Die Gewerkschaft der Polizei hat gefordert, die offene Stelle des Berliner Polizeipräsidenten unverzüglich zu besetzen. "Die größte Polizeibehörde in Deutschland benötigt endlich eine intakte Führungsstruktur", sagte der GdP-Landesvorsitzende Eberhard Schönberg am Montag. Auch im Hinblick auf die für den 1. Mai zu befürchtenden Krawalle müsse der Innensenator jetzt eine Entscheidung treffen. Seit dem Ausscheiden von Polizeipräsident Hagen Saberschinsky vor einem Vierteljahr wird die Behörde nur kommissarisch geleitet. Grundsatzentscheidungen zum Beispiel zum Personalabbau oder zur Verwaltungsreform können deshalb nicht getroffen werden. Erst im März will die Innenverwaltung dem Senat einen Personalvorschlag unterbreiten. Über diesen muss dann das Abgeordnetenhaus abstimmen. Die Gespräche mit den Kandidaten sind für Februar angesetzt. Das Auswahlverfahren für den mit 7 150 Euro monatlich vergüteten Posten läuft hinter verschlossenen Türen. "Zu Personalfragen äußern wir uns nicht", sagt Verwaltungssprecherin Svenja Schröder-Lomb. Intern heißt es, dass von fünf Bewerbern noch drei Männer im Rennen seien. Nicht mehr dabei seien die frühere Chefin des Polizeipräsidiums Eberswalde, Uta Leichsenring, und der Potsdamer Polizeipräsident Detlef Graf von Schwerin. Gewerkschaften für Neubeck Neben dem bisherigen Vizepräsidenten Gerd Neubeck, der die Behörde zurzeit leitet, haben der Chef des Bundesgrenzschutzpräsidiums Ost, Udo Hansen, und der ehemalige Chef der Bonner Polizei, Michael Kniesel, Interesse an dem Posten. Neubeck und Hansen gelten als aussichtsreichste Kandidaten. Der 50-jährige Neubeck ist parteilos und gilt als konservativ. Sogar seine Kritiker schätzen an ihm die Fähigkeit, kommunikativ zu sein. Er könne mit seinen Mitarbeitern sehr gut umgehen, heißt es. Die Gewerkschaften favorisieren Neubeck.Udo Hansen vom Bundesgrenzschutz (BGS) hat keine schriftliche Bewerbung eingereicht. Für ihn gilt der Grundsatz: Für solche Posten bewirbt man sich nicht, sondern lässt sich rufen. Der 49-jährige Hansen gilt als ehrgeizig und als ein Sicherheitsexperte, der von seinen Mitarbeitern Höchstleistungen verlangt. Diese Eigenschaften seien bei der Spezialeinheit "GSG 9" geprägt worden, der Hansen mehrere Jahre angehörte, sagen BGS-Beamte. Zuvor war er für die Sicherheit am Flughafen Frankfurt am Main zuständig. Er geriet in die Schlagzeilen, als er Flüchtlingsunterkünfte mit Stacheldraht einzäunen ließ. Der dritte Kandidat, Michael Kniesel, hat sich auf die Ausschreibung aus Berlin "seinerzeit mal beworben". Der 56-jährige Jurist ist Vorstand einer Recycling AG, die abgewickelt wird. Früher war er Polizeipräsident von Bonn und später Staatssekretär in Bremen. Kniesel wechselte von der FDP in die SPD. Für Innensenator Ehrhart Körting (SPD) ist der Posten des Berliner Polizeichefs der schwierigste seiner Art in Deutschland. Körting wünscht sich einen Polizeichef, der "kein Haudegen" sei und der "mit dem nötigen Fingerspitzengefühl" die Reformen bei der Polizei realisieren werde. Entscheidend ist, was sich die Regierungsparteien SPD und PDS wünschen.Die Meinungen sind gespalten: Einige wollen den Querdenker und SPD-Mann Hansen, andere setzen auf Neubeck, wie zum Beispiel der SPD-Abgeordnete Hans-Georg Lorenz. "Ein guter Konservativer ist besser als ein schlechter Progressiver", sagt er.