Der stellenweise asbestverseuchte sogenannte Mäusebunker der Charité soll Ende des Monats weitgehend geräumt werden. Die Verantwortlichen in dem Uniklinikum haben dem Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi) mit Verspätung nun einen Umzugsplan vorgelegt. "Danach werden alle an der Krahmerstraße in Steglitz tätigen Forscher ausgelagert", sagte gestern Lagetsi-Sprecher Robert Rath. Sie sollen in ein Gebäude der Charité an der Garystraße in Dahlem ziehen.Die Techniker und Tierpfleger sollen aber vorerst in dem für Tierversuche genutzten Mäusebunker bleiben. Und auch die die meisten der rund 50 000 Mäuse und Ratten werden nach Informationen Raths weiter in dem Haus, das offiziell "Forschungseinrichtungen Experimentelle Medizin" (FEM) heißt, bleiben. Lediglich die Tiere, die aktuell für Experimente gebraucht werden, sollen mit den Wissenschaftlern umziehen. Langfristig soll das Forschungshaus zurückgebaut und abgerissen werden.Wenn die Laborarbeitsplätze nicht mehr genutzt würden, sei die Asbestgefahr größtenteils gebannt. "Dann wird kein Dunst mehr aus den Abzugshauben durch die mit Asbest ummantelten Rohre in die Technikräume geleitet", erläuterte Rath. Dennoch seien die Wartungsräume dann nicht asbestfrei. Zunächst müssten die Rohre ausgebaut, entsorgt und die Wartungsbereiche in den fünf Etagen gesäubert werden. "Daher müssen die Techniker weiterhin Atemschutzmasken tragen, wenn sie sich dort aufhalten." Für die Sanierung hat das Lagetsi der Charité eine Frist bis Jahresende gesetzt.Rath betonte, lediglich die Technikräume seien mit Asbest kontaminiert. Die Unfallkasse untersucht, ob drei Todesfälle sowie eine schwere Erkrankung ehemaliger Charité-Mitarbeiter in Zusammenhang mit der Asbestkontaminierung stehen. Ein erster Abschlussbericht wird Mitte dieses Monats erwartet, kündigte Sprecherin Kirsten Wasmuth gestern an."Der Charité-Vorstand hat sich viel zu lange Zeit mit einer Entscheidung gelassen und die Mitarbeiter erst spät unterrichtet. Das Problem war seit mehr als einem Jahr bekannt", kritisierte der Personalratsvorsitzende der Fakultät, Christoph Berndt. Zudem bemängelte er, dass der Mäusebunker nur teilweise leergezogen werden soll. Das Gebäude müsse so früh wie möglich ganz aufgegeben werden. "Die Technik ist vollkommen veraltet und der Energieverbrauch irrwitzig hoch", sagte der Personalratsvorsitzende.In dem Forschungshaus an der Garystraße, in das die rund 100 Mitarbeiter, die bisher im Mäusebunker arbeiteten, jetzt ziehen, seien bislang drei wissenschaftliche Institute untergebracht. Es stünden aber seit dem Auszug des Instituts für Pharmakologie, in dem ebenfalls Tierversuchen unternommen wurden, noch Räume frei.Der Vorstand der Charité teilte auf Anfrage lediglich in einer schriftlichen Erklärung mit, er werde dem Aufsichtsrat zur nächsten Sitzung sein langfristiges Konzept für die Entwicklung der Forschungseinrichtungen Experimentelle Medizin der Charité (FEM) vorstellen. "Das FEM Krahmerstraße wird derzeit zur Sanierung gemäß einem, mit dem Lagetsi abgestimmten Sanierungskonzept ab Sommer vorbereitet. Hierfür werden Teile der Kapazitäten - je nach Erfordernis der Forschung - an andere Standorte verlagert", hieß es.Nicht nur der in den 70ern errichtete Mäusebunker ist asbestbelastet - auch das Uniklinikum Benjamin Franklin der Charité in Steglitz, wo das gefährliche Mineral jedoch noch nicht freigesetzt wurde.------------------------------Erst seit 1993 verboten war, dass Asbest Krebs erzeugen kann.Mehr als 500 000 Menschen sind nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung durch den Umgang mit Asbest erkrankt. Die Zeit zwischen Einatmen der Mineralfaser und Ausbruch der Krankheit kann mehrere Jahrzehnte betragen.------------------------------Foto: Noch dürfen die Tiere bleiben, aber bald wird der Mäusebunker abgerissen.