Bei allen Schwierigkeiten bin ich immer meinen Weg gegangen, nicht aus egoistischen Erfolgsabsichten, sondern um meinen spezifischen Beitrag als Komponist, Genosse und Staatsbürger zu leisten." Glücklich, wer so wie Günter Kochan keinen Widerspruch sah im Verfolgen des eigenen Weges und des Aufbaus der sozialistischen Gesellschaft. 1930 in Luckau geboren, Student von Boris Blacher und Meisterschüler von Hanns Eisler, begann Kochan seine Laufbahn als Komponist fast zeitgleich mit der Gründung der DDR. Er begann mit Massen- und Jugendliedern wie "Wir lieben unsere Heimat", widmete seine "Fröhliche Ouvertüre" der FDJ. Er komponierte Filmmusik und löste die Erwartungen an seine große Begabung mit der Alt-Kantate "Die Asche von Birkenau" (1965) und der Zweiten Sinfonie (1969) ein.In der Sinfonik entwickelte Kochan nach schlagkräftigen, musikantischen Anfängen einen rhetorischen, expressiven und melodisch geprägten Stil, der Schostakowitschs Sinfonik weiterentwickelt zu knappen, aber dramatisch geladenen Formen. In ihnen kommen Spannungen zum Austrag, die sich mit dem verordneten Optimismus der DDR-Kultur kaum vereinbaren lassen, ohne dass Kochan sich wie jüngere Kollegen geradezu in avantgardistischen Schreibweisen geübt hätte. Seine düstere Fünfte und letzte Sinfonie von 1987 endet nach festlichen Dur-Akkorden der Blechbläser mit so hektischen wie zerhackten Orchesterklängen, die seine proklamierte Identifikation mit dem Staat dann doch fraglich erscheinen lassen. Gleichwohl eckte Kochan nie an; viermal wurde er mit Nationalpreis ausgezeichnet. Nach dem Zusammenbruch der DDR hat man nicht mehr viel von Kochan gehört. Mit seiner Frau lebte er zurückgezogen in Hohen Neuendorf. Am Montag ist Günter Kochan nach langer Krankheit gestorben. (pue.)