BERLIN, 10. Juni. 1938 bekamen die Brüder Laszlo und Georg Biró in Ungarn ein Patent. Sie hatten ein kleines raffiniertes Schreibgerät gebaut, das einen Behälter mit zähflüssiger, schnell trocknender Tinte enthielt. Es ist unbekannt, ob Laszlo Biró die rettende Idee wie behauptet beim Anblick rotierender Druckwalzen bekam. Doch er baute nun unter Mithilfe seines Bruders die Grundform des Kugelschreibers. Streicht der über das Papier, dreht sich seine Kugel, nimmt auf der einen Seite Tinte auf und gibt sie auf der anderen an das Blatt ab. Bei sehr feinen Kugelschreibern misst die Kugel heute 0,2 Millimeter, meist beträgt sie 0,7 bis 1,4 Millimeter. Zwei Jahre nach Erhalt des Patentes floh Biró vor den Deutschen nach Argentinien. Dort ließ er im Juni 1943 nach weiteren Verbesserungen seinen Schutzbrief auf den Kugelschreiber erneuern. Es war die Geburtsstunde unseres heutigen Alltagsgeräts. Aus Aluminium mit Kappe und Clip gelangten die ersten Tintenkugelschreiber als "Birome" in die Geschäfte, für 40 Dollar pro Stück. Später wurde der Kugelschreiber in mehreren Ländern, etwa in England, als "biro" verkauft. In den USA hieß er nach dem Patent von 1941 Ball Pen.Den ersten Großauftrag erteilte die britische Luftwaffe. Sie suchte im Zweiten Weltkrieg einen Stift für Piloten, der auch in großer Höhe klecksfrei schrieb. Der Brite Henry G. Martin entdeckte, dass weder die Flughöhe noch Luftdruckschwankungen die Schreibfähigkeit des Kugelschreibers minderten. Seine mit Frederick Miles 1944 bei Reading (Berkshire) gegründete weltweit erste Kugelschreiberfabrik fertigte im selben Jahr 30 000 Stück für die Bomberpiloten der Royal Air Force. Auch die US-Firma Reynolds baute nun Kugelschreiber. Sie veränderte Birós Stift kurzerhand und berief sich auf ein abgelaufenes Patent aus dem Jahre 1888, in dem die Geschichte des Kugelschreibers eigentlich begann. Damals hatte sich der Amerikaner John Loud in den Kopf gesetzt, einen Stift mit fünf kleinen Kugeln zu bauen, die für den Strich sorgen. Doch kam Loud über die Zeichnungen nicht heraus. Der Erfindung fehlte es noch an hinreichend präzisen Schreibkugeln und einer Tinte auf Ölbasis.Mit der Reynolds-Produktion wurde der Kugelschreiber weltweit zur beliebten Massenware. Nach 1945 stellten gleich mehrere Firmen Kugelschreiber her - obwohl nicht alle das Recht dazu hatten. 1950 kosteten in Deutschland Kugelschreiber noch rund 20 Mark pro Stück. In Frankreich fertigte Baron Marcel Bich unter der Marke bic riesige Mengen Einwegkugelschreiber und machte "bic" fast zum Synonym für Kugelschreiber. Der teuerste Kuli dürfte ein Modell der Nasa sein, das in der Schwerelosigkeit funktioniert und über eine Million Dollar kostete. Russische Kosmonauten benutzten Bleistifte.Wie der Füllfederhalter ist der Kugelschreiber auch als Kunstgegenstand und Schmuckstück populär. Doch bei allen Vorzügen erlaubt der Kugelschreiber weder einen variantenreichen Schriftzug noch einen Schatten- und Schwellstrich. Nur einen einförmigen Gleichzug.