BERLIN, 29. Dezember. Die Dörfer Ambri und Piotta müssen nach dem Weihnachtsfest fast menschenleer gewesen sein. Etwa 400 Menschen wohnen dort in den Schweizer Bergen, 300 traten die Reise zum Continental-Cup nach Berlin an. "Wir haben eine riesige Fangemeinde aus allen umliegenden Orten, zu den Heimspielen kommen immer viertausend Zuschauer", sah Trainer Larry Huras die Unterstützung als normal an. Ein Dorfklub aus dem Tessin ist also die derzeit erfolgreichste Eishockey-Vereinsmannschaft Europas. Continental-Cup 1998, Supercup 99 (2:0 gegen Europaliga-Sieger Metallurg Magnitogorsk), nun den Conti-Cup verteidigt "wir sind das erste Schweizer Klubteam auf internationalem Niveau", sieht Huras historische Dimensionen.Die Eidgenossen verfolgen bekanntlich eine andere Philosophie als die deutschen Vereine. Pro Team sind fünf Ausländer zugelassen, lediglich drei dürfen eingesetzt werden. "Unsere Ausländer sind besser und teurer als in der DEL", so Huras, der jedoch etwas anderes für viel bemerkenswerter hält: "Ich setze immer drei 18-Jährige ein, die erhalten dadurch Spielpraxis. Da dies auch andere Trainer machen, nähert sich die Schweiz immer mehr der Weltklasse." Ablesbar an der A-Gruppen-Zugehörigkeit der Eidgenossen in allen Altersklassen bis hinauf zur Nationalmannschaft.Dass auch in der Schweiz nicht alles eitel Sonnenschein ist, hat Huras am eigenen Leib erfahren. Der HC Ambri Piotta muss sparen und tut dies zunächst erst einmal bei einem der teuersten Angestellten. "Ab nächster Saison bin ich arbeitslos", nutzte der 44-jährige Kanadier seinen Berliner Aufenthalt gleich einmal zur Eigenwerbung.Dessen internationale Meriten hätte sicherlich Peter John Lee gern. Doch den Eisbären blieb auch beim dritten internationalen Anlauf (Zweiter im Conti-Cup 97, Dritter der Europaliga 1998/99) der Griff nach der Trophäe verwehrt. Hinterher haderten die Berliner mit jenen 89 Sekunden, die im Auftaktspiel am Sieg über Ambri Piotta und damit am Gesamterfolg fehlten. Doch ein Cupgewinn hätte viele Unzulänglichkeiten übertüncht. Die Eisbären stellten sich erst im letzten Match gegen Kazan (3:2) in der erforderlichen Form vor. "Nach dem 2:2 gegen Zvolen haben wir uns geschworen, nicht noch einmal so schlecht zu spielen", verdeutlichte Verteidiger Thomas Rhodin, dass Eishockey wesentlich im Kopf entschieden wird. Der Schwede war neben Nico Pyka und dem als besten Torhüter des Turniers ausgezeichneten Udo Döhler einer der besseren Eisbären. Der Keeper solle nun wieder mehr Spielpraxis bekommen, so Lee, doch "Jaroslav Kames bleibt meine Nummer eins". "Die Situation kenne ich ja seit Jahren", kommentierte Döhler lapidar.Zufrieden zeigte sich der Coach mit den beiden 18-jährigen Nils Watzke und Patrick Czajka, die er angesichts des Personalmangels vom Juniors-Oberliga-Team auslieh. "Wir werden sie über einen längeren Zeitraum an die DEL heranführen. Wir überlegen, ob wir sie an einen Zweitliga-Klub ausleihen."