Die Sache klingt wie eine Mischung aus Hollywood-Kitsch und Esoterik-Quatsch. Starregisseur David Lynch möchte in Berlin eine Universität bauen, die "Universität unbesiegbares Deutschland". Der Name ist so spektakulär wie der Standort: Die Uni soll auf dem Teufelsberg entstehen. "Wir wollen akademische Gebäude für tausend Studenten bauen", bestätigt Guru Raja Emanuel Schiffgens, Chef der Maharishi Weltfriedensstiftung, die die Transzendentale Meditation (TM) betreibt und propagiert. Er habe zusammen mit der David Lynch Foundation das Gelände gekauft, sagt er. Verkäufer war Hanfried Schütte, Architekt aus dem niedersächsischen Bad Pyrmont. Schütte bestätigt: "David Lynch hat am Dienstag den Grundstein für die Universität gelegt." Die Käufer wollten jetzt eine Baugenehmigung beantragen. Wie viel sie zahlten, ist unbekannt.Thomas Gandow, Sektenbeauftragter der evangelischen Kirche, warnt vor den Gurus. "Wir haben drei Probleme mit ihnen: Erstens können Leute, die mit ihnen zu tun haben, schwer psychisch gestört werden. Zweitens ist in der Ideologie kein Platz für Schwache." Gandows drittes Problem mit TM könnte sich noch als Segen erweisen: "Sie sind immer wieder mit Investitionsvorhaben an die Öffentlichkeit gegangen. Es ist nie was draus geworden." Im aktuellen Fall ist sich Gandow nicht so sicher: "Für diesen Senat lege ich nicht die Hand ins Feuer. Ich könnte mir vorstellen, dass Wowereit von der Hollywood-Schiene mit Lynch beeindruckt ist."Die Groteske wirft ein Schlaglicht auf die langjährige Untätigkeit des Senats im Umgang mit dem höchsten Berg der Stadt. 1996 wurde das Gelände für fünf Millionen Mark verkauft. Da der Käufer bis 2005 nicht baute - Pläne für exklusive Lofts oder ein Hotel zerschlugen sich - verfiel die Baugenehmigung, laut Flächennutzungsplan handelt es sich heute um Grünland. Der Senat hat ein Vorkaufsrecht, macht davon aber keinen Gebrauch, weil es ihm zu teuer ist. Die Abhörstation, mit der die USA jahrzehntelang in den Ostblock hinein horchten, ist zur Ruine verfallen, das Gelände gesperrt. "Der Finanzsenator steht hier mit dem Hintern zu den Belangen Berlins." Das sagt Hartwig Berger, ehemaliger Grünen-Parlamentarier und als Vorsitzender des Ökowerks Teufelssee ein Kämpfer für die Renaturierung des Gebietes. Der Senat habe nichts unternommen, obwohl es Pläne für den charakteristischen Turm der Abhörstation gebe: "Da könnte ein Museum rein - für die Geschichte des Teufelsberges oder für die Geschichte des kalten Krieges." Hauptsache, das Gelände werde zugänglich.Möglicherweise erweist sich der Hinweis auf die allgemeine Zugänglichkeit noch als Hintertürchen für die Gurus. Sollte er auf dem Teufelsberg keine Uni bauen dürfen, sagte Raja Schiffgens der Berliner Zeitung, werde es eben ein Aussichtsturm, ein 50 Meter hoher "Turm der Unbesiegbarkeit". "Das", da ist er sich sicher, "wird uns keiner verwehren. Das wird das Wahrzeichen von Berlin und der Bundesrepublik Deutschland." Im Übrigen sei der Name "unbesiegbares Deutschland" nicht militärisch zu verstehen. Seine Ideologie, so Schiffgens, sehe vor, dass das Land durch "Harmonie, Freude und Zusammengehörigkeit" unbesiegbar werde. Genau dafür stehe die Lehre der TM.Die Baugenehmigung müsste der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf erteilen. Die dortige grüne Umweltstadträtin Martina Schmiedhofer hält von den Plänen nichts: "Der Teufelsberg ist Wald."Karte: Der Teufelsberg wurde 1952 bis 1970 aus 26 Millionen Kubikmetern Trümmerschrott aufgeschüttet. Auf dem südwestlichen Hauptgipfel des höchsten Berges der Stadt (115 Meter) bauten die USA eine Radarstation. Sie wurde 1992 abgebaut. Die Gebäude sind heute Ruinen.------------------------------Foto: Der charakteristische Turm mit der Kugel und die dazugehörigen kleineren Kugeln der alten US-Radarstation sind die Wahrzeichen des Teufelsberges.Foto: Skurrile Szenerie im Fackelschein: Am Dienstag legten David Lynch (l.) und Raja Emanuel Schiffgens (r.) den Uni-Grundstein.Foto: Die Berliner eroberten den Teufelsberg, wie 1971 beim Skilaufen. Nebenan horchte die USA gen Osten.