seine Kaderkollegen ihm ohnehin nie getraut - stets war seine politische Laufbahn von dem Vorwurf begleitet, von Thadden stehe im Sold "feindlicher Kräfte". Die Verdächtigungen reichten vom Vorwurf der Spitzelei für osteuropäische Geheimdienste bis zum Verdacht, er sympathisiere mit der FDP. Besonders hässlich war ein Nachruf zum Tode von Thaddens 1996. Der Autor diffamierte den verblichenen Nationalisten, er habe sich seinen Parteiaustritt mit der Zusage einer Pension von der niedersächsischen Landesregierung bezahlen lassen. Der Schreiber war Wolfgang Frenz, einst Mitbegründer der NPD, ehemaliger Bundesvorstand und - jahrzehntelanger Informant des Verfassungsschutzes.