Der Jazzkeller Treptow feiert seinen 40. Geburtstag: Freie Musik aus der Puschkinallee

Zu DDR-Zeiten war man das FDJ-Aktiv im Kreiskulturhaus Mitte, doch das habe keinen groß interessiert, berichtet Assi Glöde. Er vertritt heute den Verein Jazzkeller 69: eine Gruppe ehrenamtlich aktiver Jazzfans, die weitermachen, nachdem ihr Heimatclub geschlossen wurde. Dort, in der Puschkinallee 5, im Twistkeller des Kreiskulturhauses Treptow, trafen sich vor 40 Jahren Musiker, Fans und Mitarbeiter der HO-Gaststättenorganisation, um eine neue Veranstaltungsreihe auf die Beine zu stellen. Berliner Dixieland war zunächst die Art "Jazz zum Hören und Tanzen", der in der damaligen Klubgaststätte im Keller gegeben wurde. Nach den Weltjugendspielen kam im Zuge des Jazzbooms Mitte der 70er-Jahre dann zunehmend Zeitgenössisches und Freiimprovisiertes ins Angebot, avancierte der Keller über Jahre gar zur prominenten Anlaufadresse für Free-Jazz-Begeisterte aus der gesamten Republik. In Treptow wurde DDR-Jazzgeschichte gemacht.Musiker aus dem "nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet" wie Peter Brötzmann oder Willem Breuker mussten von der Konzert- und Gastspieldirektion der DDR eingeladen werden, manchmal, wenn sie gerade in West-Berlin waren, tauchten sie einfach als Besucher mit Tagesvisum im Publikum auf, um in das jeweilige Konzert einzusteigen.Glöde berichtet auch von Botschaften und Zwischentönen. So hatte Uli Gumpert seine Komposition "'n Tango für Gitti" der damaligen Chefin der HO-Gaststätte gewidmet, von der die Musiker noch bis spät in die Nacht zu essen und trinken bekamen. Nach der Ausweisung von Wolf Biermann, 1976, soll Gumpert auch großen Zwischenapplaus geerntet haben, wenn er in seinen Improvisationen Melodien aus Biermann-Liedern zitierte.Vor 20 Jahren wurde das "Jazz-Aktiv" des Kreiskulturhauses ausgezeichnet, zum 20-jährigen Bestehen des Jazzkellers gab es eine "Kollektivprämie" von 500 Mark. Die 5-tägigen Jubiläumsfeierlichkeiten begannen mit einer Radiosendung auf DDR 2, in der das Klubaktiv "Raritäten von der Konserve" präsentierte. Bei den Konzerten in der Kategorie zu 5,10 Mark spielte ein Berliner Mainstream Quartett Standards und Musikstudenten präsentierten "typischen Gitarrenjazz", in der gehobenen Preisklasse zu 10,10 Mark gab es "Das internationale Konzert" mit dem "traditionellen Avantgardisten Duo" Sven Åke Johanssen und Alexander von Schlippenbach und dem Programmhit "DDR-Jazzer 1989 von Amiga präsentiert" mit dem Trio Dietmar Diesner, Helmut Joe Sachse und Johannes Bauer.Dann kam die Wende, und die Nachfrage ließ nach. Von der Tradition blieben persönlicher Stil und Haltung, die große Zeit für den DDR-Jazz war definitiv vorbei. Der 1991 gegründete Jazzkeller 69 e.V. hat sich jedoch auch nach der Schließung des Kulturhauses unermüdlich für die Förderung des Free Jazz und der jungen Berliner Improvisations-Szene in Treptow, Friedrichshain und Mitte engagiert. Diese Woche feiert der Jazzkeller 69 das 40-jährige Jubiläum mit zwei Konzerten: Am Freitag im Aufsturz in Mitte (Oranienburgerstr. 67) mit dem Trio Rupp/ Pliakas/Wertmüller (21 Uhr), am Sonnabend im Behrens Turm (Ostendestr. 1, Oberschöneweide) um 20 Uhr mit Barry Guy, Tony Buck & Johannes Bauer.------------------------------Foto: Barry Guy spielt Sonnabend zum Jazzkeller-Jubiläum.