Der Kunstsammler galt als Schieber

Als Friedhelm Beuker noch in Prenzlauer Berg wohnte, besaß er eine der wichtigsten Kunstsammlungen der DDR. Der Sportmediziner sammelte Werke aus dem Berliner Klassizismus von 1760 bis 1800. 1976 wurde er wegen "Steuerhinterziehung" angeklagt und ins Gefängnis gesteckt. Auf vier Millionen Mark wurde die Sammlung damals getaxt. So viel Geld hätte Beuker nie verdienen können, argumentierten die Behörden. Plötzlich galt Beuker nicht mehr als Kunstsammler, sondern als Besitzer "spekulativer Handelsware". Heute weiß er, dass auf diese Weise insgesamt 20 Kunstsammlungen verstaatlicht worden sind. "Allerdings wurde ich nicht in einen normalen Kriminellen-Knast gesteckt, sondern saß in Stasi-Haft", sagt der heute 67-Jährige. "Man wollte nichts weiter als meinen ganzen Besitz." Beuker, einst Dozent an der Leipziger Hochschule für Körperkultur, wurde 1982 aus dem Zuchthaus entlassen und durfte in den Westen. Ihm wurde "bis auf die letzte Unterhose alles weggenommen". Er begann eine neue Karriere und wurde Sportprofessor in Düsseldorf.Nun ist er rehabilitiert, denn das DDR-Recht war Unrecht. So heißt es offiziell. Doch sein Eigentum hat er trotzdem noch nicht zurück. Nur wenige Gegenstände sind nach der Wende von den Behörden sicher gestellt worden. Das Berliner Kammergericht urteilte zudem, dass nach den Gesetzen der DDR rechtens entschieden worden sei. Und so sieht Friedhelm Beuker weiterhin in verschiedenen Auktionskatalogen sein Eigentum feil geboten. Sein Schinkelsilber das stehe heute bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sagt er. "Im Schloss Friedrichsfelde hängen Zeichnungen, stehen Möbel und Bilder, die einmal mir gehörten." Bei Christie s in London hat er ein Bild wiedergesehen, das einmal in seinem Wohnzimmer hing. Er hat es zurückgekauft. Stasi, Gerichte und Schalck-Golodkowskis KoKo-Imperium hätten eng zusammengearbeitet, sagt Reinhard Dobrinski vom "Forum zur Aufklärung und Erneuerung". Sein Verein will die Finanzgebaren der DDR-Führung aufarbeiten. Wer Eigentum wiederhaben will, hat schlechte Chancen. "Die Opfer sind in der Beweispflicht", klagt Dobrinski. Laut Vermögensgesetz müssen die beraubten Bürger den Nachweis einer "Verwertung" der Gegenstände erbringen, was fast unmöglich ist. Im Fall der 57 Schmuckstücke, die jetzt im Internet präsentiert werden, ist das anders: Sie wurden bereits "verwertet".