Der Maler blickt konzentriert auf das blonde Mädchen, dann hebt er die Hand und gibt das Zeichen zum Start. Es ist genau 13.13 Uhr - der Rekordversuch beginnt. Der Stift des Meisters rast über das Papier: Stirn, Nase, Mund und Augen bringt er in Windeseile aufs Papier. "Das bin ja ich", sagt Monique nach kaum fünf Sekunden erstaunt, "der ist aber schnell."David Miro ist am Sonnabend im Forum Köpenick angetreten, um den Weltrekord im Schnell-Porträtzeichnen zu brechen. Mindestens 505 Kindergesichter will der 51-Jährige in 90 Minuten auf Papier bringen und damit seine eigene Bestleistung von 1998 überbieten. Wie ihn stellt sich wohl jedes Kind einen Maler vor: Langes Haar zum Pferdeschwanz gebunden, eine schwarze Baskenmütze schräg auf dem Kopf. Schon seit Jahren jagt Miro Rekorden nach: Im Guiness Buch ist der gebürtige Franzose seit 1990 eingetragen. Damals schaffte er 308 Kinder-Porträts in 90 Minuten. Seitdem wird er immer schneller. Auch diesmal ist er gut in Form. Miro rast von Malblock zu Malblock und verewigt Kinder im Akkord. 18 Blöcke hat er an die Wand gepinnt, dahinter stehen Jungen und Mädchen in Reih und Glied und zeigen ihr Profil. 13.43 Uhr: Ein Drittel der Zeit ist um, Miro hat knapp 200 Gesichter auf Papier gebracht. Annerkennende Blicke aus dem Publikum. "Er zeichnet sehr detailliert", findet Christel Dathel. "Hoffentlich schafft er es", sagt die zwölfjährige Janine. Viermal hat sie sich schon zeichnen lassen. "Die Bilder sind ok", sagt sie. Dann steht sie wieder auf der Bühne für das nächste Portrait. 14.07 Uhr: Der Meister zeigt erste Ermüdungserscheinungen. Immer wieder muss er sich dehnen und strecken. Doch auch von anderer Seite naht Gefahr. Dem Rekord-Zeichner drohen die Kinder auszugehen. Janine spricht deshalb eine Dame mit Kinderwagen an: "Los auf die Bühne, auf den Wagen pass ich auf." Die verdutzte Mutter nimmt ihr Kind auf die Bühne. Alle helfen mit, schnell sind wieder genug Modelle zur Hand. Viele Kinder lassen sich doppelt und dreifach zeichnen - das ist erlaubt. Um 14.35 Uhr, nach 82 Minuten ist das Papier alle. Doch Miro ist gut in Fahrt, will noch nicht aufhören und zeichnet auf den Bodenpappen der Malblöcke weiter. Dann sind auch die voll. Es ist 14.41 Uhr, der alte Rekord ist weit überboten: 620 Porträts in 88 Minuten hat Miro geschafft und kommt damit wieder ins Guiness Buch der Rekorde. Der Meister sinkt zu Boden, reißt eine Champagnerflasche auf und spritzt um sich. "Die Beine tun mir weh", sagt er. Doch die Arbeit ist nicht vorbei, um ihn stehen an die hundert Kinder mit Zeichnungen. Der Meister signiert jedes Einzelne, auch die 14 Bilder von Janine. Nach einer weiteren Stunde ist auch für Miro Feierabend. Schon am Sonntagmorgen geht es für ihn weiter: Da leitet er einen Malkurs für Kinder.