Nun ist es raus. Neben Techno pflegt Dr. Motte, Erfinder der Love Parade, noch eine zweite Liebe: Pflanzen. Um den Fortbestand des von Kürzungen bedrohten Botanischen Gartens zu unterstützen, tritt der Berliner DJ und Plattenproduzent mit einem jährlichen Beitrag von 1 600 Euro die Patenschaft für zwei Gewächse an: Sie heißen "Brennende Liebe" und "Liebesperlenstrauch" - passend zur Love Parade. Die Liebesparade, das größte Technospektakel der Welt jährt sich am kommenden Sonnabend zum 15. Mal."Tach, da bin ich". In türkiser Hose und schrillem Blumenhemd begrüßt Dr. Motte am Dienstagmorgen die Presse zum Antritt seiner Patenschaft. Die Sonne scheint auf den 324 Jahre alten Botanischen Garten in Dahlem. Sprecherin Brigitte Zimmer führt den mit einer Blechgießkanne und zwei Stellschildern ausgerüsteten Vater der deutschen Raver zu seinen neuen Schützlingen.Auf dem Weg erzählt Dr. Motte alias Matthias Roeingh, dass er Pflanzen schon immer mochte. "Ich züchte gerade Kirschtomaten auf meinem Dach und auf der Terrasse. Sie tragen jetzt Blüten", sagt der DJ mit dem grünen Daumen. Er freue sich schon darauf, das Gemüse bald ernten zu können. Mit der Patenschafts-Aktion möchte er alle Berliner aufrufen, dem Botanischen Garten zu helfen. Wenn schon die Politiker nicht in der Lage seien, den artenreichen Garten zu retten, dann müssten die Bewohner der Stadt das eben in die Hand nehmen, findet Dr. Motte. Er selbst ist großer Fan der exotischen Parkanlage mit Pflanzen aus aller Herren Länder. "Hier kann man schneller als Jules Verne um die Welt reisen - nämlich an einem Tag!" sagt er. Auf der Love Parade möchte der Kreuzberger deshalb Unterschriften zum Erhalt des paradiesischen Fleckens sammeln.Zwischen Rohrschwingeln und Disteln entdeckt Dr. Motte dann endlich das erste seiner beiden Patenkinder: ein Strauch voll "Brennender Liebe" - er blüht scharlachrot, pünktlich zur Love Parade erblüht. Liebevoll gießt Dr. Motte seine aus Kaukasien importierten Nelkengewächse und rammt einen Pfahl mit einem Schild, das ihn als Paten kennzeichnet, in die Erde.Den "Leberwurstbaum", der ihm von Sprecherin Brigitte Zimmer ebenfalls angeboten worden war, hatte Dr. Motte genauso wie die "Pimpernuss" und den "Perückenstrauch" abgelehnt. "Den Perückenstrauch überlasse ich lieber jemandem, der keine Haare mehr hat. Obwohl diese Pflanze auch sehr gut zur Love Parade gepasst hätte. " Dr. Motte ist einer von bislang 22 Pflanzenpaten - für weitere Interessenten gibt es noch genug Pflanzen, denn in dem Garten wachsen 23 000 verschiedene Arten. "Kleinere Pflanzen wie Schlüsselblumen oder Medizinkräuter biete ich schon ab 250 Euro im Jahr an", sagt Brigitte Zimmer. Je seltener das Gewächs, desto höher der Beitrag. Auch Bäume kosten mehr. Der sichtlich vergnügte Dr. Motte, der inzwischen bei seiner zweiten Adoptiv-Pflanze, dem Liebesperlenstrauch angelangt ist, überlegt sogar scherzhaft, eine ganze Straße im Botanischen Garten zu kaufen. Aber selbst dann würde die Love Parade nicht hier stattfinden, versichert er.Nachdem er auch seine japanischen Perlen liebevoll begossen und geknuddelt hat, posiert Dr. Motte noch mal für die Fotografen. Dabei hängen ihm Klumpen blass lila farbener Liebesperlen im Haar. Sie stehen dem Pflanzenfan, der heute 43 Jahre alt wird, gut zu Gesicht. Ausgiebig feiern wird er dann am Wochenende: "Das wird die beste Love Parade, die wir je hatten", sagt er. "Die Pflanze Techno wächst weiter!""Schlüsselblumen gibt s schon ab 250 Euro. " B. Zimmer, Botanischer Garten.BERLINER ZEITUNG/MICHAEL BREXENDORFF Matthias Roeingh, besser bekannt als Dr. Motte, in einem Beet rotblühender Pflanzen. Sie heißen sehr treffend "Brennende Liebe" und er ist ihr Pate.