Eigentlich wollten die Ermittler der Direktion 5 am Montagmorgen in der Wohnung von Frank H. nur nach einer Pistole suchen. Sie waren von der Justiz in Brandenburg darum gebeten worden, weil sich der 48-jährige ehemalige Hausmeister dort vor einem Gericht verantworten muss, so die Polizei. In dem Wohnhaus an der Skalitzer Straße stießen die Polizisten jedoch nicht nur auf eine Waffe, sondern auf ein umfangreiches Waffenlager. In der Wohnung fand die Polizei 77 scharfe Waffen und 15000 Schuss Munition. Das habe die Befürchtungen weit übertroffen, sagten Fahnder gestern. 54 Pistolen und Revolver, zehn Gewehre, eine Maschinenpistole Kalaschnikow mit Schalldämpfer, eine Pumpgun eine Schrotflinte mit Pistolengriff, eine halbautomatische Maschinenpistole "Ingram", neun Schießkugelschreiber sowie fünf Nebelwurfkörper und Munition verschiedener Kaliber lagerten in der Wohnung. Frank H. wurde festgenommen. Er war der Polizei bisher nicht bekannt. Gestern bekam er Haftbefehl wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Für keine der Waffen hat er einen Waffenschein oder eine Waffenbesitzkarte. Der Haftbefehl wurde aber ausgesetzt. Er muss sich regelmäßig bei der Polizei melden.Hintergründe zu der Waffensammlung wurden nicht bekannt. Es hieß lediglich, dass es keinen Hinweis auf die Vorbereitung eines Terroranschlags gebe. Ob Frank H. mit Waffen gehandelt hat, weiß die Polizei nicht.Der illegale Waffenhandel floriert wieder in Berlin, sagen Ermittler. Nachdem er vor einigen Jahren zurückgegangen war, steigt er jetzt wieder leicht an. 2008 stellte die Polizei 3288 scharfe Waffen sicher. Ein Jahr zuvor waren es 3275 Stück. Sicherheitsexperten schätzen aber, dass Zehntausende illegale Waffen im Umlauf sind. Dazu zählen auch verbotene Messer.Pistolen sind am beliebtesten. Sie sind auf dem Schwarzmarkt je nach Kaliber und Baujahr bereits ab 250 Euro zu haben. Die Munition kostet extra. Revolver sind 50 Euro billiger. Für eine Kalaschnikow mit gefülltem Magazin verlangen Händler gegenwärtig mehr als 1000 Euro. Eine Handgranate aus dem ehemaligen Jugoslawien geht schon bei 60 Euro über den Tisch. Waffen werden vor allem im Internet gehandelt. Geliefert wird meist in Einzelteilen, die nacheinander verschickt werden. Die muss der Empfänger nach Gebrauchsanweisung selbst zusammensetzen. Schwieriger ist der Transport von Munition. Sie wird, wie Zigaretten auch, von Kurieren transportiert. Waffen werden vor allem aus dem Ostblock geliefert. Besonders begehrt wegen ihrer robusten Bauweise sind bei Sammlern Waffen aus Russland.In Berlin sind offiziell mehr als 56000 Waffen registriert. Sie gehören vor allem Jägern, Sportschützen, Geldtransporteuren und Wachschützern. Die Waffen der Polizei gehören nicht dazu. Die Genehmigung zum Besitz einer Waffe erteilt die Waffenbehörde. Sie stützt sich auf das Waffengesetz. Der Vollzug des Gesetzes ist Ländersache, die Waffenbehörde gehört zum Landeskriminalamt. Eine Waffenbesitzkarte ist für mehrere Waffen gültig. Mehr als 19000 Personen besitzen eine Karte. Sie berechtigt nicht zum Tragen einer geladenen Waffe in der Öffentlichkeit. Dafür ist ein Waffenschein nötig. In Berlin haben mehr als 350 Privatpersonen einen Waffenschein. Er muss regelmäßig neu beantragt werden.------------------------------Foto: Daran hätten Sammler ihre Freude: Diese Waffen hatte Frank H. illegal in seiner Wohnung.