ATHEN, 13. April. Mitunter haben es Randmeldungen in sich. So auch in Griechenland. "Erst fünf Tage vor der Europameisterschaft 2004 hat uns die Uefa grünes Licht für die Teilnahme unseres Kapitäns Theodoros Zagorakis gegeben", enthüllte unlängst der Präsident des griechischen Fußballbundes (Epo), Vassilis Gagatsis (49), vor dem Ausschuss für Dopingfragen im Athener Parlament. Zagorakis (33), der später zum Spieler der Europameisterschaft avancierte, seien bei einer Doping-Kontrolle aller EM-Akteure vor dem Turnier in Portugal unzulässig hohe Testosteron-Werte nachgewiesen worden. "Wir saßen wie auf glühenden Kohlen", verblüffte Gagatsis die Parlamentarier. Dem 1,78 Meter großen Mittelfeldakteur, seit Juli 2004 in Diensten beim FC Bologna, macht das männliche Keimdrüsenhormon seit geraumer Zeit zu schaffen.Am 12. März 2001, als der mittlerweile 103-malige Nationalspieler (ein Tor) noch bei AEK Athen kickte, musste er sich bei der Partie gegen den Ligarivalen Kalamata einem Dopingtest unterziehen. A- und B-Probe fielen mit einem Testosteron-Wert von 6,9 (Grenzwert: 6) positiv aus. Dennoch entkam Zagorakis der gemäß Fifa-Regeln fälligen Zwei-Jahres-Sperre - dank der griechischen Sportgerichtsbarkeit.Sportrichter Dimitris Orfanidis begründete seinen Freispruch am 27. April 2001 damit, dass Zagorakis' Körper vermehrt Testosteron produziere; eine Testosteron-Zufuhr zur Leistungssteigerung liege nicht vor. Orfanidis machte sich die Position von AEK-Anwalt Charis Grigoriou zu eigen, die sich vor allem auf Aussagen des Kardiologen und AEK-Beraters Evangelos Aslanidis stützte. Aslanidis sagte vor Gericht: "Als Zagorakis bei AEK seinen Vertrag unterschrieb, offenbarte er mir zwei Probleme: Erstens eine erneut auftretende zystische Akne. Zudem seine Befürchtung, sein intensiver Sexualverkehr könnte seine Fußballer-Karriere beeinträchtigen."Symptome als UrsachenIm Orfanidis-Urteil heißt es dazu: "Zagorakis leidet unter Akne. Das ist ein Hinweis auf eine erhöhte Testosteron-Produktion seines Körpers." Die Symptome sah das Gericht schlicht als Ursachen an. Im Fall Zagorakis sagten nur Ärzte aus. Von Untersuchungen der Drüsenfunktionen beim kickenden Eros - im Falle erhöhter Testosteron-Werten ist dies laut Fifa Vorschrift - sah Sportrichter Orfanidis ab. Die öffentliche Äußerung von Zagorakis nach Bekanntwerden der A-Probe, den AEK-Profis würden diverse Substanzen verabreicht, ließ Orfanidis ebenso kalt wie der Umstand, das der spätere EM-Held vor dem Dopingtest einen Hautarzt wegen Pickel auf dem Rücken aufsuchte.Dank an die JustizIn Griechenland ticken die Uhren der Sportjustiz eben ein wenig anders. Vor allem in Fragen der Dopingbekämpfung. So stellte jener Parlamentsausschuss, der auch über Zagorakis Rat hielt, jetzt fest: Das Gros der Finanzhilfen der Europäischen Union in Höhe von 7,36 Millionen Euro zur Dopingbekämpfung in Griechenland für den Zeitraum von 2000 bis 2002 gingen der früheren Regierung einfach verloren und sind schlicht unauffindbar.Da passt es ins Bild, wenn einem die Worte des ehemaligen AEK-Profis Rodrigo Ferusem im Jahre 2001 in Erinnerung kommen. Nur zwei Monate nach dem Fall Zagorakis hatte die hellenische Sportgerichtsbarkeit auch den brasilianischen Verteidiger laufen lassen. Er war beim Ligaspiel gegen Panathinaikos Athen positiv auf Testosteron (8,6) getestet worden. Rodrigo Ferusem sagte damals artig: "Ich danke der griechischen Justiz. Sie glaubt an meine Unschuld."------------------------------Foto: Hyperaktiv im Bett oder schlicht gedopt? Theodoros Zagorakis, 33.