PRENZLAUER BERG. Das Schild am Eingang hängt immer noch. "Auf Grund von Bauarbeiten muss der Spielplatz bis zum Sommer 2005 geschlossen bleiben", hat das Bezirksamt Pankow geschrieben. Es ist längst Sommer. Und der Hirschhof ist immer noch zu. Es kann sein, dass er nie wieder öffnet. Denn es gibt keinen Eingang mehr.Auf zwei Wegen kamen die Menschen bisher auf den Hirschhof. Der eine führt durch den Durchgang des Wohnhauses Oderberger Straße 15. Das Haus wird saniert. Wenn es fertig ist, soll eine Türschließanlage dafür sorgen, dass nur noch Hausbewohner hinein gelangen. Über diesen Weg gingen bisher auch die Mitarbeiter des Grünflächenamtes, wenn sie den Hirschhof reinigen wollten. Der andere Weg, eine kleine Tür an der Kastanienallee 12, ist zu klein für die Gartengeräte und Fahrzeuge. Ohne Gartenpflege aber könne der Hirschhof nicht geöffnet bleiben, sagt Umweltstadtrat Matthias Köhne (SPD).Deshalb wollte sich Köhne auch mit der Eigentümerin des Hauses Oderberger Straße 15 darüber einigen, dass Hirschhof-Besucher den Durchgang weiter nutzen dürfen. Sogar Geld hätte der Bezirk dafür gezahlt. "Doch die Eigentümerin war nicht gesprächsbereit", sagt Köhne. Auch auf Anfrage der Berliner Zeitung wollte sie sich nicht äußern.Der 1982 von Anwohnern angelegte Park ist sehr beliebt, denn er ist eine der wenigen grünen Spielflächen in dem dicht besiedelten Gebiet. Und auch Touristen wollen immer noch den einstigen Geheimtipp der "DDR-Underground-Kultur" sehen. Doch an den Türen hängen Fahrradschlösser. Kein Zugang. Eine Anwohnerinitiative hat dem Bezirksamt Pankow eine Liste mit 300 Unterschriften überreicht, ein Protest gegen die Schließung. "Der Hirschhof ist eine öffentliche Grünanlage. Der Bezirk ist dafür zuständig, sie wieder zu öffnen", sagt Initiator Bernd Krüger. Der Hirschhof wurde erst vor wenigen Jahren für 50 000 Euro saniert.Doch Umweltstadtrat Köhne weiß nicht, über welchen Weg ein öffentlicher Zugang zum Park geschaffen werden könnte. Ein Durchgang zum Hirschhof über den benachbarten Prater? Keine gute Idee. "Der Hirschhof soll kein Biergarten werden", sagt Köhne. Und wenn man die Brandmauer am Spielplatz durchbrechen würde? Das geht nicht. Die dahinter liegende Parkplatzfläche gehört dem Liegenschaftsfonds und soll verkauft werden.Das Problem ist aber hausgemacht, denn der Bezirk hätte schon lange handeln müssen. Schon vor zehn Jahren hatten Anwohner eine dauerhafte Lösung gefordert, nachdem kommunale Häuser privatisiert wurden und die neuen Eigentümer ihre Durchgänge nicht für Fremde öffnen wollten. Passiert ist nichts. Nach den Protesten will das Bezirksamt nun noch einmal mit der Eigentümerin über ein Wegerecht verhandeln. So lange bleibt der Hirschhof zu.------------------------------Ein Hirsch aus SchrottDer Hirschhof befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Käserei an der Oderberger Straße. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.Eine Initiative von Anwohnern begann 1982, das Gelände auszubauen. Der damalige Rat des Stadtbezirkes steuerte etwa eine Million Mark bei.Im Sommer 1985 wurde der Hirschhof eröffnet. In den Folgejahren organisierte die Bürgerinitiative dort Feste, Theateraufführungen, Konzerte und Lesungen.Namensgeber und Symbol für den Hirschhof wurde der Hirsch am Eingang. Die Künstler Hans Scheib, Anatol Erdmann und Stefan Reichmann hatten ihn aus Schrott geschaffen.Die Staatssicherheit der DDR führte eine Akte "Hirschhof". Der Hof galt als Hochburg der Undergroundkultur. Viele Künstler, die dort verkehrten, hatten Ausreiseanträge aus der DDR gestellt.------------------------------Karte: Von der Oderbergerstraße oder der Kastanienallee käme man in den Park - wenn man gelassen würde.------------------------------Foto: So rappelvoll war es zu DDR-Zeiten auf dem Hirschhof. Diese Aufnahme aus dem Jahr 1986 findet man in dem Buch "Ost-Berlin. Leben vor dem Mauerfall" von Harald Hauswald und Lutz Rathenow. Es erschien 2005 im Jaron Verlag.