Hangukmunhakchagkasan. Das heißt "Schriftstellerpreis für die koreanische Literatur" und ist die höchste Ehrung für Autoren in diesem Land. Es ist nur einer von allen möglichen Preisen, die Ko Un erhielt, der als Kandidat für den Literatur-Nobelpreis gilt.Hierzulande wurde das Werk des 72-Jährigen bislang weniger zur Kenntnis genommen; von der 36-bändigen Gesamtausgabe sind gerade mal drei Bücher ins Deutsche übersetzt. Woher kommt diese Zurückhaltung? Nach Ko Uns Auffassung lassen sich die Einflüsse des Schamanismus in der koreanischen Dichtung nur schwer mit westlichen Kategorien erfassen. Fremd klingt uns vielleicht auch das Pathos, mit dem Ko Un immer wieder nach gemeinsamen Traditionen in Nord- und Südkorea fragt; für ihn heißen sie "Volk" und "Vaterland".Ko Un verweist gern darauf, dass er selbst mit Kim Jong Il ("Ich glaube, der ist in Deutschland nicht so beliebt.") schon öfter mal einen trinken war. Er will, dass die friedliche Nutzung der Atomenergie in Nordkorea zugelassen wird; seit den 80er Jahren setzte er sich für einen gemeinsamen Kongress von nord- und südkoreanischen Schriftstellern ein, ging dafür sogar ins Gefängnis. Für ihn verbindet Nord und Süd vor allem ein Feindbild: "Das Böse ist Bush". Erschreckend schmal werden die Lippen und kämpferisch die Gesten dieses radikalen Demokraten und Pazifisten, wenn es um amerikanische Koreapolitik geht.Geboren wurde er 1933 in Kunsan; damals hielten die Japaner Korea besetzt. In einem seiner Gedichte heißt es: "Der Dichter muss viele Tage geweint haben, bevor er zum Dichter wird. / Als Dreijähriger schon/ muss der Dichter geweint haben für andere." 1945, da war er zwölf, wollte er Kaiser des koreanischen Reiches werden. Sein mit den Japanern kollaborierender Schuldirektor fand das nicht lustig und bestrafte ihn streng. Siebzehnjährig erschütterte ihn der Koreakrieg; er wollte sich umbringen, fand zehn Jahre lang Trost in einem buddhistischen Kloster und schrieb erste Gedichte.Seine Literatur sei aus einem Scherbenhaufen entstanden, sagt er heute; die politische Situation im Land der Morgenstille ist ihr Nährboden. Geprägt hat ihn auch ein Ereignis aus der Zeit der Militärdiktatur unter Park Chung Hee: Die öffentliche Selbstverbrennung des Textilarbeiters Chon Tae Il in Seoul im November 1970 aus Protest gegen die Verhinderung eines Arbeitsgesetzes durch die Regierung.Als sich Ko Un 1979 an Demonstrationen gegen den Koreabesuch Carters beteiligte, wurde er gefoltert, seither ist er auf einem Ohr taub. 1980, nach dem Volksaufstand von Kwangju, verurteilte ihn ein Militärgericht als angeblichen Rädelsführer zu lebenslanger Haft.Ko Un macht kein Hehl daraus, dass er in solch finsteren Lebensphasen im Alkohol Trost fand; um so bewundernswerter die Selbstironie, mit der er bei Veranstaltungen die schönsten Alkoholikerwitze reißt. In "Ein Tag voller Wind" mahnt er: "Denke nicht gedankenlos / daran dich zu betrinken". Vielleicht fällt ihm ja auch heute Abend wieder etwas zu diesem Thema ein.------------------------------Foto: Ko Un: Die Sterne über dem Land der Väter. Suhrkamp, Juli 2005. 101 S., 10,80 Euro.