Der "Hundekopf" entsteht wieder

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde ein leistungsfähiger Bahntransport für Berlin nötig. Die Verbindungsbahn zwischen dem Stettiner und Anhalter Bahnhof, die ebenerdig am Ostrand des Tiergartens verlief, behinderte den übrigen Verkehr. So beschloss der preußische Staat 1867, die Strecke außerhalb des Stadtzentrums völlig neu zu bauen - niveaufrei, also entweder auf Dämmen oder in Einschnitten. 1871 ging der erste Abschnitt von Moabit über Stralau-Rummelsburg bis Schöneberg in Betrieb. 1877 wurde der Ring im Westen geschlossen. Wegen seiner stadtfernen La-ge und der fehlenden Verbindung zur Innenstadt spielte der Ring für den Stadtverkehr zunächst keine Rolle. Das änderte sich, als 1882 die Stadtbahn eröffnet wurde. Die Züge verkehrten nun über Stadt- und Ringbahn oder über die so genannte Südringspitzkehre zum Potsdamer Platz. Von da an gab es auch preiswerte Tarife, so dass sich Arbeiter, die in den an die Ringbahn heranwachsenden Mietskasernen lebten, eine solche Fahrt leisten konnten. An der viergleisig ausgebauten Ringbahn, wegen ihres Verlaufs auch "Hundekopf" genannt, entstanden neue Stationen, bisherige Haltepunkte wurden ausgebaut. Ende des 19. Jahrhunderts erhielten z. B. die Stationen Weißensee (heute Greifswalder Straße), Prenzlauer Allee, Schönhauser Allee, Heidelberger Platz oder Beusselstraße im historischen Stil ausgeführte Klinkerempfangsgebäude. Mit der Elektrifizierung 1928/29 entwickelte sich der S-Bahn-Ring zum Hauptbestandteil des Berliner Nahverkehrssystems, das zur damaligen Zeit als eines der modernsten der Welt galt. Nach dem Krieg war erst ab dem 8. Februar 1946 wieder ein durchgehender Betrieb auf der Ringbahn möglich. 1952 entstand eine Verbindung zwischen Schönhauser Allee und Pankow unter Umgehung des in West-Berlin gelegenen Bahnhofs Gesundbrunnen. Beim Mauerbau 1961 wurde die Strecke im Norden zwischen Gesundbrunnen und Schönhauser Allee, im Süden zwischen Sonnenallee und Treptower Park sowie zwischen Köllnische Heide und Baumschulenweg getrennt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund, die SPD und die Presse riefen zum Boykott der S-Bahn auf, die auch in West-Berlin von der Deutschen Reichsbahn betrieben wurde.1980, nach einem Streik der S-Bahn-Mitarbeiter, die sich gegen Betriebseinschränkungen wehrten, bessere Arbeitsbedingungen und ein höheres Einkommen forderten, nahm die Reichsbahn den Verkehr auf dem Ring nicht mehr auf. Die BVG übernahm 1984 die Betriebsführung in West-Berlin und stellte den Betrieb auf weiteren Strecken ein.1989 - nach dem Fall der Mauer - begann der Wiederaufbau des Streckennetzes. Ab dem 31. Mai 1990 setzten die Züge beispielsweise ihre Fahrt über Frohnau nach Hohen Neuendorf und weiter nach Oranienburg fort. Seit 1992 wird am Nordkreuz gebaut. Der Bahnhof Gesundbrunnen verwandelte sich in eine riesige Baustelle. Bis 2006 avanciert er zur Drehscheibe für den Fernverkehr nach Norden. Auch Züge nach Rostock, Stralsund und Szczecin (Stettin) werden künftig ihren Weg über Gesundbrunnen nehmen. ICE-Züge, die durch den Tiergartentunnel zum Lehrter Bahnhof rollen, starten und enden ebenfalls dort.LANDESBILDSTELLE BERLIN 1978: Die West-S-Bahn auf den Gleisen zur Wollankstraße. Die Ost-Züge durchquerten die Grenze zwischen Schönhauser Allee und Pankow.