Der Handelskonzern droht mit Rechtsstreit gegen die BVG / Hamburger Hochbahn wurde bereits verklagt: Metro will keine Metro-Linien

Vertretbarer Namensschutz?Dass es die Metro wirklich ernst meint, hat sie schon einige Male unter Beweis gestellt. So klagt der Konzern, zu dem Saturn, Real und Kaufhof gehören, vor dem Landgericht Hamburg gegen die Hamburger Hochbahn. Dieses Verkehrsunternehmen setzt bereits seit einiger Zeit Metrobusse ein - wie in Berlin vorgesehen als Premiumangebot mit dichten Fahrplänen und einem eigenen Liniennetz. Auch mit den Stadtwerken München, die im Dezember zehn Metrobuslinien eröffnen wollen, ist die Metro im Clinch. Ein anderer Namensrechtsstreit wurde bereits zu Gunsten der Düsseldorfer Aktiengesellschaft entschieden. In Nordrhein-Westfalen darf der vorgesehene Ersatz für die Magnetschnellbahn Metrorapid nicht Metro-Express heißen. Stattdessen wird die neue Regionallinie zwischen Dortmund und Köln nun "Rhein-Ruhr-Express" getauft. Gegen die Gratiszeitung Metro, die außerhalb von Deutschland in 37 Ausgaben verteilt wird, geht der Handelskonzern ebenfalls gerichtlich vor. Ein U-Bahn-Fan, der eine Internetseite namens "Nürnberg-Metro" betrieb, erhielt von der Metro-Rechtsabteilung eine Unterlassungserklärung. Ein ähnliches Schicksal erlitt ein Buchautor, der den Namen ebenfalls verwandte. Die Metro-Anwälte und die BVG-Juristen kennen sich schon: Vor dem Landgericht Hamburg führt das Handelsunternehmen bereits einen Namensrechtsstreit gegen die Berliner. Stein des Anstoßes ist die BVG-Metrocard - ein Tarifangebot, das zur Nutzung des Nahverkehrs und von Car-Sharing-Autos berechtigte, inzwischen aber längst wieder abgeschafft worden ist. Am 26. Januar 2000 meldete die BVG den Namen beim Deutschen Patent- und Markenamt an. Die Metro legte Widerspruch ein und zog schließlich vor Gericht, weil die Behörde ihrer Auffassung nicht folgen wollte.Am 24. August gab es in Hamburg eine mündliche Verhandlung. "Wir sind optimistisch", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Vorstandschef Andreas von Arnim, einst bei Unilever mit Marken wie "Rama" oder "Du darfst" befasst, unterstreicht dies. Der Begriff Metro sei schützenswert, so lange es um den Einzelhandel geht. Doch für den Nahverkehr wäre ein solcher Namensschutz kaum vertretbar. Die BVG-Rechtsabteilung verweist zudem auf das Protokoll der ersten Gerichtsverhandlung. Danach gehen die Richter derzeit offenbar nicht davon aus, dass die BVG die Metro-Namensrechte verletzt hat. Am 16. November will das Landgericht Hamburg seine mit Spannung erwartete Entscheidung verkünden. Denn nach Einschätzung der BVG-Juristen wird sie Präzedenzcharakter haben und der Richterspruch vermutlich andere Entscheidungen beeinflussen - nicht nur das ausstehende Urteil zum Streit mit der Hamburger Hochbahn, sondern auch das weitere Vorgehen des Konzerns bei den BVG-Metrolinien. Vorerst jedoch bleibt der Konzern hart: Sobald der neue Name beim Patent- und Markenamt zur Eintragung vorliegt, will er Widerspruch einlegen.------------------------------Kampf um ein Wort // Métro heißt in Paris die Untergrundbahn. Der Name ist eine Abkürzung für "chemin de fer métropolitain" - wörtlich übersetzt Hauptstadt-Eisenbahn. Auch die U-Bahn in Madrid wird Metro genannt. Doch zum Beispiel in den USA geben sich auch Verkehrsunternehmen, die keine U-Bahnen, sondern vor allem Busse betreiben, diesen Namen - dazu zählen Metro Transit in Minneapolis/ Saint Paul oder die Metro Transit Agency in King's County, zu dem Seattle gehört. 24 Metrolinien will die BVG am 12. Dezember eröffnen. Auch sie haben mit der U-Bahn nichts zu tun: Es handelt sich um 15 Bus- und neun Straßenbahnlinien, die auf Umwege verzichten und an sieben Tagen in der Woche häufig befahren werden - mindestens im Zehn-Minuten-Takt, zur Hauptverkehrzeit meist alle fünf Minuten oder noch öfter. Die Metrolinien sind der wichtigste Teil des Verkehrskonzepts BVG 2005 plus, mit dem das Landesunternehmen seine Fahrgeldeinnahmen um fast zehn Millionen Euro pro Jahr steigern möchte. Die Metro AG ist ein Konzern, zu dem die Handelsketten Metro Cash+Carry Märkte, Real, Extra, Media-Markt, Saturn, Praktiker und Galeria Kaufhof gehören. Die Düsseldorfer Aktiengesellschaft erzielte im ersten Halbjahr 2004 einen Umsatz von 26,2 Milliarden und einen Gewinn von 204,3 Millionen Euro. Metro-Express sollte die Regionalexpresslinie Dortmund-Köln künftig heißen - die Metro hat dies vor Gericht verhindert. Auch gegen den Verlag Metroplanet, der eine gleichnamige Internetseite unterhielt und unter anderem das Berliner U-Bahn-Album veröffentlicht hat, setzte sich das Unternehmen durch. Es stößt sich auch an dem Namen der Gratiszeitung Metro.------------------------------Foto: Da geht's lang zum Richter. Die Metro AG, hier ihr Vorstandschef Hans-Jochen Körber, will ihren Namen schützen.