Der Hauptstadtflughafen BBI wird vermutlich später öffnen - und teurer werden: Turbulenzen in Schönefeld

Der ins Wackeln geratene Eröffnungstermin für den neuen Hauptstadtflughafen BBI setzt Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) unter Druck. Denn die am Wochenende bekannt gewordenen zeitlichen Schwierigkeiten beim Ausbau des Terminals haben Wowereit offenbar völlig überrascht - für den Aufsichtsratsvorsitzenden der Berliner Flughafengesellschaft FBS eine äußerst peinliche Angelegenheit. Senatssprecher Richard Meng sagte, der Brief, in dem es um die Probleme gehe, sei Wowereit nicht bekannt. "Wir wussten nur, dass die Flughafengesellschaft prüft, ob der Bau länger dauert." Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ahnte wohl nichts. "Uns liegt ein solches Schreiben nicht vor", sagte Regierungssprecher Thomas Braune am Sonnabend.Am Wochenende war bekannt geworden, dass die seit Jahren geplante Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg am 30. Oktober 2011 wahrscheinlich nicht zu halten ist. Auslöser der Diskussion ist ein Brief des Planungsbüros WSP/CBP an die Flughafengesellschaft, der am 19. Mai eintraf und in dem der Eröffnungstermin infrage gestellt wird. Das Planungsbüro ist für die Projektsteuerung zuständig. Mit dem Schreiben wollte es möglicherweise Schadensersatzforderungen vorbeugen, nachdem mit dem Ingenieurbüro IGK/IGR einer der drei Generalunternehmer, die die Planungsleistungen erstellen, im Februar Insolvenz anmeldete. Zu diesem Zeitpunkt waren von der IGK/IGR erst 20 Prozent der Planungsleistungen erbracht. Ein Gutachten, das die Flughafengesellschaft in Auftrag gab, bestätigte die Probleme.Nach Informationen der Berliner Zeitung führten das Gutachten und der brisante Brief des Projektkoordinators bereits zum Zerwürfnis in der FBS-Chefetage. Im Gegensatz zum Flughafenchef Rainer Schwarz soll sich der Flughafen-Geschäftsführer Manfred Körtgen dafür ausgesprochen haben, wenigstens den Aufsichtsratsvorsitzenden Wowereit über die Probleme zu informieren. Schwarz und Körtgen würden seitdem nur noch schriftlich miteinander verkehren, heißt es. Flughafensprecher Ralf Kunkel wies dies gestern als "an den Haaren herbeigezogen" zurück. Offiziell war zuletzt bei der Aufsichtsratssitzung im März über Kosten- und Zeitfragen geredet worden. So konnte Wowereit beim Terminal-Richtfest am 7. Mai - ungeachtet der neuen Tatsachen - wohlgelaunt jubeln: "Trotz aller Schwierigkeiten, wir liegen im Kosten- und Zeitplan."Deutliche Kritik am BBI-Management übte Jutta Matuschek, die Verkehrsexpertin der Linksfraktion: "Ich erwarte von der Geschäftsführung, dass die Politik informiert wird, wenn es Signale für eine Verzögerung gibt." Die nächste Aufsichtsratssitzung ist für den 26. Juni geplant. Dabei erhoffe sich der rot-rote Senat Aufklärung über den Stand der Dinge.Nach Angaben von Flughafensprecher Kunkel gibt es neben der Insolvenz des Generalunternehmers auch Verzögerungen durch die Neuplanung des Terminal-Sicherheitsbereichs. Durch die Absicht der EU-Kommission, ab 2013 wieder Getränke und andere Flüssigkeiten im Handgepäck der Passagiere zuzulassen, müsse Platz für größere Prüfgeräte geschaffen werden. "Wir sind im Prüfungsprozess, wie die beiden Themen zu bewerten sind", sagte Kunkel. Lösungsvorschläge sollen "kurzfristig" erarbeitet werden.Die Verschiebung der BBI-Eröffnung wäre für den Flugbetrieb in Berlin keine Katastrophe. Tegel müsste länger als geplant offen gehalten werden. Allerdings dürfte nicht nur in diesem Fall der BBI durch die längere Bauzeit um viele Millionen Euro teurer werden. Teurer wird es wohl auch, wenn der Eröffnungstermin durch einen maximalen Mehraufwand doch noch gehalten werden soll.------------------------------20 Jahre bis zur EröffnungFlughafen: Ein neuer Flughafen für die Hauptstadtregion ist seit Anfang der 90er-Jahre im Gespräch. Ende Mai 1996 entschieden sich die Flughafengesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund überraschend für Schönefeld als Standort.Zeitplan: Der Bau des Flughafens begann offiziell am 5. September 2006. Die Inbetriebnahme ist offiziell noch für den 30. Oktober 2011 vorgesehen. Bereits ab Mai 2011 soll der Probebetrieb mit 9 000 Komparsen beginnen. Am 7. Mai feierte der Flughafen das Richtfest für den Terminal.Kosten: Der Bau des Flughafens ist aktuell mit 2,5 Milliarden Euro veranschlagt. Dazu kommen die Kosten für den Bahn- (636 Millionen Euro) und den Straßenanschluss (74 Millionen Euro) sowie Kreditkosten in unbekannter Höhe. 82 Millionen Euro kostete der Umzug der Gemeinde Diepensee.Passagiere: Für bis zu 27 Millionen Passagiere pro Jahr ist der Flughafen ausgelegt, maximal 6 500 pro Stunde. Im ersten Jahr werden 23 Millionen Fluggäste erwartet. Zum Vergleich: 2009 gab es in Tegel und Schönefeld 20,98 Millionen Passagiere.Probleme: Ursprünglich sollte der Bau des BBI durch private Investoren erfolgen. Nach zwei vergeblichen Versuchen, den Flughafen zu privatisieren, entschlossen sich die drei Gesellschafter, selbst zu bauen. So sollte vor allem auch der Kostenrahmen eingehalten werden.Gericht: Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 16. März 2006 nach Klagen von 4 000 Betroffenen die Standortwahl und die Pläne. Allerdings forderte es neue Nachtflugregeln.Nachtflüge: Flüge sollen nach der neuen Nachtflugregelung nun bis 23.30 Uhr sowie ab 5.30 Uhr uneingeschränkt möglich sein. Nach Klagen muss darüber wieder das Bundesverwaltungsgericht entscheiden.------------------------------"Wir sind im Prüfungsprozess." Ralf Kunkel, Flughafensprecher