Das Berliner Umland wird in diesem Sommer von ungewöhnlich großen Schwärmen kleiner mückenartiger Insekten heimgesucht. Wie Joachim Oehlke von der Fachhochschule Eberswalde mitteilt, ist bisher unklar, warum es zu einer Massenvermehrung der nur etwa 0,5 bis zwei Millimeter langen so genannten Gnitzen (Culicoides nubeculosus) gekommen ist. Der Insektenforscher vermutet, dass die besonderen Witterungsverhältnisse in diesem Jahr zum massenhaften Auftreten der Zweiflügler geführt haben. Die Stiche der Gnitzen jucken stark, denn die Blut saugenden Weibchen geben beim Stechen ein gerinnungshemmendes Sekret (Histamin) ab. "Dieses löst eine allergische Reaktion aus, die sehr unterschiedlich ausfallen kann", sagt Joachim Oehlke. "Es können kleine Pusteln oder Quaddeln entstehen, aber auch Blasen, die erst nach Tagen abklingen und stark jucken." Besonders betroffen seien Patienten, die Mittel zur Blutverdünnung nehmen (Falithrom oder Macumar). Diese Menschen haben gelegentlich sogar flächenhafte Blutergüsse. Das sehe gefährlich aus, sei aber harmlos. Gnitzen-Larven leben räuberisch, vorzugsweise im Schlamm- und Uferbereich stehender Gewässer. Die Hauptflugzeit der Plagegeister reicht von Mai bis August. Ebenso wie die rund dreimal größeren Stechmücken suchen Gnitzen vorwiegend in den Abendstunden nach Opfern für eine Blutmahlzeit. Um sich vor Stichen zu schützen, "ist es am besten, die Nähe der Brutstätten zu meiden und abends lange Kleidung zu tragen", sagt Oehlke. Denn Mückenrepellents wirken bei Gnitzen nicht. Auch Insektengitter bieten keinen Schutz, da die Tiere problemlos durch die Maschen schlüpfen können. Um die Stiche der Tiere zu behandeln, Infektionen der Einstichstelle zu vermeiden und den Juckreiz zu lindern, eignen sich Essig, Zitrone, Salmiak und ätherische Öle. (abg., tis.)OKAPIA/D. SCHARF/P. ARNOLDGnitzen unter dem Mikroskop: Die Aufnahme zeigt den Kopf des bis zu zwei Millimeter großen Insekts.