Heinz Bauer kennt sich aus im harten Hardcore-Geschäft. An manchen Tagen sitzt der Verleger bis spätabends in seinem Büro im achten Stock in der Hamburger Burchardstraße. Mit geübter Hand tippt er dann die Buchstaben "p-r-a-l-i-n-e.-d-e" in den Computer. Es erscheint die Homepage seiner Zeitschrift "Praline". Grelle Farben leuchten auf: Überall Gelb, Orange und Rot. Auf diesen Farben heben sich die fleischfarbenen Brüste der "Latinas", der "Thaigirls" und der "Sachsengirls" besonders deutlich ab. Mit zufriedener Miene klickt sich Bauer minutenlang von Bild zu Bild, verweilt kurz bei "Fratzi (20), Frauentyp: freche Göre", surft weiter zu "Sandra Foxxx In ihrer Talkshow gibt s echten Sex", er kontrolliert die Texte und freut sich über die Fantasie und Pietät seiner Redaktion. "Schw " schreibt sie zurückhaltend und übersetzt das brav mit "strammer Max". Damit, ist Bauer überzeugt, bewege er sich, streng qualitativ und moralisch betrachtet, im Top-Segment der Schmuddelverleger. Fast auf Höhe des "Playboy", den er auch herausgibt.Im Prinzip jederzeit zu sprechenNein, alles falsch. Natürlich weiß kein Außenstehender, wie Heinz Bauer, der heute 60 Jahre alt wird, seinen Arbeitstag verbringt. Man weiß nur, dass ihn am Verlegen vor allem das Geschäft interessiert und dass er sich um viele Kleinigkeiten persönlich kümmert. Man kennt diese Website seiner Zeitschrift "Praline", deren Bildtexte vom "strammen Max" und "Busensex" berichten, und natürlich davon, dass Pornostar Cindy Carrera sich auskennt im harten Hardcore-Geschäft. Mit solchen Informationen verdient also Bauer sein Geld.Massentitel wie "Praline", "Wochenende" und "Neue Revue" haben sein Image geprägt. Über Bauer selbst weiß man nur, dass er passionierter Hobbyflieger ist. Partys meidet er. Interviews ebenso. Leitende Bauer-Mitarbeiter nennen gleich zu Beginn des Gesprächs "die Geschäftsgrundlage" für Auskünfte: Keine Namen! Nein, Heinz Bauer spreche auch anlässlich seines 60. Geburtstages nicht mit der Presse, ließ davor bereits die Pressestelle ausrichten. Um die Aussichtslosigkeit der Anfrage zu verdeutlichen, fügte die Mitarbeiterin der Pressestelle an, der Verleger äußere sich ja nicht mal in den Geschäftsberichten des eigenen Hauses. Dabei fehlt es nicht an einer Portion Selbstbewusstsein: In einer Imagebroschüre bezeichnet sich das Unternehmen immerhin als "Europas führendes Verlagshaus". Die Verlagsgruppe, die sich in rund 200 Tochterfirmen (5 660 Mitarbeiter) gliedert, publiziere weltweit 84 Zeitschriften, davon 31 in Deutschland. Dank Massenauflagen bei Programm- und Jugendzeitschriften ("TV Movie", "Bravo") liegt die Gesamtauflage bei 19 Millionen. Über Gewinne spricht Bauer nicht. Immerhin behauptete er 1996 in einer Gegendarstellung gegenüber "Capital", "dass unsere Umsatzrendite nicht unter die Zehn-Prozent-Marke geplumpst ist" und die "Vertriebserlöse von 1994 auf 1995 um ca. 75 Millionen Mark gestiegen sind". Bauer ist durch und durch Geschäftsmann. Der gelernte Setzer und Drucker war schon über 40 Jahre alt, als er noch ein Betriebswirtschaftsstudium begann. Der Multimillionär galt schon immer als überaus sparsam, so dass er statt mit der Firmenlimousine regelmäßig mit einem grauen VW Transporter zur Hamburger Universität fuhr. Im Streitgespräch mit seinen Managern greift er gerne mal ins Jackett, so der "Spiegel", "kramt einen Taschenrechner heraus und zählt blitzschnell vor, dass der andere unmöglich Recht haben kann". Sorgen bereitet derzeit vor allem der Auflagenverlust bei "Bravo". Im nächsten Jahr will man die jungen Leser mit einem umfangreichen Online-Angebot zurückholen, heißt es verlagsintern.Keine Öffentlichkeit, das ist der gemeinsame Nenner, auf dem bei Bauer das Millionengeschäft mit der Öffentlichkeit beruht. Fragt man, wieso das so ist, heißt es unter Verweis auf Dieter von Holtzbrinck und Leo Kirch: Bauer sei doch nicht der einzige Medienunternehmer, der die Medien scheue. Vermutet ein Verleger, der in seinen Zeitschriften vor allem im Privatleben von Prominenten wühlen lässt, dass er nur schlecht wegkommen würde bei der Konkurrenz? Nein, sagen seine Mitarbeiter. Bauer sei einfach ein scheuer Mensch, der seine Rolle als Familienoberhaupt eines traditionsreichen Verlages sehe. Dass er "gesellschaftspolitisch eine Größe in diesem Land" sei, attestieren ihm seine Mitarbeiter. Der Verlag, beeilen sie sich im selben Atemzug hinzuzufügen, sei jedoch "unpolitisch" obwohl er sich den langjährigen PR-Mann von Ex-Kanzler Helmut Kohl (CDU), Andreas Fritzenkötter, ins Haus geholt hat und dadurch nun über gute Kontakte in konservative Kreise verfügt.Bauer habe seinen Mitarbeitern "signalisiert, ihn jederzeit sprechen zu können", schreibt die "FAZ", aber niemand traue sich so recht, das "sicher ehrlich gemeinte Angebot" anzunehmen. Das legt nahe, dass nicht nur seine Diskretion, sondern auch seine Unsicherheit zu kommunizieren, ansteckend sind. Das wiederum mag daran liegen, dass er lange Zeit von seinem Vater Alfred Bauer und nach dessen Tod 1984 vom Generalbevollmächtigten Siegfried Moenig gegängelt und überstimmt worden ist. Heute hat Bauer eine so dominante Stellung in seinem Haus wie kaum ein anderer deutscher Verlagschef: Seit dem Tod seines Vaters kontrolliert er eigenen Angaben zufolge 88 Prozent der Anteile an der Heinrich Bauer Verlag KG und führt die Firma als Vorstand und Aufsichtsrat in Personalunion. Bauer hat eine Idee. Bauer holt Leute. Bauer lässt planen. Bauer startet Projekte und stellt sie dann ein. So war es beim Life-Style-Titel "Esquire", bei der Szenezeitschrift "Wiener" und bei der Mädchenzeitschrift "Yoyo". Oder er bringt sie gar nicht erst auf den Markt. So war es bei dem Nachrichtenmagazin "Ergo", mit dem Bauer endlich raus wollte aus der Schmuddelecke der Kioske. Mehr als 100 Leute versenkten in einem einjährigen Probelauf rund 50 Millionen Mark.Bauer wollte damit die Quote als Maßstab für Nachrichtenjournalismus einführen: Gedruckt werden sollten nur solche Nachrichten, die einen fiktiven "Herrn Rasch" (leitender Einkäufer; zu wenig Zeit für seine Frau, ärgert sich über Bonn und darüber, dass die Deutschen zu sensibel seien im Umgang mit ihrer Vergangenheit) interessierten. Namhafte Journalisten kritisierten den zu erwartenden Quoten-Journalismus. Die Werbebranche zögerte. Bauer resignierte. Unter Zynikern gilt seine Entscheidung, das Magazin nicht zu bringen, als eine seiner größten publizistischen Leistungen.HEINRICH BAUER VERLAG In Deutschland die Nummer fünf // Heinz Bauer (60) verlegt im In- und Ausland mehr als 80 Zeitschriftentitel. Der Umsatz erreichte 1998 mit 3,02 Milliarden Mark eine Rekordmarke. Angaben zum Gewinn verweigert Bauer mit dem Hinweis, als Familienunternehmen sei er dazu nicht verpflichtet.Laut eigenen Angaben hält Bauer 88 Prozent am Verlag, der Rest ist auf seine Schwestern und seine vier Kinder verteilt.Ob "Bravo", "Neue Revue" oder "TV Movie", Bauer zielt mit seinen Heften auf Massenauflage. Er ist am TV-Sender RTL 2 beteiligt; bei TM 3 ist er ausgestiegen.Mit Andreas Fritzenkötter (41) hat sich Heinz Bauer den ehemaligen PR-Mann von Helmut Kohl (CDU) als Pressesprecher ins Haus ge-holt. Bauer selbst sehe sich als "unpolitisch", sagen Mitarbeiter.