Manchmal macht Claus Pöhland sein Job keinen Spaß. "Manchmal fällt es schwer, die Lust zu behalten", sagt der frühere Geschäftsführer des Modecenters Berlin. "Berlin ist keine Modestadt", sagt Pöhland und damit will er sich nicht abfinden. Der Erfinder des "längsten Laufstegs" in Berlin (und der Welt) will nämlich "Lust auf Mode" machen. Das versucht er schon seit fünf Jahrem. Seit 1997 präsentiert er auf seinem 1 111 Meter langen Kudamm-Catwalk Mode aus Berlin und dem Ausland. "Uns geht es nicht um Rekorde", sagt der Veranstalter, "sondern um Anregungen. Das Publikum soll sich inspiriert fühlen."Umsonst und draußen Im vorigen Jahr kamen 100 000 Besucher zu dem Open-Air-Modespektakel, das nur die besten Plätze im Innenteil verkauft. Die Preisspanne für die Tickets liegt hier zwischen 7,50 Euro und tausend Euro. Der Großteil des mehr schaulustigen als modebegeisterten Publikums dürfte sich aber, wie in den Vorjahren, für die "Umsonst-und-draußen"-Variante entscheiden. Die Mammutmodenschau zeigt 40 Kollektionen an 500 - vorrangig weißrussischen - Models. "Die sind besser ausgebildet und disziplinierter", sagt Pöhland, "und kosten uns dieselben Gagen wie deutsche Models". Auf allzu Exklusives und auf allzu Trashiges wird verzichtet. Wer Kellerschick à la Berlin erwartet, liegt falsch, im Gegenteil: Modeketten wie Kookai und Strellson, die am Kudamm Filialen betreiben, laufen mit, ebenso gestandene Lokaldesigner wie Lilly Berlin, aufsteigende Newcomer wie Burkhard Wildhagen und etablierte Großnamen wie Thierry Mugler. Die Hälfte der Teilnehmer rekrutiert sich aus Berlin, denn es geht auch um das Image einer Stadt, die zeigen soll, was sie hat. Der Senat betrachtet das seit 1997 stattfindende Modespektakel wohlwollend, fügt es sich doch gut ins Hauptstadtmarketing ein. Finanzielle Unterstützung, wie noch 2001, erhielt Pöhland diesmal nicht. "Ich habe gar nicht gefragt", sagt er. Bei der "aktuellen Situation" - er meint die leeren Kassen des Landes - ziehe er es vor, sich "zurückzuhalten". Gerne nennt sich Pöhland einen "Alleinerlediger".Gut zwei Drittel der Produktionskosten, die sich auf eine halbe Million Euro belaufen, übernimmt der Waschmittelhersteller Lever Fabergé, der mit seinem Produkt "Coral" als Hauptsponsor auftritt. Und so heißt der längste Laufsteg auch nicht mehr "Der große Q", was als Wortspielerei in den ersten Jahren funktionierte, sondern waschmittelmäßig "Coral fashion show". Der Geldgeber will im Namen erscheinen. So sind die Regeln, auch wenn die Raffinesse dabei verloren geht. So etwas möchte sich Burkhard Wildhagen nie nachsagen lassen. Der 28-Jährige beobachtet seine Kundinnen während des Gesprächs und entwirft in Gedanken schon den passenden Schnitt zur Proportion. Das Ergebnis ist fließend und ausgesprochen feminin. Davon profitierte im Februar Katrin Wrobel und wurde Miss Germany. Wenn sie am Sonnabend die "Coral fashion show" moderiert, trägt sie wieder ein Wildhagen-Kleid: eine burgunderrote Festrobe, mit kleiner Rose über dem Po. "Coral fashion show": Sa, 20 Uhr, Kudamm (zwischen Knesebeckstr. und Olivaer Platz), Tickets: 88 92 00 88.Foto: BERLINER ZEITUNG/MAX LAUTENSCHLÄGER Alles passt für Sonnabend: Schneider Burkhard Wildhagen zwängt Model Cady ins enge Grüne.